Bürgermeister Erik Weide (links) und Dietmar Kairies (rechts) warfen in ihren Reden nochmals einen Blick auf all das Geleistete des Gemeinderats Joseph Hugelmann. Foto: Bohnert-Seidel

Joseph Hugelmann ist nach 35 Jahren als Mitglied des Gemeinderats vorzeitig verabschiedet worden. "Du bist für mich ein Vorbild, wenn es um authentisches Auftreten geht", würdigte ihn Friesenheims Bürgermeister Erik Weide.

Friesenheim - "Glück bedeutet für Joseph Hugelmann auch, wenn etwas, das angepflanzt wurde, Wurzeln schlägt, treibt, wächst und uns dann Ertrag schenkt", zitierte Bürgermeister Erik Weide aus dem Buch "Wo das Glück wächst" von Susanne Oswald. Außergewöhnliches habe Hugelmann geschaffen. Als Gemeinderat der GLU sei er mit dem notwendigen Mut und Durchhaltevermögen, mit Ausdauer und mit großer Kraft oft gegen den Strom geschwommen. In 35 Jahren habe er ökologische und nachhaltige Themen vertreten. Mit seinen Positionen sei er oft allein auf weiter Flur gestanden, habe keine Mehrheiten erzielt, blieb dennoch unermüdlich in seiner Argumentation um Nachhaltigkeit und sei seiner selbst immer treu geblieben. Nie habe er sich aus der Spur bringen lassen.

Viel wurde umgesetzt und bewirkt: die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Offohalle, das getrennte Abwassersystem, ein erster Natur- und Waldkindergarten. Jede Menge Radwege sind hinzugekommen, womit er auch das Radfahren angestoßen habe. Gemeindeeigene Gebäude werden mit Ökostrom betrieben, eine erste Hackschnitzelanlage soll umgesetzt werden, flächendeckend wurde Tempo 30 eingeführt und stets hielt er den kritischen Blick auf das Güterverkehrsterminal, das die Stadt Lahr beabsichtige zu bauen. Es war der Zeigefinger, den er erhob, um als Anwalt von Natur und Mensch zu agieren. Hugelmann ist ein Natur- und Umweltschützer aus Leidenschaft, der über ein fundiertes Wissen und einen reichen Erfahrungsschatz verfüge. "Du bist für mich ein Vorbild, wenn es um authentisches Auftreten geht", erklärte Weide. Eine Eigenschaft, die nur wenige Menschen in sich trügen.

6000 Kilometer zu Ratssitzungen

Begonnen habe das kommunalpolitische Interesse mit der Nachfrage von jungen Friesenheimern nach dem Zustand der Gewässer in den 1980er-Jahren, erinnerte Dietmar Kairies (GLU). Themen wie das Waldsterben, der Baggersee in Schuttern oder der Flugplatz wurden früh in den Gemeinderat gebracht. Auf dem Flughafen Lahr habe sich Hugelmann, der erste Zivildienstleistende von Schuttern, gegen eine militärische Nutzung ausgesprochen. Das Nachtflugverbot wurde erreicht und eine Müllverbrennungsanlage ist auch nicht gekommen. Unbequem ist er, ein Mahner und Visionär, der sich für eine gerechtere und nachhaltige Umwelt und für Menschen in Not einsetze. Aufgrund seiner bewussten Lebenshaltung werde er einen kleinen ökologischen, aber großen Fußabdruck in der Gemeinde hinterlassen.

Sich selbst bezeichnet Hugelmann als ein Fossil des Gemeinderats. Während seines Lehrerstudiums habe er ein Buch über die Grenzen des Wachstums gelesen, was bei ihm zu einer persönlichen Zäsur in der Lebensgestaltung geführt habe. Das Fahrrad habe er als Objekt entdeckt, das er auch als ökologisches Verkehrsmittel fördern wollte. In 35 Jahren habe er 6000 Kilometer zwischen Schuttern und Friesenheim in den Gemeinderat zurückgelegt. Lebensqualität definiere sich für ihn nicht über Konsum, sondern über eine intakte Natur. Am Anfang wurde er um seine Position im Gemeinderat oft verhöhnt und verspottet. Aushalten ließ sich dies nur, weil er in einer guten Lebensgemeinschaft lebe und wohne, sagte er. Wäre er heute 50 Jahre jünger, gehörte er wohl auch der "Letzten Generation" an, obgleich er sich auch nicht mit allen Aktionen identifiziere. Dem Gemeinderat und der Verwaltung wünschte er, mehr mit ökologischer Fahne vorauszugehen.

Nachrückerin

Joseph Hugelmann rückte im Jahr 1987 für Hermann Müller in den Friesenheimer Gemeinderat nach. Im Januar wird Sieglinde Schreiner für die GLU im Gemeinderat nachrücken.