Platz vier in der Liga und eine starke Heimserie sprechen für ihn: Trainer Sebastian Hoeneß hat den VfB mit variablem Coaching bisher gut durchs Mammutprogramm geführt.
Sie werden beim VfB in der Länderspielpause gewiss nicht komplett die Füße hochlegen. Und doch ist diese fast zweiwöchige Phase ohne Pflichtspiel bis zum Bundesliga-Auftritt bei Borussia Dortmund am 22. November Balsam für den gesamten Tross des VfB, von den Spielern über das Trainerteam bis hin zu den Physios. Sieben Partien hatte der Pokalsieger in 22 Tagen zu absolvieren, beginnend mit dem 3:0 beim VfL Wolfsburg bis schließlich zum 3:2-Erfolg über den FC Augsburg. Es war ein Mammutprogramm. „Da tut eine Pause mal gut“, sagt nicht nur Stürmer Deniz Undav.
„Irgendwann zollst du diesem Pensum auch mal Tribut, das hat man phasenweise gemerkt“, sagt VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: „Man reist viel, trainiert, hat einige Besprechungen und ist viel zusammen. Das spürst du dann auch in der Birne. Wir haben uns mental am Limit bewegt.“ Nun kann man kollektiv etwas durchschnaufen. Sechs freie Tage ohne Training, aber mit individuellen Plänen, hat Hoeneß dem Team gegeben, ehe es im letzten Abschnitt des Fußballjahres 2025 vom nächsten Montag an im selben Stil weitergeht. Erneut stehen dann drei englische Wochen in Serie an.
Bislang hat der VfB beim Tanz auf drei Hochzeiten eine sehr gute Figur abgegeben: Im Pokal steht man im Achtelfinale, in der Europa League ist man nach dem 2:0 über Feyenoord Rotterdam auf Play-off-Kurs – und in der Bundesliga steht neben Platz vier auch die imposante Serie mit fünf Siegen in den fünf Heimspielen dieser Saison. „Wir sind aktuell sehr happy, stehen wirklich gut da“, resümiert Hoeneß, der sonst eher zu den Tiefstaplern der Branche zählt.
Doch gerade der Trainer hat zuletzt einiges richtig gemacht in einer Saisonphase, die aufgrund des Pensums, aber auch der Verletzung von Ermedin Demirovic, seines einzigen gelernten Mittelstürmers im Kader, keine einfache war. Mutig war etwa die Entscheidung des 43-Jährigen, vor den Spielen gegen Mainz in Liga und Pokal die Rotationsmaschine im XXL-Format mit jeweils zehn neuen Spielern in der Startelf anzuschmeißen.
Was bei vielen im Umfeld zunächst für Stirnrunzeln gesorgt hatte, entpuppte sich letztlich als Erfolgsmodell. So war die Mannschaft bis zuletzt physisch fit und leistungsbereit, was sich etwa in der Gesamt-Laufleistung des VfB gegen Augsburg mit 124 Kilometern widerspiegelt. Das ist ein Spitzenwert in der Bundesliga für die Stuttgarter, die auch hinten raus in der Lage waren, Gas zu geben. So fielen die Siegtore zuletzt gerne in der Schlussviertelstunde.
„Die späten Tore sind etwas, das uns gerade auszeichnet. Es tut gut, dass man Spiele hintenraus ziehen kann“, sagt Hoeneß, dem man gewiss nicht unterstellen kann, die Breite seines Kaders nicht auszunutzen. „Jeder trägt seinen Teil bei. Fast jeder hatte seine Einsätze. Das hilft – und gibt ein gutes Gefühl“, sagt der VfB-Trainer über seinen vom Management um den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth gut zusammengestellten Kader, in dem es mit Yannik Keitel, Silas, Leonidas Stergiou oder Lazar Jovanovic aktuell zwar ein paar Abgehängte gibt, was aber der positiven Gesamtstimmung keinen Abbruch tut.
„Wir haben uns durch die Mehrfachbelastung immer besser zusammengefunden – und sind ein sehr gut funktionierender Haufen“, sagt Wohlgemuth. Ein Team, dass sich auch auf die taktischen Veränderungen gut eingelassen hat: Beim Sieg in Wolfsburg verwarf Hoeneß erstmals sein bevorzugtes 4-2-3-1-System und ließ mit Dreierkette und zwei Schienenspielern auf den Außen spielen.
Obendrein geben auch die Akteure aus der vermeintlich zweiten Reihe Gas. Das beste Beispiel hierfür ist Chris Führich, der in beiden Spielen gegen Mainz sowie gegen Rotterdam und auch vor dem 3:2-Siegtor gegen Augsburg durch Deniz Undav mit dynamischen Aktionen zur Stelle war. „Wir bekommen gute Impulse während des Spiels von der Bank. Chris tut uns da sehr gut. Das ist sehr wichtig“, sagt Hoeneß.
Nun heißt es, Kräfte zu sammeln. Dabei profitiert der VfB möglicherweise von dem Umstand, dass einige seiner Profis, etwa Maximilian Mittelstädt, Angelo Stiller, aber auch Deniz Undav aktuell nicht für die deutsche Nationalelf nominiert sind. Schließlich kommt auf den VfB, der mit sieben Siegen in sieben Pflichtspielen vor eigenem Publikum, fünf davon in der Bundesliga, zwei in der Europa League, auf eine super Heimserie verweisen kann, ein komplett neues Szenario zu.
Denn mit den Auftritten in Dortmund, bei den Go Ahead Eagles Deventer, beim Hamburger SV sowie beim VfL Bochum stehen für die Stuttgarter in den drei Wettbewerben Liga, Pokal und Europa League nun vier Auswärtsspiele in Folge an. „Das ist schon kurios – ich hatte das so auch noch nicht“, sagt Trainer Sebastian Hoeneß, der mit seinem Team an den neuen Herausforderungen weiter wachsen will.