Die beiden Moderatoren Nico Hügel und Simon Rathgeber bei Ansage zu „Enertain you“ Foto: Wolfgang Grether

„Visionen“ – unter dieser Überschrift kündigte Vorstand Rainer Bauer das Konzert des Musikvereins Tegernau an.

Nicht visionär, sondern ganz real war der Vorspann zum Konzert durch den Auftritt der eigenen Bläserjugend. Mit einem Altersdurchschnitt von 16 Jahren, das bisher jüngste Orchester, wie der musikalische Leiter des Nachwuchses, Rainer Brutschin, bemerkte.

 

Starke Bläserjugend

Keine Nachwuchssorgen – ein vereinsintern gutes Gefühl ist damit garantiert. Dazu die Fahrprüfung bestanden, wie die jungen Spieler im gleichnamigen Stück „Driving test“, was nichts anderes wie Fahrprüfung bedeutet, bewiesen. Sicher führend das Schlagzeug, im nächsten Stück „Dos Muchachos“, solistisch die Trompete mit einem Gefühl für Latinlovers. Romantisch der Schluss, lustig und locker heruntergespielt die Zugabe „Pipi Langstrumpf“.

Dirigent Thomas Schmid mit den Musikern aus Tegernau Foto: Wolfgang Grether

Mit der „Europa Park Suite“ führte der musikalische Leiter Thomas Schmid die Gäste in den Konzertabend. Das von seinem Schüler Marius Lais arrangierte Stück hat die Idee des Parks der Freude nach Tegernau gebracht.

Entertainment pur: die Ansagen des temperamentvollen Simon Rathgeber zusammen mit dem coolen Nico Hügel. Eine Kombination, die passt. Die beiden Freunde, auf dem Saxophon, im Kleinen Wiesental gemeinsam auch als Jugendfußballer unterwegs gewesen, brachten Spielwitz in den Saal.

Ohne Witz eher imposant „Castellum“, die musikalische Beschreibung des römischen Gutshofs Augusta Raurika.

„Paidushko“ rhythmisch nicht gerade wie die Ansager verrieten, aber vielleicht deshalb besonders geeignet für den Verein aus dem Kleinen Wiesental. Die Schlaginstrumente, Rhythmusmaschinen der Musik, funktionierten: manchmal laut, manchmal leise, manchmal kraftvoll, manchmal sanft, aber immer führend. So wurden diese Instrumente zur verlängerten Werkbank des Dirigentenstabes von Thomas Schmid. Überhaupt vielleicht das Geheimnis seines erfolgreichen Engagements in der Musikwelt von Vereinen.

Nach der römischen Festung, der wilden Westen. „Die glorreichen Sieben“, eine Filmmusik brachte das filmisch verklärte frühe Amerika zur Kleinen Wiese, bevor „Visions“ das spannende Werk der Kreativität sich im Saal ausbreitete. Die Überschrift des Abends mit kraftvollen Bildern, Musik im Dunkel der Nacht und durch das Eintauchen von Musikerinnen und Musikern in den Saal nicht nur sinnbildlich, sondern ganz real geboten.

Komponist Jacob de Haan darf eigentlich nicht fehlen. Mit „Ross Roy“ zeichnete er ein Schülerleben nach, das der Musikverein Tegernau schmetternd, kraftvoll, aber auch lieblich und in Aufbruchstimmung ausmalte.

Beifall fürs Drachen zähmen

Drachen braucht Thomas Schmid nicht zu zähmen, aber der Soundtrack zum Drachen zähmen ist seinen Musikern nach Einschätzung des Publikums gelungen. Beweis dafür: Lang anhaltender Beifall, der schon kurz vor dem Ende des Stückes aufkam. „Africa“ musikalisch durch die Gruppe Toto der Welt näher gebracht, regional mit dem Musikverein Tegernau nach Südbaden geführt.

Traditionsmusik ohne Polka geht in der Region des Dreiländerecks fast nicht. Die „Perger Polka“ damit fast ein Muss, das sich als musikalische Kür in die Festhalle ergoss. „We will entertain you“, ja, Musikerinnen und Musiker hatten unterhalten und das in bestem Sinne, wie die Wünsche nach einer Zugabe des Publikums zeigten. „Ich brauch Musik“, ein Stück, das dem Ausdruck gab, was zu spüren war: Musikalische Lebensfreude, oft übermütig, aber auch nachdenklich und dabei immer liebevoll.