An der Unfallstelle in der Weilstraße haben Anwohner des Stadtteils Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. Die Anteilnahme ist groß. Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

Esslingen trägt Trauer. Der schreckliche Unfall, bei dem eine Mutter und zwei Kinder ihr Leben verloren haben, macht fassungslos. Und über allem schwebt die Frage: Warum geriet der Unfallfahrer mit seinem SUV auf den Gehweg?

Ein bunter Blumenteppich liegt auf dem grauen Asphalt. Dazwischen hat jemand Matchboxautos und Plüschtiere abgelegt. Dutzende Kerzen flackern im Wind. Den ganzen Tag über kommen die Menschen zur Unfallstelle am Sportpark in Esslingen-Weil und bleiben fassungslos hinter dem Absperrband der Polizei stehen: Hier haben drei Menschen auf tragische Weise ihr Leben verloren.

 

Am Dienstagnachmittag gegen 17 Uhr wurden die 39-jährige Frau und ihre beiden Söhne – gerade mal drei und sechs Jahre alt – auf dem Gehweg von einen SUV erfasst, als sie zum Sportplatz liefen, wo ein Fußballtraining anstand. Die drei Fußgänger erlagen noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen.

Hinter dem Steuer des Autos saß ein 54 Jahre alter Mann. Den ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge war er mit seinem Audi Q3 auf der Weilstraße in Richtung Mettinger Brücke unterwegs, als er an der Kreuzung aus noch ungeklärter Ursache ins Schleudern geriet und von der Fahrbahn abkam. Sein Wagen drehte sich und schrammte über den Bordstein. Zuvor kollidierte das Fahrzeug noch mit einem weiteren Auto. Dessen Fahrer erlitt leichte Verletzungen. Der Unfallverursacher selbst wurde laut einem Polizeisprecher „nicht schwer verletzt“. Er sei ambulant im Krankenhaus behandelt worden.

Die Stadt sichert Hinterblieben Unterstützung zu

Zur Betreuung von Augenzeugen und Angehörigen sind neben zahlreichen Einsatzkräften der Polizei, der Feuerwehr und des Rettungsdienstes auch Mitarbeitende der Psychosozialen Notfallversorgung im Einsatz gewesen. Ihnen habe sich ein Bild des Schreckens geboten, berichtete Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer am Tag danach noch immer sichtlich ergriffen: Auch er war umgehend über die Tragödie verständigt worden, eilte aus einer Sitzung und sprach vor Ort mit Familienmitgliedern, darunter auch der Ehemann und Vater, der bei dem Unfall seine Frau und zwei Kinder verloren hat. Am Mittwochnachmittag legte Klopfer dort im Namen der Stadt einen Trauerkranz aus bunten Dahlien ab und sagte: „Das ist der traurigste Moment meines beruflichen Lebens.“ In einer Mitteilung sicherte der Oberbürgermeister den Hinterbliebenen Unterstützung zu: „Wir als Stadt werden alles tun, was wir können.“

Die Anteilnahme ist groß im kleinen Esslinger Stadtteil Weil. Hier im Quartier kennt jeder jeden – aus dem Sportverein, vom Spielplatz, aus der Kirchengemeinde. Das sei „eine so freundliche Familie gewesen“, erzählt eine Anwohnerin, selbst Mutter von zwei Kindern. „Furchtbar“, sagt eine ältere Frau, während sie eine kleine Engelsfigur auf den Boden stellt. Sie wischt sich eine Träne aus den Augenwinkel: „Die drei waren einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Ein Passant schaut sich kopfschüttelnd das Ausmaß der Schäden an: Der massive Metallzaun entlang des Gehwegs ist auf einer Länge von gut 25 Metern weggerissen. Auch ein Stromverteilerkasten wurde komplett zerstört – weshalb die Ampel an der gefahrenträchtigen Kreuzung ausgefallen ist. So schnell wie möglich soll nun eine mobile Anlage aufgestellt werden, teilt das Esslinger Rathaus mit.

Der Fahrer musste eine Blutprobe abgeben

An einer Kerze wurde eine rotes Kärtchen angebracht. Ein einziges Wort steht darauf: „Warum?“ Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet. Der Unfallverursacher schweigt zum Unfallgeschehen. Nach Auskunft der Polizei will sich der Mann bislang nicht zum Geschehen äußern. „Er macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch“, sagt eine Sprecherin der Behörde. Im Moment sehe es nicht danach aus, dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt haben könnte. Dem Fahrer wurde routinemäßig eine Blutprobe abgenommen. Hinweise auf eine Beeinflussung durch Alkohol, Drogen oder andere Substanzen hat die Polizei zwar nicht, das wird nun aber in einem toxikologischen Routinetest geprüft.

Gegen den Unfallfahrer wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Das sei üblich, wenn im Straßenverkehr jemand stirbt, der nicht selbst den Unfall verursacht hat, erläutert die Polizeisprecherin. Erste Zeugen sind bereits vernommen und Spuren gesichert worden. Das Auto des Mannes haben die Ermittler sichergestellt. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde ein Gutachter eingeschaltet. Er soll die Ursache und den genauen Hergang des Unfalls klären. Bis das Ergebnis der Untersuchung vorliegt, können laut der Polizeisprecherin aber mehrere Wochen vergehen.

OB Klopfer richtet sich mit einer eindringlichen Bitte an die Bevölkerung: „Beteiligen Sie sich nicht an Spekulationen rund um das Unfallgeschehen. Es ist im Sinne aller Beteiligten geboten, die Ermittlungen der Polizei abzuwarten.“ Sobald diese abgeschlossen seien, werde die Verwaltung die Situation in der Weilstraße mit den Experten der Unfallkommission „genau analysieren und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten“.