Nach rund achtjähriger Umbau- und Sanierungsphase erstrahlt die sechsräumige Metallwerkstatt der Beruflichen Schulen Schramberg in neuem Licht und Ausstattung.
Bei der feierlichen Inbetriebnahme am Montag mit Vertretern der Schule, Stadtverwaltung, Industrie- und Handelskammer sowie Kreis- und Gemeinderäten erinnerte Schulleiter Axel Rombach an den genau 71 Jahre zurückliegenden 17. Juni 1953, an dem DDR-Bürger auf die Straße gingen, um für Freiheit zu demonstrieren. Der damalige Aufstand sei von der Sowjetunion blutig niedergeschlagen worden.
Insbesondere berufliche Bildung ebne den Weg in ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. In dieser Schule müssten junge Menschen hierfür nicht auf die Straße gehen, sondern nur lernen und Chancen nutzen. „Unsere neue Metallwerkstatt ist ein Herzstück der Berufsausbildung. Hier lernen die Schüler die Bearbeitung von Metall, erlangen technisches Verständnis und handwerkliches Geschick“, hob der Schulleiter hervor. Es würden Industrie-, Zerspanungs- und Werkzeugmechaniker, Maschinen- und Anlagenführer sowie Mechatroniker ausgebildet.
Mit mehr als 300 Schülern und 110 Unterrichtsstunden pro Woche habe die Werkstatt eine Auslastung von circa 75 Prozent „und noch Luft nach oben“. Er hoffe, dass nach dem demografisch bedingten Rückgang künftig wieder mehr junge Menschen den Weg in eine gewerblich-technische Ausbildung fänden.
Bessere Lernatmosphäre
Die sanierte Metallwerkstatt verbessere die Lernatmosphäre und die Nutzung der Räume mit modernen Anlagen, ermögliche eine effizientere Organisation und steigere die Qualität der beruflichen Bildung. „Sie setzt Maßstäbe und wird junge Menschen motivieren. Die Einführung der Mechatroniker-Ausbildung war ein zukunftsweisender Schritt. Ein Meilenstein, an dem alle tatkräftig mitgearbeitet haben“, fasste Rombach zusammen und dankte allen Unterstützern.
Renovierung hatte sich aufgedrängt
Landrat Wolf-Rüdiger Michel betonte, nach dieser langen Bauzeit könne mit Stolz auf das Geschaffene zurückgeblickt werden. Da die Räume aus den 60er Jahren stammten, hatten sie bauliche Mängel aufgewiesen. An den Farben der Maschinen könne deren Alter geschätzt werden. Eine Renovierung habe sich deshalb aufgedrängt. Die Unterrichtsmethoden hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, weshalb die Räume auch den sich wandelnden Erfordernissen angepasst und umgebaut werden mussten.
Umbau bei laufendem Schulbetrieb
Von 2015 bis Dezember 2023 seien in insgesamt sechs Bauabschnitten die Lackiererei in eine Metallwerkstatt, die Schweißwerkstatt sowie weitere Werkstatträume umgebaut, saniert und mit neuem Mobiliar und Maschinen für insgesamt rund 1,85 Millionen Euro ausgestattet worden, schilderte der Landrat. Sämtliche Arbeiten seien während des laufenden Schulbetriebs erfolgt, schmutz- und lärmintensive Maßnahmen größtenteils in die Sommerferien verlegt worden.
Hohe Bedeutung in Zeiten des Fachkräftemangels
In der Vergangenheit sei die Entwicklung und Ausrichtung der Schule immer auf die Nachfrage der Ausbildungsbetriebe ausgerichtet worden. Im Landkreis Rottweil genieße das Berufliche Bildungswesen einen hohen Stellenwert, weshalb der Kreis als Schulträger für bestmögliche Rahmen- und Lernbedingungen sorge. „In Zeiten von Fachkräftemangel ist die berufliche Bildung ein Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort und für die Betriebe in unserer Region. Es ist daher wichtig, dass die Beruflichen Schulen funktionale und gut ausgestattete Fachräume zur Verfügung haben“, bekräftigte der Landrat.
Das Geld hierfür, das der Kreistag meist einstimmig bewillige, sei die beste Investition und die Politik besser als ihr Ruf. Schulpolitik sei nichts, die sich kurz erledigen lasse, sondern ein langer Prozess. „Für uns im Kreistag ist es einfacher, wenn ein Schulleiter Mitglied im Gremium ist und als Fachmann erklären kann, was man braucht. Und wenn man Geld benötigt, muss man nicht unbedingt zur Bank gehen, sondern den Kreistag fragen“, äußerste Michel augenzwinkernd.
Bevor das symbolische Band für die Inbetriebnahme durchschnitten wurde, erläuterte Werkstattleiter Reinhold Hauser, der an der planerischen Umsetzung maßgeblich mitgewirkt hatte, bei der Besichtigung der Räumlichkeiten Maschinen, Arbeitsplätze und Arbeitsweise. Seine wichtigste Erkenntnis: „Die Metallwerkstatt ist jetzt für sich, vorher musste in andere Räumlichkeiten gewandert werden.“