Seit September 2025 hat Trossingen eine Moschee, und zwar im Lindensaal in der Achauerstraße. Sprecher Muhajid Kahf gewährt Einblicke.
Seit September 2025 hat Trossingen eine Moschee, und zwar im altehrwürdigen Lindensaal in der Achauerstraße.
Hier treffen sich muslimische Gläubige zum Gebet. Ja, man sei jetzt glücklich als Gemeinde und Muslime „hier in Trossingen unseren Glauben frei leben zu dürfen“, betont Mujahid Kahf als Sprecher des Vereins Trossinger Bildungs- und Begegnungsstätte.
Bisher hatten sich die aktuell 40 Familien mit rund 100 Mitgliedern in privaten Räumen getroffen, bis jetzt die jahrelange Suche nach geeigneten Räumen im umgebauten Linden-Saal als „Linde-Moschee“ eine für alle sehr gute Lösung gefunden hat.
Der Plan des Vereins, in der Ernst-Haller-Straße eine neue Moschee zu bauen, hatte sich bereits im Jahr 2024 zerschlagen.
Denkmalschutz war zu beachten
Allzu vieles durfte aus Denkmalschutzgründen nicht verändert werden. Die Fenster samt den dunkelroten Vorhängen, die Leuchter an der Decke und den Wänden blieben wie gehabt.
Auch die Bühne mit dem ebenso roten Vorhang werde bei Feierlichkeiten weiterhin genutzt, so Mujahid Kahf.
Auch das Gemälde an der Wand gleich neben dem separaten Eingang zum Saal, mit der großen, alten Linde ist geblieben.
„Es war uns sehr wichtig, dass der Name Linde und das Wandgemälde mit der Linde so bestehen bleibt“, so Kahf. „Die Linde ist ein Lebensbaum mit starken Wurzeln, sie gibt Schatten und Frieden, und so sehen wir uns auch“.
Insgesamt in recht gutem Zustand
Außerdem seien die Lindenblüten gut für die Gesundheit und Genesung, weiß Kahf der als Arzt derzeit drei Praxen in Tuttlingen, Immendingen und Schömberg betreibt, wobei zwei weitere Praxen in der Planung seien.
Insgesamt sei der Saal doch in einem recht guten Zustand gewesen. „Wir haben Stromleitungen erneuert und eine neue Heizung eingebaut“, so Kahf. Als Bodenbelag wurde ein heller Teppich verlegt, dessen Streifen in die Gebetsrichtung nach Mekka zeigten.
Auf diesen Streifen stehen die Betenden nebeneinander, während sich der Vorbeter an der Gebetsnische befindet.
Mobiliar aus der Türkei, Kunst aus dem Irak
Das Mobiliar wurde eigens in der Türkei hergestellt. „Es sind Kunstwerke von einem bekannten Kalligraphen aus Erbil im Irak,“ betont Kahf mit Blick auf die Gebetsnische mit einem Koranvers in traditioneller arabischer Kalligraphie. Diese findet sich auch auf der sogenannten Kanzel wieder, auf der sein Vater, Mohammad Kahf, die Freitagspredigten halte – deutschsprachig, mit einem arabischen Pflichtteil.
Etwas abseits durch eine Trennwand aus Holz befindet sich ein Raum für Frauen und Kinder.
Wie in jeder Moschee heißt es für die Besucher: Schuhe ausziehen vor dem Betreten des Gebetsteppichs. Dazu stehen links neben dem Eingang Schuhregale zur Verfügung.
In einem Bücherregal stehen Korane in verschiedenen Sprachen, auch in Deutsch“, sagt Mujahid Kahf.
Moderne Technik im Einsatz
Auf einem Bildschirm werden die jeweils täglichen fünf Gebetszeiten angezeigt und auch für die Sicherheit wurde gesorgt. Mittels Zutrittscode können die Mitglieder jederzeit eintreten. Außerdem wurden die Videokameras des früheren Besitzers übernommen.
Derzeit im Bau befinden sich Waschräume im Untergeschoss. „Im Islam gibt es die rituelle Waschung vor dem Gebet“, erläutert Mujahid Kahf. Um auch die Füße zu waschen, werde die Waschung im Sitzen durchgeführt.
Insgesamt habe man rund 40.000 Euro in den Gebetssaal investiert.
Keine Parkplatzprobleme
Keinerlei Probleme gebe es mit dem Parken. „14 Parkplätze stehen zur Verfügung“, so Kahf, denn „die meisten unserer aktiven Mitglieder sind aus Trossingen und kommen oft zu Fuß“, weitere Mitglieder seien aus der nahen Region „im Umkreis von 15 bis 20 Minuten Anfahrtszeit“.
Bei den täglichen fünf Gebetszeiten treffen sich in der Regel fünf bis zehn Personen. „Zum Freitagsgebet kommen dann rund 50 Personen“. Zweimal jährlich finden Festgebete statt „dann wird die Zahl der Muslime, die kommen, auch mal dreistellig“, weiß Kahf aus Erfahrung.
Immobiliengesellschaft als neuer Pächter
Besitzer des gesamten Gebäudekomplexes ist jetzt eine Immobiliengesellschaft, die das Gebäude dreigeteilt vermietet: den Lindensaal als Moschee an den Verein Trossinger Bildungs- und Begegnungsstätte, das Hotel an einen externen Betreiber sowie das Restaurant ebenfalls an einen externen Pächter.
Allerdings gab es beim Restaurant schon zwei Pächterwechsel. Aktuell ist das Restaurant wieder geschlossen. Man sei auf Pächtersuche. Sollte sich keine Lösung finden, gibt es auch einen Plan B: „Wir könnten uns dann vorstellen, den Gastrobereich als Vereinsheim unserer Bildungs- und Begegnungsstätte zu nutzen, das an den Wochenenden geöffnet ist – auch für anderweitige Gäste“, sagt Muhajid Kahf .
Der Verein Trossinger Bildungs- und Begegnungsstätte
Viele Nationalitäten
„Wir sehen uns als Deutsch-Muslimische Gemeinschaft“, sagt Mujahid Kahf mit Blick auf eine bunte Mischung an Mitglieder aus Türken, Syrern und anderen Nationalitäten.
Familien
„Wir sind ein Familienverein, in dem traditionell Männer und Frauen getrennt beten“, sagt der Vorsitzende. Aber trotzdem sei die Linde-Moschee ein Familientreffpunkt für gemeinsame Veranstaltungen.
Interreligiöser Dialog
Für die Muslime in Trossingen sei durch die Moschee eine neue Lebensqualität entstanden. „Wir fühlen uns angenommen in Trossingen und als etablierter Teil des Stadtbilds“, betont Kahf, der auf das Gemeinschaftliche setzt mitsamt eines interreligiösen und interkulturellen Dialogs. „Deshalb wünschen wir auch den Kontakt mit Nachbarn der Moschee, die uns bereits vereinzelt auch besucht haben,“ so Kahf. Jeder sei jederzeit gerne willkommen. So auch am 3. Oktober: An diesem Tag findet deutschlandweit traditionell der Tag der offenen Moschee statt.