Ein motiviertes Team des Nabu Waldachtal sucht weitere Helfer und Drohnenpiloten für eine wichtige Aufgabe.
Morgens vor Sonnenaufgang um 5.30 Uhr im Tumlinger Schneckenlöchle. Kälte bei fünf Grad Celsius. Klamme Finger. Nasses Gras. Hervorragende Bedingungen, um mit der Wärmebilddrohne der NABU-Gruppe nach Kitzen Ausschau zu halten, die von ihren Müttern, in der Wiese abgelegt wurden.
„Wenn niemand diese kleinen Kitze ausfindig macht und in Sicherheit bringt, werden diese, tausendfach in Deutschland, mit dem Kreiselmäher verletzt oder getötet.“, erklärt Stefan Greza, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Waldachtal. Er erzählt: „Seit 2025 können die „Kitzretter“ von unserem Nabu Waldachtal hier den Tieren und den betroffenen Landwirten aktiv mit modernster Technik und persönlichem Einsatz helfen.“
Familie hat sich bereits in bisherige Form eingebracht
Auf Initiative von Timo Letzgus kam der Nabu-Vorstand zur Entscheidung, eine Kitzretter-Gruppe dem Verein anzuschließen. Timo Letzgus und seine Familie hatten sich zuvor in die Kitzrettung in der bisherigen Form eingebracht, bei der eine Reihe von Personen die zur Mahd anstehenden Wiesen durchschreitet und versucht, dort liegende Rehkitze zu sichten und in Sicherheit zu bringen. Timo Letzgus meint: „Wer so etwas noch nie gemacht hat, kann sich nicht vorstellen, wie schwer es ist, im hohen Gras die kleinen Tiere, die sofort in Deckung gehen, aufzuspüren. Trotz großem persönlichem Einsatz, kann man Tiere übersehen, die Konsequenz daraus kann schlimm und belastend sein.“
Mit modernster Technik, die seit wenigen Jahren schon an vielen Orten im Einsatz ist, wurde 2025 die Kitzrettung in Waldachtal auf ganz neue Beine gestellt.
Nabu-Vorstand Stefan Greza erläutert: „Die notwendige und umfangreiche Ausrüstung einschließlich der hierfür sehr geeigneten DJI Thermo-Drohne mit Wärmebildkamera und die hierfür zu tätigen stattlichen Ausgaben sind eine Seite der Medaille, die andere Seite bedeutet, dass Drohnenführerscheine erworben werden müssen, Bürokratie abzuarbeiten ist, und vor allem, eine intensive Vorbereitung mit der intelligenten Technik der Drohne und der Programmierung der Suchflüge erforderlich sind. Hier wurde sehr viel Zeit, Liebe zur Technik und deren Anwendung sowie Leidenschaft für den eigentlichen Zweck eingebracht.“
Nun waren die Kitzretter startbereit. Timo, Vanessa, Bruno, Karin und Stefan - alle waren beim ersten Einsatz angespannt. Die Vorbereitungen wirkten schon eingespielt. Auch Walter, Maximilian und Hubertus Lemle, in deren Jagdrevier die Aktivitäten gestartet wurden, begleiteten aktiv den Nabu-Einsatz. Einige Wiesen eines Landwirts sollten gemäht werden. Die betroffenen Flächen wurden in der Drohne programmiert, die dann die erforderliche Flugroute errechnet und festlegt. Nach einem Aufstieg auf 55 Meter Arbeitshöhe war die Drohne nicht mehr zu hören - man sieht die Positionslichter. Auf den Bildschirmen ist erkennbar, wo das Luftfahrzeug gerade unterwegs ist. Immer in Sichtweite ist absolute Pflicht.
Kitze werden im hohen Gras in kurzer Zeit gefunden
Erkennt die Drohne eine Wärmequelle, gilt es zunächst zu verifizieren, ob es sich um ein Rehkitz handelt oder zum Beispiel um einen Hasen, einen Fuchsbau oder eine verlassene Liegestelle. Mit Hilfe von GPS-Koordinaten der Drohne, Smartphones und Funkgeräten werden Kitze im hohen Gras in kurzer Zeit identifiziert und gefunden. Mit geruchsneutralen Handschuhen und in Gras eingepackt wird es anschließend vorübergehend in eine für diesen Zweck entwickelte Box evakuiert, welche in der Nähe des Fundortes sicher platziert wird. Unmittelbar nach der Mahd wird das Kitz wieder in die Freiheit entlassen, wobei berücksichtigt wird, dass das Kitz nicht länger als einen Fütterungszyklus von der Mutter getrennt bleibt.
Es werden weitere Helfer und Drohnenpiloten gesucht
In 2025 konzentrierten sich die Waldachtaler Kitzretter
auf Flächen, die von einem landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet werden. Mit den gesammelten Erfahrungen will man dies in 2026 auf weitere Flächen im Waldachtal ausweiten.
Das bedeutet auch
, dass das Team wachsen muss. Geübte Drohnenpiloten und weitere Helferinnen und Helfer werden benötigt, um die sehr kurzfristig anstehenden Einsätze im Frühjahr abdecken zu können. Gesucht werden Ehrenamtliche, die bereit sind an einigen Tagen zwischen April und Juni früh aufzustehen um sich zuverlässig und engagiert für den unmittelbaren Tierschutz in heimischen Gefilden einzusetzen. Ziel ist es einen Pool von Piloten und Helfenden aufzubauen, der die Abdeckung von Einsätzen im ganzen Waldachtal sicherstellt. Auch die notwendige Technik soll dafür sukzessive erweitert werden.
Kitzrettung mit dem NABU Waldachtal
bedeutet unvergessliche Erlebnisse in der Natur, starkes Engagement im Team und den Einsatz von spannender Technik für eine wirklich gute Sache. „Aktiv verhindern zu können, dass jedes Jahr vor der eigenen Haustüre Rehkitze zu Tode kommen, gibt einem sehr direkt das Gefühl, etwas Gutes zu tun“, sagt Timo Letzgus.
Es werden weitere Helfer
und Drohnenpiloten gesucht. Wer möchte das Kitzretter-Team im Nabu Waldachtal aktiv und nachhaltig unterstützen? Bewerbungen bitte per E-Mail an: kitzretter@nabu-waldachtal.de.