34 Jahre lang hat Sonja Pfaff aus Reichenbach den Samstagsmarkt in Friesenheim mit ihren Waren bestückt. Aufgrund der Markt-Veränderungen wird sie nicht mehr dabei sein.
Sonja Pfaff verabschiedet sich mit sehr viel Wehmut und großer Dankbarkeit nach 34 Jahren bei ihrer treuen Kundschaft vom Samstagsmarkt. Die Gemeinde Friesenheim setzt künftig ihren Fokus auf einen Freitagmarkt am Nachmittag – damit ist der Samstagsmarkt gestrichen. Seit vielen Jahren ist Pfaff auf dem Markt am Freitagnachmittag in Reichenbach. Wolfgang Kopp, der mit seiner Agentur die Konzeption für den neuen Wochenmarkt auf dem Platz im Neuen Ortszentrum erarbeitet hat, erklärte: „Samstagsmärkte funktionieren nur in den Städten.“ Dass es einen langen Atem braucht, um eine treue Kundschaft für sich zu gewinnen, bewies Pfaff aus Reichenbach von Anfang an in Friesenheim.
Der Samstagsmarkt hat auf jeden Fall an ihrem Stand sehr gut funktioniert. So gut wie nie habe sie gefehlt in den vergangenen 34 Jahren. Das sind im Schnitt 1700 Samstage von 7.30 bis 11.30 Uhr. Nur an einem Samstag hat sie gefehlt. „Es hatte 15 Grad Minus und am Samstag davor ist mir der Rest Tee in der Tasse gefroren“, erzählt sie. Gefrorene Wurst und Eier wollte sie nicht anbieten.
Die Enttäuschung über den Verlust von Pfaffs stand ist bei den Kunden groß
Es ist Samstagmorgen kurz nach 9 Uhr. Gerhard Althauser hat sich eingedeckt. In seiner Hand hält der Friesenheimer eine prall gefüllte Tüte. Ein Bauernbrot, Wurst und Salate hat er bei Pfaff gekauft. Dass er nach 34 Jahren nicht mehr auf dem Rathausplatz einkaufen kann, ist für ihn nicht verständlich. „Es ist nicht richtig“, sagt er gegenüber unserer Redaktion. Aber Reichenbach sei auch nicht aus der Welt. Künftig wird er Pfaff entweder am Freitagnachmittag auf dem Markt in Reichenbach besuchen oder er gibt eine telefonische Bestellung auf und fahre am Samstag zu ihr ins Gereutertal. Für Iris Adamecz verpackt Pfaff zehn Eier im Karton. An diesem Samstag feiert Pfaff zudem ihren 71. Geburtstag. Zum Feiern ist ihr allerdings nicht zumute.
Im Alter von 37 Jahren ist sie 1992 erstmals auf den Platz in Friesenheim gefahren und hat ihren Waren präsentiert. Während sie noch eine Scheibe Fleischkäse sowie Leberwurst und Fleischwurst in die Tüte packt, tauschen die Kunden mit ihr die Enttäuschung über die Veränderungen aus.
Allerdings blieb Pfaff eher zurückhaltend. Viele Worte kamen ihr nicht mehr über die Lippen. Vielmehr ist es die Kundschaft, die sprach und ihr großes Bedauern betonte. Neben dem Schild mit den Worten „Abschied nach 34 Jahren. Danke für Ihre Treue“ lagen kleine Zettel mit ihrer Adresse aus. Viele der Kunden werden nach Reichenbach fahren.
Von den Friesenheimer Kunden verabschiedet sie sich mit Speckbrot
Auf die Frage von Iris Adamecz, wie es ihr gehe, erzählte sie von einer unruhigen Nacht, in der sie keinen Schlaf gefunden habe. Zu aufgewühlt sei sie. Den Markt in Friesenheim hat sie sich mit absoluter Verlässlichkeit, guter Qualität und purer Freundlichkeit erarbeitet und die Herzen der Friesenheimer für sich gewonnen. Von ihnen verabschiedete sie sich mit einem besonderen Speckbrot.
Pfaff gegenüber stand am Samstag Willi Steinert, Imker aus Friesenheim, mit seinem Stand. Zum Freitagsmarkt, den auch er mit seinen Waren bestücken wird, meinte er gegenüber unserer Zeitung: „Schauen wir mal.“
Neues Konzept
Der Wochenmarkt findet ab Freitag, 13. März, immer freitags von 14 bis 17 Uhr im Neuen Ortszentrum in Friesenheim statt. Zur Eröffnung werden die Ortsvorsteher und Bürgermeister Erik Weide vor Ort an die Besucher Sekt ausschenken. Die Metzgerei Harald Erb wird am Stockbrunnen den Grill anschmeißen. Parkplätze sind rund um das Rathaus vorhanden. Außerdem ist eine After-Work-Party ab 17 Uhr auf dem Rathausplatz geplant. Weitere After-Work-Events sind an folgenden Terminen geplant: 17. April, 22. Mai, 26. Juni (Frie-Night), 24. Juli, 28. August, 18. bis 20. September (Bürgerfest und Nova) und 16. Oktober. Wer die Bewirtung für eine After-Work-Event übernehmen möchte, darf sich an Julia Berger von der Verwaltung wenden. Ebenso willkommen sind musikalische oder sportliche Beiträge.