Wenn es im Frühling im Garten summt und zwitschert, stellen sich viele die Frage: Was kann ich in meinem grünen Reich zum Schutz einheimischer Tiere tun?
Wenn die Vögel zwitschern und die Sonne spürbar an Kraft gewinnt, dann ist der Frühling da. Und mit ihm heißt es: raus ins Freie. Am liebsten in den eigenen Garten. Hängt dort ein Insektenhaus, kann man jetzt wieder wunderbar Wildbienen beobachten, die sich an den Eingängen tummeln. Doch kaum sprießen die ersten Gänseblümchen, sind auch sie wieder im Einsatz: Die Rasenroboter, die unermüdlich ihre Runden drehen. Immer häufiger erobern die selbstfahrenden Mäher die Gärten. Für viele Tiere werden sie jedoch zur Gefahr.
„Wenn schon Rasenroboter, dann sollte er keinesfalls nachts unterwegs sein“, mahnt Peter Faber. Er gehört zum Vorstands-Sprecherteam des NABU Balingen und war als Gärtnermeister beruflich in den Lehr- und Versuchsgärten einer Hochschule in Nürtingen tätig.
Da viele Kleinlebewesen in der Dämmerung und Dunkelheit aktiv sind, kann der nächtliche Mäheinsatz für sie tödliche Folgen haben. „Der Igel etwa hat keinen Fluchtreflex, sondern rollt sich ein“, bringt Peter Faber als Beispiel. Die Folgen: abgetrennte Gliedmaßen oder tiefe Schnittverletzungen, insbesondere bei Jungtieren.
Doch nicht nur die Stacheltiere sind gefährdet. Auch Molche, die während der Amphibienwanderung unterwegs sind, werden Opfer von Mährobotern. Und nicht zu vergessen die Kleinsten: die Insekten im Rasen.
Dies hat jüngst auch den Deutschen Städtetag auf den Plan gerufen, der ein Nachtfahrverbot für Rasenmähroboter fordert. Denn wenn es abends im Garten zu wuseln beginnt, werden diese zur Gefahr für Igel und Co.
Nicht zu oft mähen
Ob mithilfe von Hightech-Schneidern oder manuell: Ganz generell beraubt zu frühes und zu häufiges Mähen Insekten auch ihrer Nahrungsgrundlage.
Gänseblümchen etwa gehören im März und April zu den ersten Nahrungsquellen für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Peter Faber rät deshalb, nicht jedem Blümchen sofort zu Leibe rücken und zumindest Blühinseln stehenlassen. „Denn Wildbienen sind auf Pollen und Nektar angewiesen“.
Wird im Garten ein Insektenhaus aufgehängt, müsse auch die Nahrungsquelle gegeben sein. Wobei „Insektenhaus“ im Gegensatz zu „Insektenhotel“ die viel treffendere Bezeichnung sei. Denn anders als im Hotel verabschieden sich die „Gäste“ hier nicht schon nach wenigen Tagen wieder, sondern durchlaufen in der Behausung ihre ganze Entwicklung.
„Von März bis Oktober sind immer wieder andere Arten von Wildbienen zu beobachten“, lässt der NABU-Sprecher wissen. Unter ihnen sind Arten, die auf wenige oder nur eine Pflanzenart zur Pollensuche angewiesen sind.
Die Zaunrüben-Sandbiene etwa sammelt Pollen ausschließlich an den Blüten der Zaunrübe, andere Bienen sind zum Beispiel auf Glockenblumen spezialisiert, wodurch sie im Vergleich zu den „Generalisten“ stärker gefährdet sind.
Wildbienen nisten oft im Boden
Von den fast 600 in Deutschland lebenden Wildbienenarten nisten rund 75 Prozent im Boden. „Da vermehrt Lebensräume wegfallen, sind unbewachsene Steinbrüche oder Steilhänge sehr wertvoll für Wildbienen“, sagt Peter Faber.
Gut gemeint, aber in unserer Gegend wenig hilfreich sei hingegen der „neueste Trend“ im Garten: das Anlegen eines sogenannten Sandariums, einer speziellen Nisthilfe für erdbewohnende Bienen. „Da wir hier keine Sandböden haben, fehlen auch die entsprechenden Arten“, erklärt er.
Für Wildbienen, die in Hohlräumen nisten, ist das Insektenhaus hilfreich. Zum Bestücken eignen sich Hartholzblöcke mit unterschiedlich großen Löchern im Durchmesser von zwei bis acht Millimetern, die immer ins Längsholz gebohrt werden. Wichtig dabei: die Oberfläche muss glatt sein.
Ebenfalls geeignet sind Schilfröhrchen ohne Splitter und sogenannte Niststeine. Nutzlos hingegen die in fertigen Häuschen oder Bausätzen oftmals enthaltenen Kiefernzapfen, Stroh und Holzwolle. Ist die Behausung eingerichtet, wird zum Schutz vor Vögeln mit Abstand zu den Eingängen ein Draht mit einer Maschenweite von 20 bis 22 Millimeter gespannt.
Von Frühjahr bis Herbst
Aufgehängt werden sollte sie anschließend nicht in Bäumen, sondern an einer wind- und regengeschützten, sonnigen Hauswand.
Zu einem naturhaften Garten gehören für Peter Faber von der einjährigen Pflanze bis zum Baum verschiedene Gewächse, die von Frühjahr bis Herbst für einen durchgehenden Blühaspekt sorgen. Stauden etwa sind für jeden Standort erhältlich. Winterlinge, Schneeglöckchen oder Märzenbecher gehören dabei zu den ersten Nahrungsgrundlagen für Insekten. Wertvoll sind außerdem Weiden, Haselnüsse oder die Kornelkirsche. Abzuraten sei hingegen von gefüllten Blüten.
Generell empfiehlt der Experte, auf das Etikett zu achten, auf dem oft angegeben ist, für welchen Standort die Pflanze geeignet und ob sie insektenfreundlich ist.
Auch wer sein grünes Reich nicht komplett umgestalten möchte, kann zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. „Eine naturnahe Ecke, in der Insekten und andere Tiere Unterschlupf finden, wäre ein guter Anfang“, sagt Peter Faber, der auch für alle, die zu viel Pflegeaufwand befürchten, eine gute Nachricht hat: „Wenn ein naturnaher Garten richtig gemacht ist, ist er auch nicht sehr arbeitsaufwendig.“