Fledermäuse sind das Thema der Nabu-Jahresausstellung. Foto: Kauffmann

Fledermäuse veranstalten "Discos" und manche fliegen zum Überwintern nach Süden wie Zugvögel, eine Art heißt "falscher Vampir", weil sie kein Vampir ist: Christian Dietz wusste bei seinem Vortrag aus Anlass der Nabu-Ausstellung in der Rathausgalerie einige Kuriositäten über die Tiere zu berichten.

Hechingen - Fledermäuse? Die meisten kennen wohl nur den Begriff, doch nur die Wenigsten wissen, was das für Tiere sind. Die Hechinger Nabu-Gruppe ruft dieses Tier also nicht umsonst wieder ins Bewusstsein. Wer bei der Ausstellungseröffnung vor Ort gewesen ist, hat allerlei Infos über dieses Tier erhalten, das Christian Dietz als "Schatten am Himmel" bezeichnet. Er ist Biologe und Autor mehrerer Bücher über Fledermäuse. Dass kaum jemand mehr über die flinken Flugakrobaten weiß, könnte vielleicht ja genau daran liegen: dass man sie in der Nacht nicht sieht und wenn, dann nur als "Schatten". Die kuriosesten Fakten über diese Tierart (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Sie können sehr alt werden

Wie Dietz zu berichten weiß, sind Fledermäuse Säugetiere, die recht alt werden. "Der Rekord liegt bei 43 Jahren" (Dietz). Die Reproduktionsrate sei vergleichsweise gering: Nur ein Junges pro Jahr sei möglich. Die mütterliche Fürsorge sei deshalb sehr eng.

Es gibt Zugvögel und Zugfledermäuse

Vielleicht ist es ja so, dass in jeder Fledermaus ein bisschen Zugvogel steckt: Den Fledermäusen aus Osteuropa wird es im Winter zu kalt. Deshalb ziehen sie quer durch Deutschland in Richtung Süden. Und das teilweise bis Spanien und Portugal. Dort sitzen sie den Winter in Osteuropa aus und fliegen danach wieder zurück. Wie Dietz berichtet, bleiben die meisten Fledermausarten wo sie sind und machen einen Winterschlaf.

Schwärme machen Disco

Der Haigerlocher Tunnel ist einer ihrer Lieblings-Locations: Dort findet man laut Dietz Hunderte Exemplare. Dietz wirft ein Bild an die Wand, das sie beim Tanz durch die Luft zeigt. Man vermutet, dass ältere Tiere dabei Informationen an die Jungtiere weitergeben, etwa zu Winterquartieren.

"Falscher Vampir"

In Baden-Württemberg gibt es nur etwa 20 Arten. Die meisten kommen jedoch in den Tropen vor. Und dort gibt es eine Fledermaus, die allen Ernstes "Falscher Vampir" heißt. Falsch ist sie nur in einem Punkt: dass sie nämlich kein Blutsauger ist. Und so gesehen ist die Bezeichnung auch wieder richtig.

Holzschutzmittel ist gefährlich

Neben Greifvögeln haben die Fledermäuse noch einen ganz anderen Feind: nämlich Holzschutzmittel. Es war unter anderem der flächendeckende Einsatz, der dazu geführt hat, dass der Bestand im Südwesten abgenommen hat. Das Holzschutzmittel macht die Eierschalen dünner, sodass die Jungtiere nicht überleben.

Truppenübungsplätze sind die schönste Heimat

Wer hätte das gedacht: Wo Panzer fahren und Kampfhubschrauber fliegen, fühlen sich Fledermäuse wohl. Dietz macht das am Beispiel eines Übungsplatzes in Bayern fest: Das Gebiet wird nicht bewirtschaftet und der Boden nicht behandelt. Deshalb gedeihen Insekten, die wiederum Nahrungsgrundlage für Fledermäuse sind.

Taubenabwehr ist Fledermausabwehr

Wer Nischen vergittert, weil er Tauben abhalten will, hält damit gleichzeitig Fledermäuse ab. Das liegt auf der Hand, ist vermutlich jedoch so offensichtlich, dass wohl niemand daran denkt.

Fledermäuse hassen Windräder und Autos

Auch wenn die Windräder erneuerbare Energie produzieren: Für Zugfledermäuse und ihre Artgenossen kann der Zusammenprall mit den Rotoren tödlich sein. Auch Straßen: Die Tiere orientieren sich nach vorne, schauen also nicht erst nach links und nach rechts vor dem Überqueren. Der Zusammenstoß mit einem Auto: sehr wahrscheinlich.

Insekten sind eine Delikatesse

Fledermäuse liegen Insekten. Blut saugen sie nicht. Aber die Jagd nach Insekten haben sie perfektioniert. Doch auch die Insekten sind bedroht, etwa durch Pestizideinsatz – und so müssen die Fledermäuse auch mal suchen und hoffen, dass sie fündig werden.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung können Besucher zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses im Foyer und im unteren Bereich des Treppenhauses sehen. Geöffnet ist es von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr und donnerstags zusätzlich von 14 Uhr bis 18 Uhr.