Bernhard und Ute Wirth haben über Jahrzehnte hinweg ihr eigenes Reisebusunternehmen geführt. Foto: Dahms

Nach 63 Jahren stellen Ute und Bernhard Wirth aus Allmannsweier ihre Fahrzeuge ab. Die Beiden blicken zurück auf eine erfolgreiche Zeit im Geschäft und viele schöne Erinnerungen.

Etliche Stunden auf der Autobahn, viel Arbeit und ferne Reiseziele prägten in den vergangenen Jahrzehnten das Leben von Bernhard und Ute Wirth aus Allmannsweier. Nach mehr als 63 Jahren geben die beiden Senioren ihr Reisebusunternehmen nun ab.

 

1962 gründete Bernhard Wirths Vater das Unternehmen „Wirth Reisen“. „Mein Großvater hatte auch schon Busse, einen davon hat er uns noch geschenkt“, erinnert sich Bernhard Wirth. Er selbst übernahm 1985 das Unternehmen, bevor er es dann 2012 an seine Frau überschrieb. Seinen Busführerschein hat der inzwischen 72-Jährige mit 22 Jahren gemacht. „Im Jahr darauf war ich direkt zum ersten Mal mit einem vollen Reisebus in Barcelona.“ Dies sollte in den darauffolgenden Jahrzehnten kein Einzelfall geblieben sein – mehr als 25 Jahre lang fuhr Bernhard Wirth so gut wie jedes Wochenende mit dem Bus nach Spanien. „Freitags hin, sonntags zurück. Unter der Woche haben wir aber auch gearbeitet“, erzählt er unserer Redaktion.

Nachfolger übernimmt die alten Busse

„Die Anfänge waren nicht einfach“, erinnert sich Bernhard Wirth. „Wir haben zu Beginn keine guten Umsätze gemacht und 1962 war auch die SWEG sehr stark im Geschäft“. Das Konzept der Fernreisen habe ihr Geschäft dann aber gerettet – Bernhard und Ute Wirth entwickelten ein Jahresreiseprogramm, Ziele in ganz Europa wurden von den Beiden und ihren Mitarbeitern angesteuert. Auch Vereine und Kleingruppen nutzten das Angebot gern.

Aus Altersgründen haben die beiden Senioren sich nun entschieden, den Betrieb abzugeben. Ab Januar wird die Offenburger Firma René-Reisen das Geschäft weiterführen. „Wir kannten uns von den Ortenauer Busunternehmern, ich war dort im Vorstand“, erinnert sich Ute Wirth. „Vor einigen Jahren hatten wir dann bereits Kontakt und sind sehr froh, dass sie unseren Betrieb weiterführen.“ Die beiden großen Reisebusse werde der neue Inhaber übernehmen, genauso wie den Namen „Wirth Reisen“. Auch Ute Wirth persönlich wird den Kunden noch eine Weile erhalten bleiben: „Es war schon sehr schwer darüber nachzudenken, dass Kundschaft nach 40 Jahren nicht mehr weiß wo sie hin soll.“ Deshalb werde sie weiter im Büro des Unternehmens arbeiten und dort Anrufe entgegen nehmen.

Viele Freundschaften geschlossen

„Ich habe das Gefühl, der Wechsel kommt gut an. Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen“, freut sich Ute Wirth. Sie habe während der Corona-Pandemie daran gezweifelt, dass jemand bereit sein würde, das Unternehmen weiterzuführen, wenn sie und ihr Mann in den Ruhestand gehen. „Es passt alles richtig gut jetzt“, erklärt sie. „Wir haben einen festangestellten Mitarbeiter, der ist so alt wie ich und geht jetzt auch in Rente. Wir haben immer gesagt, dass wir irgendwann gemeinsam hier das Licht ausmachen.“

Die beiden Senioren erinnern sich gern zurück an die vielen Jahre im Betrieb: „Es gab so viele tolle Momente, die uns erhalten bleiben“, berichtet Ute Wirth. „Am schönsten sind die vielen Leute, die wir unterwegs kennengelernt haben. Wir haben Freundschaften geschlossen, die schon seit Jahren anhalten.“ Außerdem sei das weite Fahren auch etwas Besonderes, was nicht jeder in seinem Beruf erlebe. So war das Ehepaar bereits in Griechenland, Spanien, Kroatien, Russland, und vielen weiteren Ländern.

Ab jetzt wird mit mehr Zeit gereist

Jetzt, wo die beiden bald mehr Freizeit haben, stehen auch schon die ersten Pläne: „Es wäre schön, mal mehr Zeit für bestimmte Reiseziele zu haben. Und es gibt ja auch viele Orte, die wir noch nicht gesehen haben“, freut sich Ute Wirth. Bis Weihnachten sind die beiden noch auf den Straßen eingespannt, ab Januar übernimmt dann René Reisen. Am 21. Januar veranstalten die beiden aber nochmal eine Abschiedsfahrt in den Schwarzwald mit Essen und Musik, um sich nach all den Jahren im Geschäft auch „richtig“ zu verabschieden.

Gutscheine übrig

Wer noch Gutscheine von „Wirth Reisen“ besitzt, wird gebeten, sich ab Januar im Büro des Unternehmens in der Allmannsweierer Hauptstraße 10a in Schwanau persönlich zu melden. Bis Ende diesen Jahres können alle Gutscheine noch regulär eingelöst werden