Der neue Kreisverkehr auf der Saline in Rottweil war kaum freigegeben, da häufte sich auch schon die Kritik. Unsere Berichterstattung dazu hat für jede Menge Resonanz gesorgt. Der Kreisel sei zu unübersichtlich und zu kompliziert, meinen viele. Wir haben bei den Planern des Regierungspräsidiums nachgefragt: Was sagt man dort zur Kritik? Und: Am Dienstag tat sich vor Ort tatsächlich etwas in Sachen Übersichtlichkeit.
Rottweil - "Gewöhnungsbedürftig" – das gehört noch zu den eher milderen Urteilen zum neuen Kreisverkehr am Verkehrsknoten B 14/B 27 im Rottweiler Süden. Nicht nur im Gemeinderat war Kritik aufgekommen, auch viele Leser hatten ihrem Unmut Luft gemacht.
Viele Kommentare auf Facebook
In fast 100 Kommentaren wurde auf unserer Facebook-Seite "Schwarzwälder Bote Rottweil" über den neuen Kreisel diskutiert. "Bin schon über viele Kreisverkehre in anderen Städten und Ländern gefahren aber keiner war so wie der! Und die Fahrspuren finde ich auch knapp bemessen! Mal gucken bis es scheppert!", meint ein Kommentator und trifft damit die Meinung vieler. Andere verkünden gar, den Kreisel künftig lieber zu umgehen. Es gibt aber auch Autofahrer, die kein Problem sehen und sich über die Irritationen wundern. Schließlich gebe es in anderen Städten auch solche Turbinen- oder Turbo-Kreisel genannte Bauwerke – teils mit noch mehr Spuren.
Doch warum haben sich die Planer des Regierungspräsidiums beziehungsweise des Straßenbauamts Donaueschingen gerade auf der Saline für diese Variante entschieden? "Ein normaler Kreisverkehr hätte es doch auch getan", wird moniert.
Höhere Kapazität
Diese Ansicht teilen die Planer eben nicht. Auf Nachfrage unserer Redaktion beim zuständigen Regierungspräsidium (RP) in Freiburg heißt es, dass solch einer Planung natürlich immer auch eine Verkehrszählung zugrunde liege. Und an dem viel befahrenen Knotenpunkt B 14/ B27 sei der Kreisverkehr "zur Gewährleistung einer ausreichenden Leistungsfähigkeit" als Turbo-Kreisel konzipiert worden. Sprich: Ein Turbo-Kreisverkehr kann mit mehr Spuren auch mehr Verkehr aufnehmen – vorausgesetzt, es klappt mit dem Verkehrsfluss.
Mit der Umgestaltung des ganzen Verkehrsknotens, inklusive des neuen Auffahr-Astes – der ebenfalls noch für einige Verwirrung sorgt – sollte generell für eine verkehrliche Entlastung und die Verkürzung von Wartezeiten gesorgt werden. "Es sind immerhin zwei Bundesstraßen, die hier aufeinandertreffen", so ein Sprecher des RP. Man gehe hier absolut von einem Fortschritt gegenüber einem Und man hoffe außerdem, dass schwere Unfälle jetzt der Vergangenheit angehören.
Neue Markierungen
Klar ist für das RP, dass sich mit der Beschilderung, die aktuell noch fehlt, auch die Orientierung der Autofahrer entscheidend verbessern wird, denn die "Vorsortierung" des Verkehrs ist gerade bei einem Turbo-Kreisel entscheidend.
Etwas hat sich schon getan: Nachdem es auch im Rottweiler Gemeinderat geheißen hatte, man wolle gemeinsam mit der Polizei und dem RP "Verbesserungspotenzial" prüfen, wurden am Dienstag auf der Fahrbahn weitere Markierungen mit Ortskürzeln angebracht, um den Autofahrern aufzuzeigen, in welche Richtung es auf der jeweiligen Spur geht.
Die Beschilderung soll dann Ende November kommen, so der Sprecher des RP. Hier habe es Verzögerungen gegeben. Dennoch habe man den Kreisel angesichts der hohen Belastung der Umleitungsstrecken auch ohne Schilder freigeben wollen, denn: "Wenn der Kreisverkehr fertig gewesen aber dennoch gesperrt geblieben wäre bis die Schilder da sind, hätte das wohl auch für Unmut bei den Verkehrsteilnehmern gesorgt", vermutet er – wohl nicht zu Unrecht.
Mit der Hoffnung auf den weiteren Gewöhnungseffekt und auf übersichtliche Schilder fließt der Verkehr nun also weiter durch den neuen Turbo-Kreisel. Wobei der Name nicht falsch zu verstehen ist: Man sollte es, vor allem beim ersten Mal, wirklich langsam angehen.