145 Jahre hat es den „Liederkranz“ in Schuttern gegeben und war damit einer der ältesten Vereine – auch in der Region. Der Vorsitzende sprach von tiefer Wehmut.
Für die Auflösung haben alle anwesenden Mitglieder gestimmt. Mit 81 Mitgliedern hat sich die laut Satzung erforderliche Anzahl an der Auflösung beteiligt. 54 abgegebene Stimmen wären notwendig gewesen.
Reinhard Stolz, letzter Vorsitzender des Gesangvereins Schuttern, sprach von tiefer Wehmut, aber auch von einer Entwicklung, die letztlich zu diesem schwerwiegenden und entscheidenden Schritt geführt habe. Innerhalb eines Jahres werden Stolz und Kurt Reith als Liquidatoren die Löschung des Vereins begleiten.
Viel sei in der Vergangenheit über einen Fortbestand oder eine Auflösung des Vereins gesprochen worden. „Aber letztlich blieb uns keine andere Wahl zu diesem Schritt“, so Stolz. Der Versuch, junge Leute für den Chor zu gewinnen, sei beim Chor ebenso gescheitert wie bei anderen Gesangvereinen zuvor. Bereits vor einigen Jahren hätten die Altersstruktur und gesundheitliche Probleme einzelner Sänger dazu gezwungen, kürzer zu treten, bedauerte er.
Der Chor darf sich weiterhin im früheren Probenlokal treffen
Nachdem Chorleiter Ludwig Fluck nach 44 Jahren verkündete, dass er dem Verein aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehe, folgte die entsprechende Entwicklung. Mit einem neuen Chorleiter wollten die Sänger nicht weitermachen.
Dankbar ist der Chor für die Zusage von Ortsvorsteher Jürgen Silberer, sich auch weiterhin als Gruppe im früheren Probenlokal im Vereinsheim treffen zu dürfen. Der Raum steht jedoch auch anderen Vereinen für Treffen zur Verfügung. Ortsvorsteher Silberer bedauerte sehr, dass es zur Auflösung kommen musste und sagte: „Es tut mir weh, heute hier dazustehen, um die Wahl der beiden Liquidatoren Stolz und Reith zu bestimmen. Dem Chor gegenüber betonte er: „Ihr werdet immer Teil unserer Gemeinschaft bleiben. Im Vereinsheim soll außerdem weiterhin Gesang, zumindest einmal im Monat, zu hören sein. Bewegt bestätigte Reinhard Stolz: „Ich hoffe, dass wir uns noch lange im Probenraum sehen werden.“
Alt-Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf erinnerte an die herausragenden Konzerte in der Sternenberghalle oder an Weihnachten in der Klosterkirche, aber auch an die lockere und freundschaftliche Geselligkeit, die in dieser Gemeinschaft geherrscht. Hervorheben wollte er die Organisation des Schutterner Festes, worauf der Chor ebenfalls sehr stolz sein dürfe. Schließlich habe er mit dem Fest eine weltliche Feier mit Alleinstellungsmerkmal in der Region gestaltet, wenn es nach dem Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt zum gemeinsamen Mittagessen ging. Maßgeblich war der Gesangverein auch am Zusammenhalt innerhalb der Vereinsgemeinschaft beteiligt.
Besonderer Moment: Zum Schluss singen nochmals alle gemeinsam
Martin Buttenmüller dankte dem Gesangverein auch für die damalige Unterstützung, als es zur Gründung des Historischen Vereins von Schuttern kam. Erinnerungen wurden wach, wie der Gesangverein damals im Jahr 2003 den Dreißigjährigen Krieg darstellte. Von Wehmut getragen war die Stimmung. Nachdem jedoch Oskar Kopf am Ende der Sitzung Helmut Finner darum gebeten hat, ein Lied anzustimmen, wurde dann aber doch allen schwer ums Herz – aus Trauer um das Vereinsende. Irgendwie war das Lied: „Ja, wenn das so ist – dann Prost“ zum finalen Anstoßen – genau richtig.
Die Geschichte
Im Jahr 1881 wurde der damalige Männergesangverein Liederkranz gegründet. 1933 wurde das 50-jährige Bestehen und 1956 das 75-jährige Bestehen gefeiert. Zu den Chorleitern zählten unter anderem Max Cromer aus Oberweier, Hans Frey und Ludwig Fluck, der von 1980 bis 2024, die längste Zeit den Chor geleitet hat. Mit ihm wurde der Chor zum festen Kulturträger in Schuttern. Insgesamt 19 Jahre lang waren jeweils Rosemarie Haag und Reinhard Stolz die Vorsitzenden im Verein. Ein Gewinn war für den Chor die Öffnung für Frauen im Jahr 1995. Entstanden ist der Gesangverein Liederkranz Schuttern. Unter der Leitung von Ludwig Fluck gestaltete der Chor 34 festliche Konzert, Weihnachtskonzert sowie Jubiläumskonzerte in der Sternenberghalle. Gemeinsam wurde viel gereist. Natürlich zählen die Mitglieder auch heute noch zu den Gästen beim Patrozinium in Schuttern und freuen sich, dass die weltliche Feier, das Nudelfest, jetzt in guten Händen des TuS ist.