Invasive Arten bedrohen unsere heimischen Vögel. Nun entdeckte eine Leserin „neue Gäste“ am Neckar. Doch um welche Tiere handelt es sich und sind sie tatsächlich eine Gefahr? Unsere Redaktion erkundete sich beim Nabu in Horb nach der aktuellen Lage.
Wer am Neckar entlangspaziert, kann auf seinem Weg viele verschiedene Tiere entdecken. Und besonders Enten ziehen die Blicke oft magisch an. Und wer ganz genau hinsieht, der entdeckt vielleicht auch mal eine neue Art.
Genau so ging es einer unserer Leserinnen, die uns prompt ein paar Bilder schickte. Doch handelt es sich hierbei tatsächlich um Gäste aus exotischen Ländern? Und stellen sie eine Gefahr für unsere heimischen gefiederten Freunde dar? Unsere Redaktion hakte beim Naturschutzbund (Nabu) in Horb nach. Entdeckt haben soll unsere Leserin zwei männliche Gänsesäger und eine weibliche Mandarinente, wie sie nach eigener Recherche vermutete. Frank Scheffold vom Nabu in Horb bestätigte diese Vermutung.
Es gibt schon ersteBrutversuche am Neckar
Bei den Gänsesägern handelt es sich um eine seltene Brutart in Deutschland, die streng geschützt ist, erklärt der Experte. Er vermutet, dass die Vögel zum Zeitpunkt der Sichtung auf ihrem Zug vom Überwinterungsquartier in ihre Brutstätten waren. Die Tiere würden regelmäßig im Oktober und November neckaraufwärts in den Süden ziehen und ab Januar wieder in den Norden zurückkehren.
Doch wurden Gänsesäger schon öfter in unserer Region gesichtet? „In der Tat sieht man sie in den letzten Jahren häufiger hier in Baden-Württemberg. Gerade im Süden von Baden-Württemberg – Freiburg/Oberrhein – breiten sie sich wieder aus. Erste Brutversuche am Neckar gibt es auch schon“, klärt Scheffold auf.
Leicht am schwarzen Kopf und weißem Hals zu erkennen
Besonders gut können die männlichen Gänsesäger an ihrem schwarzen Kopf erkannt werden, dessen Gefieder zum Hals hin weiß wird. Weibchen hingegen haben einen braun-rötlichen Kopf, danach ebenfalls einen weißen Hals. Der Rest des Gefieders ist eher grau.
Die Vögel sind an fischreichen Seen und Flüssen zu finden – in ihrer Brutzeit vor allem in der Ostsee-Region. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Gänsesäger hauptsächlich von Fischen ernähren.
Keine Bedrohung für heimische Vogelarten
Und auch die gesichtete Mandarinente ist kein „neuer Gast“ an den Ufern des Neckars in Horb. Experte Frank Scheffold bemerkte auf dem Foto unserer Leserin einen Ring am Fuß der, sonst aus Ostasien stammenden, Ente.
Mandarinente ein „Gefangenenschaftsflüchtling“
Das bringt ihn zu der Annahme, dass sie ein „Gefangenschaftsflüchtling“ ist. Das bedeutet, dass das Tier wahrscheinlich einem Kleintierzüchter aus dem Gehege entwischt ist. Dadurch sei die Mandarinente auch sehr zutraulich. Das komme immer mal wieder vor, bestätigt Scheffold.
Die weiblichen Mandarinenten sind besonders gut an ihrer „weißen Brille“ und beigen Tupfen auf dem Bauch und der Brust zu erkennen. Die männlichen Tiere hingegen haben ein braunes Band, das sich über den beigen Kopf zieht und einen roten Schnabel.
Eine Ansiedelung dieser Entenart ist aber sehr unwahrscheinlich. „Solche Einzeltiere kommen hier jedoch nicht zur Brut“, sagt der Experte. Die Gänsesäger und auch die Mandarinente stellen somit keine Bedrohung für die heimischen Vogelarten dar.
Das Gleiche gelte auch für die Nilgänse, so der Naturschützer. Zu Beginn der Sichtungen wurde befürchtet, dass die sonst aus Afrika stammende Art heimische Tiere vertreiben könnte.
Das kann der Experte mit Blick auf die vergangen Jahre aber nicht bestätigen . „Nur direkt am Brutplatz verteidigt sie diesen. Das ist aber auch bei allen anderen Vögeln immer der Fall“, versichert Scheffold. Wer also wachsam spazieren geht, kann die „neuen Gäste“ vielleicht entdecken.