Der Haupteingang der geriatrischen Reha in Horb. Foto: Jürgen Lück

Vor zwölf Jahren hatte der Landkreis das Akut-Krankenhaus von Horb geschlossen. Jetzt soll auch die geriatrische Reha weg. Warum viele Horber so sauer auf den Landkreis sind. Eine Analyse.

Die Kreisräte im Ostkreis sind auf der Zinne. Der Grund: Die Entscheidung über die Schließung oder Privatisierung der geriatrischen Reha in Horb, die im Juli fallen soll. Eine Analyse unserer Redaktion.

 

Alleingang des Landratsamtes. Insider sagen: Die mögliche Schließung der geriatrischen Reha in Horb wurde klammheimlich von der Landkreisverwaltung vorbereitet. Zwar wurde im Aufsichtsrat die Lage der Betreibergesellschaft Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt dargestellt – und auch die der geriatrischen Reha in Horb. Von Schließung oder Privatisierung – keine Rede. Das gilt auch für die nichtöffentlichen Sitzungen, heißt es. Die Meldung tauchte erst vier Tage vor der Kreistagssitzung am 31. März als Beschlussdrucksache auf.

Machen Patienten aus Horb in Zukunft Umsatz in Freudenstadt?

In der nichtöffentlichen Sitzung, so bestätigen mehrere Insider, wurde seitens des Landratsamtes gesagt, dass die Patienten, die bei einer Schließung in Horb nicht mehr dort behandelt werden, ins Freudenstädter Krankenhaus geholt werden.

Es heißt seitens der Kreisräte aus dem Ostkreis: „Wenn die geriatrische Reha in Horb und die Behandlung der Patienten so defizitär wäre, hätte sich das Krankenhaus Freudenstadt mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Man kann diese Aussage auch so verstehen, dass eine Teilsanierung der KLF in Freudenstadt auf Kosten von Horb passieren soll.“ Dabei sollen leichtere Reha-Fälle in Freudenstadt behandelt werden.

Kann die KLF die Reha nicht vernünftig managen?

Ein andere Insider sagt: „Es wurde vorgeschlagen, Horb zu verkleinern und 50 Prozent der Reha-Patienten in Freudenstadt zu behandeln.“ Die Frage sei allerdings, ob bei einem Defizit der geriatrischen Reha in Horb die Behandlung in Freudenstadt Gewinn bringe oder dort das Defizit erhöhe.

Laut KLF-Geschäftsführerin Monique Bliesener würden die Personalkosten in Horb die Erträge deutlich überschreiten. Private Klinik-Manager sagen: Bei einem Pflegesatz von 260 Euro pro Person, der inzwischen üblich ist, sei so eine Einrichtung bei der hohen Auslastung durchaus wirtschaftlich zu betreiben. Ein Insider: „Das ist ein Grund, warum eine Privatisierung in Horb durchaus Sinn machen könnte. Dann sieht man, wie sich das KLF-Defizit entwickelt.“

Zieht der Landkreis wieder Arbeitsplätze aus Horb nach Freudenstadt ab?

Ein Horber Gewerbetreibender: „Selbst in den letzten Jahren haben wir weiter einen Aderlass von guten Arbeitsplätzen nach Freudenstadt gehabt: Finanzamt, Vermessungsamt zum Beispiel. Rechnet man mit 25 Arbeitsplätzen, lässt jeder durchschnittlich 10 Euro am Tag in Horb. Diese Summe würde zwei Arbeitsplätze in Horb im Lebensmittelhandel oder der Gastronomie erhalten.“

Gemeinderat Winfried Asprion (OGL) hatte im VTA gesagt: „Im Prinzip hat uns der Landkreis in Horb alles weggenommen. Und wir dürfen noch die höchste Kreisumlage zahlen. Wir haben deshalb das Recht auf die geriatrische Reha in Horb.“

Ist der wahre Landrats-Rücktrittsgrund die KLF-Misere?

Fakt ist, so bestätigen Insider: Das Land soll statt 54 Mio. Euro Investitionszuschuss angeblich 60 Mio. Euro an den Landkreis Freudenstadt gezahlt haben. Die restlichen 40 Prozent der 100 Mio. Euro Baukosten werden vom Kreishaushalt über Kredite finanziert. Dazu schießt der Landkreis derzeit rund 18,5 Mio. Euro zusätzlich in die KLF, um die Insolvenz der Krankenhäuser Freudenstadt zu verhindern.

Ein Insider: „Klar ist, wo das Krankenhaus steht, fließen auch die Steuern hin. Nach Freudenstadt. Der Vorschlag des Landrats, die Geriatrische Reha zu schließen, hätte – ohne Verschiebung des Beschlusses in den Juli – dazu geführt, dass Horb im September geschlossen worden wäre.“

Wäre das KLF-Defizit mit Schließung der Reha geringer?

Dann wäre das Gesamtdefizit der KLF zwischen September und Dezember wahrscheinlich geringer ausgefallen – und Landrat Rückert hätte mit dieser Besserung beim Haushalt 2026 punkten können. Der Kreistag hat aber beschlossen, dass die Entscheidung über eine mögliche Privatisierung der geriatrischen Reha in Horb erst im Juli fallen soll. Mit seinem Rückzug zum September 2025 hat Landrat Rückert jedenfalls nichts mehr mit dem Kreishaushalt 2026 zu tun. Mehrere Insider bestätigen, dass sie dieses sich als wahren Rücktrittgrund des Landrats vorstellen könnten.

Das sagt Landrat Klaus Michael Rückert

Was sagt der Landrat zu diesen Vermutungen? Rückert sagt dieser Redaktion: „Die von Ihnen zitierte Vermutung entbehrt jeglicher Grundlage. Die Gründe für mein Ausscheiden aus dem Amt des Landrats habe ich in unserer Medieninformation ausführlich dargelegt. Daraus können Sie entnehmen, dass meine berufliche Zukunft, wie ich sie nun gestalten werde, seit langem so geplant war.“

Selbstverständlich sei die Situation im Moment nicht leicht, so Rückert weiter: „Ja, die Situation ist im Moment schwierig. Ich habe als Landrat aber in 15 Jahren Amtszeit viele mindestens so große Herausforderungen erlebt, wie zum Beispiel die Schließung der Akutklinik in Horb, die Errichtung des Nationalparks, die Corona-Pandemie, den Bau des neuen Krankenhauses, die Unterbringung einer großen Anzahl von Geflüchteten und vieles mehr. Und würden diese Vermutungen stimmen, hätte ich jetzt gewiss nicht noch die für mich als Landrat sehr herausfordernden Themen „Zukunft der Geriatrischen Reha und des MVZ“ in Angriff genommen, sondern diese meinem Nachfolger überlassen. Vor diesem Hintergrund bin ich doch sehr überrascht über die von Ihnen angeführten Gerüchte.“