Vronie Östreicher hat fertig – eine Ikone der Imbisslandschaft in der Region schüttelt bald ihre letzten Pommes. Foto: Cornelia Spitz

Eine Ikone in der Imbisslandschaft der Region kündigt ihren Rückzug an. Bald will sie in Bad Dürrheim die letzte „Currywurst Spezial“ über den Tresen gereicht haben.

Dass Vronie in Wahrheit Veronika Östreich heißt, wissen nur wenige ihrer Stammkunden. Aber was ihre Currywurst Spezial so speziell macht und vor allem, wie sie schmecken muss, das haben die Freunde vom „Imbiss mit Herz“ verinnerlicht.

 

Aber das Herz im Imbiss mit Herz, die Inhaberin Vronie, wird bald nicht mehr dort sein. Unvorstellbar für ihre treuen Stammkunden.

Beim Boxenstopp im Imbiss in der Schwenninger Straße erfahren wir, warum sich an Bad Dürrheims wohl beliebtester klassischer Imbiss-Adresse trotzdem kaum etwas ändern soll.

Stammkunden sind zuhause

Wie jeden Tag, außer montags, wenn Ruhetag ist, steht Vronie um zehn Uhr in ihrem Imbiss im Gewerbegebiet Bad Dürrheims zwischen Media Markt und Clean Park. Die Fritteuse ist noch kalt, da fliegt schon die Tür auf und ein älteres Ehepaar kommt rein. „Ein bisschen sehr früh“, sagt Vronie in ihrer manchmal spröden Art und macht den frechen Spruch mit einem breiten Lächeln wett. Ihr Gegenüber weiß, wie so viele, wie er die Imbisschefin nehmen muss: mit ganz viel Herz und Humor. „Jo. Wir waren aber grad in der Gegend“, sagt er, blickt kurz auf die beiden Stehtische drinnen und bietet an: „Soll ich dir die zwei gleich rausstellen?“ Vronie nickt.

Ihre Stammkunden sind hier zuhause. Und wie bestellt, fangen sie an zu erzählen – von Freunden aus Nah und Fern, die sie irgendwann mal mit zum Imbiss schleppten und die seither genauso begeisterte Stammkunden seien, wie sie selbst. Dabei war all das für Vronie eigentlich einmal unvorstellbar.

„Ich soll hier Pommes schütteln?“

Sie erinnert sich noch gut 36 Jahre zurück. Früh geheiratet, mit Mitte 30 und drei Kindern, damals noch Mitarbeiterin eines Ledergeschäfts im Schwenninger City-Rondell, hörten sie und ihr Mann von der Gelegenheit, den Imbiss zu übernehmen. „Du glaubst doch jetzt nicht allen Ernstes, dass ich hier anfange, Pommes zu schütteln?“ Die junge Vronie war entgeistert, wusste aber um die Situation der jungen Familie und wollte sich den Imbiss deshalb zumindest einmal anschauen.

Aus dem Anschauen wurde nach einer einwöchigen Bedenkzeit, die sie sich erbat, und einer eintägigen Einweisung eine Übernahme. Rasch sprach sich herum, dass die Imbissbude jetzt von einer jungen Frau betrieben wird „und dann ist das Ding gerannt wie der Teufel“.

Klare Vorstellungen zur Nachfolge

„Ich hab nur liebe Kunden“, sagt Vronie dankbar, „aber jetzt ist es genug“. Sie will aufhören, sucht eine Nachfolgerin – und weiß genau, was sie will: ihren Imbiss in neue – weibliche und deutsche – Hände legen. Denn: „Meine Nachfolgerin bekommt den Imbiss nur, wenn er genau so weitergeführt wird“, betont Veronika Östreicher.

Ihr Herz schlägt für den Imbiss – eine der mittlerweile so seltenen klassischen Imbiss-Buden, wo es ganz traditionell Pommes und Currywurst gibt, keine chinesischen Bowls und keinen türkischen Kebap. Ein bisschen arg sei es ihr schon gewesen, als sie neulich einer türkischen Bewerberin einen Korb gegeben habe, weil eben erkennbar gewesen sei, dass diese ganz andere Pläne mit ihrem Herzstück habe.

Kein Feierabend-Biertreff

Doch viel wichtiger als das schnelle Geschäft sind Vroni jetzt ihre Stammkunden – und die sollen hier weiterhin die Currywurst-Spezial in der Pommesschale haben. Und ja, auch eine Frau müsse es sein – „sonst wird hier bestimmt Bier getrunken“, ein Feierabend-Biertreff vorm Imbiss-Container? Vronie schüttelt den Kopf.

Wenn ihre Nachfolgerin, die aktuell gefunden werden will, schon ihre tolle Stammkundschaft bekomme, dann solle die Stammkundschaft auch ihren Lieblings-Imbiss behalten dürfen. Und klar, das Rezept für die Currywurst Spezial – mit Zaziki oder Mayo oben drauf, das gehört zum Komplettpreis beim Imbissverkauf.