In Onstmettingen bedroht die zunehmende Verbuschung den Schutzstatus der Wacholderheide. NABU und Verwaltung wollen dem entgegenwirken.
Trotz der angespannten finanziellen Lage der Stadt Albstadt soll der Natur- und Artenschutz nicht vernachlässigt werden. Hilfe bei der Umsetzung unter anderem des Biotopverbundplans bekommt die Verwaltung von der NABU-Gruppe Albstadt. Das jüngste Großprojekt ist eine Landschaftspflegemaßnahme in Teilen der Onstmettinger Wacholderheide. Dort haben Büsche und zwischenzeitlich stark gewachsene Bäume die ehemals typische Offenlandstruktur in den vergangenen Jahren zurückgedrängt.
Durch die sogenannte Verbuschung der Wacholderheide werden artenreiche Magerrasen, die typische Heidevegetation und Insekten- und Reptilienarten zunehmend verdrängt, wie Matthias Stauß, Vorsitzender der Albstädter NABU-Gruppe, unserer Redaktion berichtet. In Wacholderheiden blühe beispielsweise der Frühlingsenzian. Dazu leben dort Reptilien und Insekten, die es trocken, warm und sonnig mögen.
Um die Wacholderheide in Onstmettingen wieder ihrer Offenlandstruktur zurückzuführen, haben NABU und Stadtverwaltung vorerst den Fokus auf drei Gebiete, je rund ein Hektar groß, gerichtet. Betroffen sind die Flächen in den Gewannen „Lauen“, „Hinter dem Allenberg“ und „Erntsteige“. So soll die Wacholderheide in den Bereichen oberhalb des Sportplatzes bis zum Zollersteighof in ihrer Funktion als Kernfläche im regionalen und überregionalen Biotopverbundsystem gestärkt werden. Der Biotopverbund strebt an, möglichst große zusammenhängende Biotop-Gebiete zu schaffen, um das Wandern von Arten zwischen Biotopen zu ermöglichen, damit so der Austausch von Tier- und Pflanzenpopulationen ermöglichet wird.
Dienstleister beauftragt
Das Ziel sei es zudem, dass die Maßnahmen den Grundstein für eine dauerhafte Pflege schaffen. „Unser Wunsch ist, dass die Flächen später wieder durch einen Schäfer beweidet werden“, betont Matthias Stauß weiter. Dies war zuletzt nicht mehr der Fall
Weil die Bäume in dem teils steilen Terrain schon eine stattliche Größe erreicht haben und die Gebiete mit rund drei Hektar eine große Fläche umspannen, können weder der städtische Forst noch die NABU-Gruppe die Entbuschung aus eigener Kraft stemmen. Daher wurde mit der Firma Grünwerkstatt aus Pfullendorf eine Fachfirma mit den Arbeiten beauftragt, die mit schwerem Gerät Bäumen und Büschen zu Leibe rückt. Anfangs der vergangenen Woche konnte dank des da noch trockenen Wetters eine Teilfläche bereits abgeschlossen werden.
Möglich gemacht wird die Maßnahme überhaupt erst durch die gute Zusammenarbeit von NABU und Stadtverwaltung, wie Johannes Luippold aus dem Stadtplanungsamt berichtet. Das Prinzip: Die Stadt stellt die Fläche, die NABU-Gruppe bemüht sich um Fördermittel, zahlt einen Teil aus der eigenen Vereinskasse und erledigt die kaufmännische Projektabwicklung. Die Erstpflege der drei Hektar Wacholderheide wird auch durch Mittel der Stiftung Naturschutzfonds unterstützt. Erst zum Ende des vergangenen Jahres beantragt, seien die Gelder verhältnismäßig schnell geflossen.
Die Zeit drängt durchaus. Denn: Sobald ein Gebiet wie eine Wacholderheide zu stark verwaldet, verliert sie ihre Biotopeigenschaft. Und wird eine Fläche als Wald ausgewiesen, könne diese Einordnung gemäß dem Landeswaldgesetz auch nicht mehr rückgängig gemacht werden, erläutert Johannes Luippold.
Mit der Erstpflege ist es indes nicht getan: „Die abgeholzten Bäume treiben wieder aus, eine Nachpflege wird unumgänglich“, erklärt Matthias Stauß. Naturschutz sei stets ein Prozess: „Nach einer Maßnahme schaut man, wie sich die Natur entwickelt und leitet daraus weitere Maßnahmen ab.“ Der erste Schritt zurück zur typischen Wacholderheide sei aber getan.
Naturschutz geht ins Geld
Insbesondere die finanzielle Dimension des Projekts ist für die Albstädter NABU-Gruppe Neuland: Mehrere zehntausend Euro koste die Naturschutzmaßnahme. Luippold und Stauß heben die gute und wichtige Zusammenarbeit zwischen NABU und Stadt unisono hervor: Ohne den NABU sei es für die Stadt angesichts der Haushaltslage schwierig, Maßnahmen aus dem Biotopverbundplan umzusetzen. Der NABU wiederum bekommt von der Stadt die nötigen Flächen zur Verfügung gestellt, um seine Ziel zu verfolgen. Eine Win-Win-Situation, die in Zukunft noch häufiger der Albstädter Natur zugute kommen soll.