Ulla und Thomas Strohhäcker nehmen Abschied von Freudenstadt. Foto: Günther

Mit einem festlichen Gottesdienst verabschiedet die evangelische Stadtkirchengemeinde Freudenstadt West am Sonntag, 9. Januar, Pfarrer Thomas Strohhäcker in den Ruhestand. Er und seine Frau waren 33 Jahre lang in Freudenstadt tätig.

Freudenstadt - Die Verabschiedung eines Pfarrers in den Ruhestand ist in der evangelischen Landeskirche Württemberg ein genau festgelegtes Prozedere; die Verabschiedung von Pfarrer Strohhäcker ist aber in mehrfacher Hinsicht besonders: Mit ihm wird ein Pfarrer verabschiedet, der entgegen den in der evangelischen Landeskirche üblichen Dekaden 33 Jahre lang als Pfarrer in der selben Kirchengemeinde tätig war. Ungewöhnlich ist auch, dass in der Einladung zu lesen ist, dass "Pfarrer Thomas und Ulla Strohhäcker" verabschiedet werden.

Anfangs einiges zugemutet

Der 1956 in Weissach bei Leonberg geborene Thomas Strohhäcker studierte evangelische Theologie in Tübingen und Erlangen. Dem Vikariat in Bad Liebenzell schlossen sich ein Stipendium an der Hochschule für Kirchenmusik und Dienste beim Schwäbischen Posaunendienst und als Landesjugendreferent beim Jugendwerk an. 1988 kam er – zunächst als Pfarrverweser – nach Freudenstadt. In diesen Anfangszeiten habe er – was Kleidung und Haarschnitt anbelangt – der Stadtkirchengemeinde wohl einiges abverlangt, gibt Strohhäcker im Rückblick zu: "Mein Outfit damals war nicht gerade der große Brüller."

Der junge, langhaarige Mann entsprach damals wohl nicht so ganz dem herkömmlichen Bild eines Pfarrers. Schwer zu schlucken hatten einige Freudenstädter damals wohl auch daran, dass sich Thomas Strohhäcker in eine Katholikin, dazu noch alleinerziehend, verliebte. Das erste Treffen der beiden ergab sich zufällig beim Erntedankfest des Kindergartens von Tochter Nina in der Stadtkirche, erzählt die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin.

Mit Tatkraft eingebracht

Ihr Wunsch, zu konvertieren, habe aber bereits lange vor diesem Kennenlernen festgestanden: "Ich wollte lieber evangelisch sein, denn ich hatte meine Liebe zur Bibel entdeckt", sagt sie. Auch ihre Mutter vollzog diesen Schritt.

Ulla Strohhäcker brachte sich in den folgenden Jahren als Ehefrau des Stadtpfarrers voller Überzeugung und mit großer Tatkraft ein. Nicht um einer Erwartungshaltung zu genügen, stellt sie klar, sondern aus ihrem "persönlichen Glauben heraus".

Ulla Strohhäcker leitete viele Jahre einen Bibelkreis, war acht Jahre Vorsitzende der Evangelischen Allianz Freudenstadt und überall dort aktiv, wo sie gebraucht wurde. Bis heute leitet sie den Gebetskreis im Haus Marktplatz 36.

In all den Jahren war sie ihm eine große Unterstützung, so Thomas Strohhäcker. "Dass Ulla in meinen Beruf so reingekommen ist, das hätte ich nie erwartet", sagt er. Bis heute in Freudenstadt unvergessen ist die Konfirmandenarbeit des Ehepaars.

Die Arbeit mit der Jugend war Pfarrer Strohhäcker ein großes Anliegen. In seiner Amtszeit entstanden neue Gottesdienst-Formate wie die City-Church und die G.halb.elf-Gottesdienste. Es gab Konfi-Freizeiten im Elsass, Kanu-Touren auf dem Neckar, viele große Konfi-Camps, und die offene Jugendarbeit und die Schüler-Kontaktarbeit wurden ausgebaut. Dazu kommen noch das Schülercafé und das CVJM-Ferien-Waldheim.

Ein Jahr mit 63 Trauungen

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit ergab sich durch den Kirchenbezirk des West-Pfarramts. Bedingt durch die Altersstruktur in Freudenstadt war Strohhäcker stets für viele Beerdigungen zuständig. Wohl auch aufgrund der Attraktivität der Stadtkirche, der Friedrichs­taler Michaelskirche, für die der Stadtpfarrer zusätzlich viele Jahre zuständig war, und seine Anerkennung als Geistlicher fielen in Strohhäckers Aufgabenbereich viele Hochzeiten. In einem Jahr seien es sogar einmal 63 Hochzeiten, einmal gar vier am selben Tag, gewesen, erinnert er sich. Mit viel Engagement brachte sich Strohhäcker auch in die Ökumene ein, schmunzelnd berichtet er vom Lob eines katholischen Amtsbruders. Er sei der erste evangelische Pfarrer, der ihn an seinem Geburtstag besucht habe, habe dieser damals gesagt.

Häufige Personalwechsel

Dass Strohhäcker entgegen der kirchlichen Empfehlungen, wonach Pfarrer alle zehn bis zwölf Jahre ihre Stelle wechseln sollen, 33 Jahre lang auf der gleichen Pfarrstelle blieb, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen begründet Strohhäcker dies mit seiner eigenen Berufsbiografie. Denn als Mitarbeiter beim Evangelischen Jugendwerk und dem Landesposaunendienst lebte er "jahrelang nur aus dem Koffer", seine Sesshaftigkeit in Freudenstadt habe er daher sehr genossen. Vor allem aber trugen die häufigen Personalwechsel im Freudenstädter Dekanat dazu bei, dass er von seinen Vorgesetzten häufig ein "Sie bleiben vorerst mal da" gehört habe. Während seiner 33 Dienstjahre hat Familie Strohhäcker fünf Dekane und eine Vielzahl von Kollegen kommen und gehen gesehen, die alle auch zur Verabschiedung eingeladen sind.

Bislang keine Bewerber

Dass seine Kirchengemeinde seine freundliche und den Menschen zugewandte Art schätzte, wird in Rückmeldungen von Gemeindemitgliedern deutlich. Insofern verwundert es nicht, dass den "Strohis", wie sie von Freunden und Wegbegleitern liebevoll genannt werden, nach dieser langen, intensiven Zeit der Abschied schwer fällt.

»Wir haben«, so das scheidende Ehepaar, »in Freudenstadt Freunde fürs Leben gefunden.« Sie seien dankbar für die vorbehaltlose Aufnahme und die vielen schönen Jahre in der Stadt. Auch wenn es bislang für die zum 1. Februar frei werdende Stelle keine Bewerbungen gibt, hoffen beide, dass schnell ein Nachfolger kommt und sich dieser gut einlebt. In ihrem neuen Lebensabschnitt freuen sich beide auf mehr Zeit für ihre Hobbys: Neben den gemeinsamen Israelreisen gehören bei ihm das Klavier-, Geige- und Trompetenspielen dazu, bei ihr sind es Tanzen und Gitarrespielen. Allerdings ist noch nicht ganz klar, wo sich die beiden künftig niederlassen werden. -

Info:

Der Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Thomas Strohhäcker und seiner Frau Ulla Strohhäcker beginnt am Sonntag, 9. Januar, um 10 Uhr in der Stadtkirche. Die Plätze für den Präsenzgottesdienst sind schon belegt. Den Zugang zum Livestream gibt es auf www.ev-kirche-freudenstadt.de.