Mehrere Vorfälle in der Vergangenheit lassen Rathaus und SC Lahr handeln: Bei den Stadtmeisterschaften werden in diesem Jahr erstmals professionelle Ordner im Einsatz sein.
Rund 800 Spieler in 78 Teams, die insgesamt 182 Partien bestreiten: Vom 6. bis 8. Februar gehen im Hallensportzentrum die Lahrer Jugend-Stadtmeisterschaften 2026 über die Bühne. Ein Turnier, das in der Vergangenheit Generationen von Nachwuchsfußballern elektrisiert und bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Leider gilt das auch vermehrt für Besucher, für die der Sport im Hintergrund steht. Die Konsequenz: Bei der 46. Auflage der sonst so beispielhaften Veranstaltung wird es eine Premiere geben, auf die die Verantwortlichen gerne verzichtet hätten.
Stefan Wölfle, Jugendleiter des SC Lahr und seit Jahrzehnten der Mann hinter der Stadtmeisterschaft, bestätigte LZ-Informationen, wonach erstmals eine Sicherheitsfirma am Turnier-Wochenende in den Sporthallen am Mauerfeld präsent sein wird: „Nach verschiedenen Vorkommnissen im vergangenen Jahr haben wir uns direkt mit der Stadt zusammengesetzt und uns gemeinsam zu diesem Schritt entschieden.“
Flasche in Zuschauerränge geworfen
Wölfle berichtet von Vandalismus und Diebstählen. „Besonders am Freitagabend mussten wir immer wieder im Kabinentrakt nach dem Rechten sehen.“ Gefährlich für Spieler und Fans wurde es am Sonntag: Bei der Siegerehrung, während der die Tribüne abgedunkelt wird, warfen Jugendliche volle Plastikflaschen in die Zuschauerränge – eine Frau wurde am Kopf getroffen.
Dreiköpfiges Team ist im Einsatz
Er könne und wolle nicht den Vereinsmitgliedern aufbürden, „Halbstarke mit Flausen im Kopf“ in die Schranken zu weisen, sagt Wölfle. Stattdessen wurden nun Profis beauftragt, konkret: ein dreiköpfiges Team einer Sicherheitsfirma. Wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage erklärt, werden die Profi-Ordner am Freitagabend und zu den Finalspielen am Sonntag eingesetzt, vornehmlich im Bereich der Tribüne und den Umkleiden, „um zu gewährleisten, dass auch bei zu erwartenden hohen Zuschauerzahlen Flucht- und Rettungswege permanent frei bleiben“. Zudem sollen vor allem Sachbeschädigungen verhindert werden. Solche waren zuletzt auch beim Suzuki-Cup zu beklagen. Das Großturnier mit mehr als 140 Teams findet immer kurz vor Silvester ebenfalls im Hallensportzentrum statt.
Kosten liegen bei rund 500 Euro
Die Kosten für den Einsatz der Security übernimmt die Stadt Lahr, sie sollen „abhängig von den Einsatzzeiten“ bei rund 500 Euro liegen. Laut Rathaus handelt es sich um einen „Testlauf“; nach den Stadtmeisterschaften, bei denen Mannschaften aus dem Altkreis Lahr von den Bambini bis zur C-Jugend gegeneinander spielen, werde „diese Maßnahme gemeinsam mit dem Verein evaluiert“.
Ordner sollen sich im Hintergrund halten
Chef-Organisator Wölfle blickt nicht ohne Sorge auf die Entwicklung, weiß aber, dass es sich „nicht um ein Spezial-Problem der Stadtmeisterschaften“ handelt – sondern um ein gesellschaftliches: „Leider nimmt der Vandalismus überall zu, wie zuletzt auch bei der Chrysanthema und dem Weihnachtsschmuck in der Innenstadt zu erfahren war.“ Der Stadt ist er für die Unterstützung des Jugendturniers, dessen Schirmherr seit jeher der OB ist, dankbar. Der emsige Vereinsmensch hofft, „dass wir auch in diesem Jahr eine tolle Stadtmeisterschaft erleben mit spannenden Spielen und vielen Toren“. Der Sport, verspricht Wölfle, werde weiterhin im Fokus stehen. „Die Ordner werden sich möglichst im Hintergrund halten, es gibt keine Einlasskontrollen, alle, die Lust auf guten Fußball haben, sind und bleiben uns willkommen.“
Alarm beschäftigt die Stadtverwaltung
„Dies ist ein Notfall. Bitte verlassen Sie umgehend das Gebäude und begeben sich zu den ausgewiesenen Sammelplätzen! Befolgen Sie die Anweisungen des Personals!“ Diese Durchsage, gepaart mit schrillem Sirenengeheul, hallte vergangenen Samstag durch das Hallensportzentrum. Während eines Kinder-Fußballspiels im Rahmen der Bezirksmeisterschaften hatten Jugendliche offenbar mutwillig eine Notausgangstür entriegelt. Zuschauer und Spieler folgten der Stimme aus den Lautsprechern zögerlich, teils widerwillig. Nachdem man sich kurz vor die Halle begeben hatte und der ausrichtende Verein sich darin umgeschaut hatte, kam die Aufforderung: Alle wieder rein, es geht weiter. Nach gut 40 Minuten war der Hausmeister vor Ort und schaltete den Alarm aus. Im Nachgang stellt das Rathaus klar, dass dieses Vorgehen so nicht in Ordnung war. Denn: Das Gebäude hätte „ausschließlich durch eingewiesenes Personal“ – etwa Hausmeister oder Feuerwehr – wieder freigegeben dürfen. „Die Verwaltung nimmt den Vorfall zum Anlass, die derzeitigen Abläufe zu überprüfen und die bestehenden Vorgaben sowie die richtige Vorgehensweise im Alarmfall mit allen Beteiligten zu besprechen“, so die Stadt.