2017 waren die Schönstatt-Schwestern aus Oberndorf kaum wegzudenken: Der damalige Krankenhaus-Geschäftsführer Harald Glatthaar überreicht einen Blumenstrauß an Schwester Registraud. Foto: Danner

Mit dem Auszug aus dem SRH-Wohnheim werden die Marienschwestern ihren Dienst in Oberndorf beenden. Nach 77 Jahren geht damit eine Ära zu Ende – ein Verlust, der großes Bedauern auslöst.

Das öffentliche Echo zeigt, welchen Stellenwert die Schönstatt-Schwestern in Oberndorf genießen. Unsere Berichterstattung über ihren „Rauswurf“ aus dem SRH-Krankenhaus-Wohnheim hat hohe Wellen geschlagen. Dennoch bestand die leise Hoffnung, dass die Schwestern ihren Dienst in Oberndorf fortsetzen können. Diese Hoffnung löst sich nun in Luft auf.

 

Da das Personalwohnheim aufgrund seines maroden Zustands abgerissen werden muss, wären die Schwestern gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. Doch einen Umzug lehnen die Schwestern ab, wie aus einem Schreiben der Provinzleitung aus Rottenburg, das der Redaktion vorliegt, hervorgeht. Damit endet der Dienst der Schwestern nach 77 Jahren, sie kehren auf die Liebfrauenhöhe zurück.

Großes Bedauern

Dieser Schritt löst großes Bedauern aus. „Viele Menschen bringen das Krankenhaus mit dem Dienst der Schwestern in Verbindung. Sie haben die Einrichtung durch ihren aufopferungsvollen Dienst mitgeprägt“, sagt Pfarrer Martin Schwer.

Pfarrerin Christina Jeremias-Hofius ist zusammen mit Diakon Thomas Brehm für die Krankenhausseelsorge zuständig. Den Dienst der Schwestern könne man nicht hoch genug schätzen, sagt sie. Ihr Abgang sei ein Verlust für alle künftigen Patienten. Sie selbst und Brehm können den Dienst der Schwestern, die rund um die Uhr vor Ort waren, nicht ersetzen, sagt sie.

Gebäude unbewohnbar

Auch für Bürgermeister Hermann Acker ist der Weggang ein großer Verlust. „Die Schwesterngemeinschaft hat in den vergangenen 77 Jahren unschätzbar große Dienste für unser Krankenhaus erbracht. Der gute Ruf unseres Krankenhauses ist untrennbar mit den Marienschwestern verbunden.“ Für ihr Wirken gebühre allen Schönstätter Schwestern, Wertschätzung, Anerkennung und Dank.

Doch der Schultes nimmt auch die Krankenhaus-Leitung, die in den vergangenen Tagen scharf kritisiert wurde, in Schutz: Eindringendes Wasser, Schimmel, Zimmer, die aufgrund der Hygieneumstände gesperrt werden mussten und Legionellenbildung im Trinkwasser – Im Wohnheim herrschten Zustände, die das Gebäude unbewohnbar machten.

Abschied zum 1. Mai

Schwer und Acker gehen zudem davon aus, dass ein Abschied in den nächsten Jahren wohl unvermeidbar gewesen wäre. Die Schwestern wären früher oder später aufgrund ihres Alters zur Liebfrauenhöhe zurückgekehrt. Ein Trend der aufgrund von Fehlendem Nachwuchs auch bei anderen Ordensgemeinschaften beobachtet werden kann, verrät Pfarrer Schwer.

Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt die Provinzleitung, dass die Ära der Schönstatt-Schwestern zum 1. Mai zu Ende gehen wird. Einen beschwerlichen Umzug wollte man den vier Schwestern, alle zwischen 75 und 85 Jahre alt, nicht zumuten, so Schwester Siglinde Hilser. Auch wenn man in Oberndorf noch gerne eine Weile geblieben wäre, tatsächlich zeichnete sich aufgrund des Alters der Schwestern ein Abschied in den kommenden Jahren ab.

Schwester Siglinde erinnert sich noch an die Anfänge: Am 1. Oktober 1946 kamen die ersten Schwestern nach Oberndorf. „Es hat klein und arm angefangen.“ Ihren Dienst haben die Schwestern stets mit Freude getan, man bedauere den Abschied. SRH-Geschäftsführer Andor Toth habe ihr gegenüber auch seine Anteilnahme ausgedrückt. Auf Anfrage unserer Redaktion sagt dieser: „Ihr Wirken wird ein Teil des Hauses bleiben.“