Laut Eigenbetrieb Abfallwirtschaft war der Austausch der Tonnen gegen Exemplare mit Chip eine gute Entscheidung. Foto: Otto

Ein "Schlag ins Gesicht" war für viele Bürger des Landkreises Rottweil 2020 die Müllgebührenerhöhung um 27 Prozent. Diese sorgte im Winter 2019 für eine Welle der Entrüstung. Nun ist klar: 2022 werden die Gebühren erneut erhöht.

Kreis Rottweil - Möglicherweise wird damit eine Wunde aufgerissen, die gerade erst verheilt ist. Schließlich gab es im Winter 2019 einen gehörigen Shitstorm in Richtung Eigenbetrieb Abfallwirtschaft. Schuld war die damalige Müllgebührenerhöhung um 27 Prozent. Die Ankündigung kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Der Ärger über nicht pünktlich geleerte Tonnen war damals allgegenwärtig, der Tausch der Tonnen gegen Modelle mit integrierten Chips in der Bevölkerung sehr umstritten. Auch war die Stabilität der neuen Tonnen kritisiert worden.

Hubert Nowack (Grüne) fragte im Kreisbetriebsausschuss Abfallwirtschaft nach, wie die bisherige Erfahrung mit den Chips sei. Dem Beschwerdemanagement habe die "clevere Tonne" sehr geholfen, meinte Eigenbetriebsleiter Christian Mutz. Nicht nur habe sich die Kommunikation mit den Bürgern und dem Abfallentsorgungsbetrieb ALBA verbessert, die Abrechnung sei zudem einfacher geworden. Des Weiteren könne der Austausch von verschieden großen Behältern viel schneller erfolgen als zuvor.

Kosten steigen

Mit Blick auf den Wirtschaftsplan 2022 erhöhen sich die Aufwendungen für den Eigenbetrieb um 800 000 Euro auf 14,9 Millionen Euro. Eine Ursache dafür ist die Erhöhung der Kosten für das "Einsammeln und Befördern" um rund 274 000 Euro auf 6,1 Millionen aufgrund von Mengenerhöhungen und einer Preisanpassungsklausel von 3,6 Prozent der Firma ALBA beim Vertrag über Sammlung und Transport von Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und über die Verwertung von Altholz.

Die Kosten für die Entsorgung von Biomüll steigen derweil aufgrund von Mengenerhöhungen um 60 000 Euro auf 980 000. Gleich hoch ist der Anstieg bei den Kosten für die Entsorgung von Grünabfällen auf 645 000 Euro. Ein zusätzlicher Personalbedarf und Tariferhöhungen lassen die Personalkosten zudem um 93 000 Euro auf 920 000 Euro steigen.

Die Erträge erhöhen sich derweil um 800 000 Euro auf zwei Millionen. Das wird vom Eigenbetrieb unter anderem auf höhere Erlöse im Bereich Altpapier (+350 000 Euro) zurückgeführt. Insgesamt soll das Wirtschaftsjahr 2022 mit Aufwendungen von 14,9 Millionen und Erträgen von 15,1 Millionen Euro abgeschlossen werden. Der Gewinn von 200 000 Euro wird zum Ausgleich von Vorjahresverlusten genommen.

Erhöhung um vier Prozent

Weil nun unter anderem durch die Preisanpassungsklausel von ALBA im Bereich Hausmüll Mehrkosten in Höhe von 150 000 Euro pro Jahr entstehen, sollen die Gebühren um durchschnittlich vier Prozent erhöht werden. Insgesamt müssten aufgrund eines Gebührenausgleichs gegenüber dem Jahr 2021 im kommenden Jahr Mehrkosten in Höhe von rund 570 000 Euro über die Abfallgebühren erwirtschaftet werden, so Mutz.

Eine Senkung der Gebühren um rund drei Prozent ist bei den hausmüllähnlichen gewerblichen Siedlungsabfällen geplant. Im Vergleich zum Vorjahr müsse man diesmal keine Vorjahresverluste ausgleichen, so die Erklärung.

Bei Selbstanlieferern von Grünabfällen erhöhen sich die Gebühren hingegen von 147 Euro pro Tonne auf 154 Euro, was einer Steigerung von fünf Prozent entspricht. Da die Waage auf der Deponie Bochingen erst ab einem Gewicht von 200 Kilogramm geeicht sei, werde bei Grünabfällen aus anderen Herkunftsbereichen als privaten Haushalten für Kleinmengen erstmals eine Pauschale in Höhe von 15 Euro je Anlieferung festgelegt.

Deutliche Erhöhung auch bei Altholz

Beim Thema Altholz ist laut Eigenbetrieb Abfallwirtschaft nach einiger Praxiserfahrung eine deutliche Gebührenanpassung notwendig. 2021 war für die Selbstanlieferung von Altholz erstmals eine Abgabe fällig geworden. In der Kategorie AI bis AIII wird die Gebühr von 128 Euro pro Tonne auf 159 Euro erhöht (+24 Prozent). Beim Altholz der Kategorie AIV steigen die Kosten für den Anlieferer von 222 Euro pro Tonne auf 288 Euro, was einer Erhöhung um 30 Prozent entspricht.

"Um eine Gebührenerhöhung kommen wir nicht drumrum", sagte Landrat Wolf-Rüdiger Michel im Ausschuss abschließend. Man müsse auch immer die Inflation im Hinterkopf haben. 2021 habe man die Gebühren stabil halten können. Nun müsse man aber, bedingt durch höhere Kosten bei Löhnen und Treibstoffen, reagieren.

Nur knapp über Niveau von 2002

Um die Erhöhung zu relativieren, hatte die Verwaltung eine Übersicht zur Entwicklung der Hausmüllgebühr mitgebracht. 2022 werde man demnach beim Hausmüll mit der Gebühr nur ganz leicht über dem Niveau von 2002 liegen, bei der Selbstanliefergebühr aber sogar deutlich unter dem Wert von 2002. "Das gibt’s sonst heutzutage bei keiner Dienstleistung mehr", betonte Michel.

Elf von zwölf Kreisausschussmitgliedern nickten die Gebührenkalkulation für 2022 ab, lediglich Kreisrat Franz Rohrer (FDP) stimmte dagegen.