Indem die Signale von Keyless-Schlüssel abgefangen werden, verschaffen sich Diebe einen Zugang zum Auto. (Symbolfoto) Foto: Photo Sesaon – stock.adobe.com

Mit gleich mehreren Fällen von mysteriösen Diebstählen aus Fahrzeugen in Villingen-Schwenningen hatte es die Polizei in den vergangenen Wochen zu tun. Da Aufbruchspuren fehlten, liegt der Verdacht nahe, dass die Kriminellen die Zentralverriegelung per Funkverbindung geöffnet haben.

Villingen-Schwenningen - "Keyless" lautet das Zauberwort, welches für den Autobesitzer viel Komfort bedeutet: Mit dem Schlüssel in der Tasche öffnet sich das Fahrzeug automatisch, wenn man sich ihm nähert. Doch: Die Schwachstellen dieses Systems nutzen Kriminelle, um sich unberechtigt Zugang zu verschaffen. Nun hat es die Polizei in der Doppelstadt offenbar mit gleich mehreren solcher Fälle zu tun.

 

Mit einem Aufruf in den sozialen Netzwerken wendet sich der bestohlene Autobesitzer vor wenigen Tagen an die Menschen in VS – um zu warnen. Denn Unbekannte hatten aus seinem hochwertigen SUV, welches in der Nähe der Feintechnikschule in Schwenningen geparkt war, unter anderem Bargeld gestohlen. Klingt zunächst nicht ungewöhnlich – aber: Die Diebe haben bei ihrer Tat keine Einbruchsspuren hinterlassen und auch keinen Alarm ausgelöst. Denn: Offenbar hatten die Kriminellen das Keyless-System ausgetrickst.

Das System

Wie geht das? Diebe nutzen demnach die Funk-Kommunikation der schlüssellosen Zugangssysteme, um die Zentralverriegelung zu öffnen. Verwendet werden, wie Präventionsexperten der Polizei berichten, Funkstreckenverlängerungen, mit denen die Funk-Kommunikation zwischen Fahrzeug und Schlüssel abgefangen und durch den Aufbau einer Relaystation verlängert wird.

Diese Technik simuliert dem Fahrzeug einen berechtigten Schlüssel – der tatsächlich aber nicht vor Ort ist. Oftmals würden die Täter dabei zu zweit agieren: Einer, der das Funksignal des Schlüssels abfängt, ein Zweiter, der um das Fahrzeug schleicht, um dieses über das abgefangene Signal zu öffnen. Und zwar ohne Spuren zu hinterlassen. Bei einigen Systemen soll es so sogar möglich sein, den Wagen zu starten und ihn auf diese Weise zu entwenden.

Die Fälle

Die Polizei bestätigt den Vorfall zwischen dem 12. und 14. Juni in der David-Würth-Straße und berichtet von noch weiteren Fällen, die sich innerhalb von etwa vier Wochen in Schwenningen ereignet hatten.

Bereits zwischen dem 20. und 21. Mai seien aus einem in der Hardstraße abgestellten BMW eine hochwertige Sonnenbrille und Bargeld entwendet worden. Ob der Diebstahl tatsächlich unter Umgehung des Keyless-Systems mittels Signalverlängerung begangen wurde, konnte laut Polizeisprecher Jörg Kluge nicht geklärt werden. "Fakt ist, es gab keine Aufbruchspuren am Auto", macht Kluge deutlich.

Die Polizei führt weitere Fälle auf, die zu der Serie und dem möglichen Vorgehen der Täter passen. Zwischen dem 7. und 8. Juni seien aus einem Fahrzeug in der Wasenstraße Gegenstände gestohlen worden, "auch hier waren keine Aufbruchspuren am Auto feststellbar", erklärt der Polizeisprecher.

Zeitgleich, zwischen dem 6. und 9. Juni, gab es am anderen Ende der Neckarstadt einen weiteren Fall: So sei laut Polizei ein VW in der Hohlehrenstraße ins Visier der Kriminellen geraten. Auch hier entwendeten die unbekannten Täter Gegenstände aus dem Inneren des Fahrzeugs ohne Spuren zu hinterlassen, was ein Vorgehen mit dem Überbrücken Signals der Funkfernbedienung nahe legt.

Kurz darauf knacken die Täter einen Skoda Oktavia – und zwar in der Nacht zwischen dem 11. und 12. Juni. Mit dem spurlosen Aufbruch Nähe der Feintechnikschule in der David-Würth-Straße zwischen dem 12. und 14. Juni endet die Serie – aber möglicherweise nur vorläufig.

Der Schutz

Die Polizei informiert jedoch darüber, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, sich vor dieser Vorgehensweise zu schützen und der Sicherheitslücke entgegenzuwirken. Autofahrer, die über ein solches Keyless-System verfügen, sollten aus sich der Präventionsexperten der Polizei deshalb folgendes beachten:

Autoschlüssel, die mit dem Keyless-System ausgestatten sind, sollten nie in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür abgelegt werden, damit Kriminelle das Signal nicht abfangen können. Andernfalls sollte das Funksignal durch geeignete Maßnahmen – zum Beispiel Aluminiumhülle beziehungsweise spezielle Schutzboxen – abzuschirmen.

Vor dem dauerhaften Verwenden der Schutzboxen sollte jedoch der Selbsttest durchgeführt werden. Nur wenn das Fahrzeug sich nicht einmal dann öffnet, wenn der abgeschirmte Schlüssel direkt neben die Fahrzeugtür gehalten wird, haben auch die Diebe mit dieser Technik keine Chance.

Beim Verlassen des Fahrzeuges sollte darauf geachtet werden, ob sich Personen mit Aktenkoffern oder Rucksäcken mit ungewöhnlicher Verhaltensweise in der unmittelbaren Umgebung aufhalten.

Fahrzeughersteller haben teilweise die Möglichkeit, den Komfortzugang für das Fahrzeug temporär zu deaktivieren oder dies über eine Nachrüstung zu ermöglichen. Manche Hersteller bieten am Schlüssel die Funktion, durch zweimaliges Drücken auf die Verriegelungs-Taste am Schlüssel, die Keyless-Funktionen ganz auszuschalten. Zu den Möglichkeiten für die jeweiligen Fahrzeuge können Fachwerkstätten Auskunft geben.