„Frauenpower“ war das Thema des Herbstkonzerts des Musikvereins Sulgen in der Festhalle unter Dirigent Stefan Hauser. Foto: Kiolbassa

„Frauen können alles. Punkt.“ Vor allem können sie ganz hervorragend musizieren, selbstverständlich unterstützt von ihren männlichen Orchester-Kollegen.

Unter dem Motto „Frauenpower“ hatte der Musikverein Sulgen unter der Leitung von Stefan Hauser zum Herbstkonzert in die Halle eingeladen.

 

Inspiration für die gewählte Thematik des Konzerts war ein besonderes historisches Ereignis: Die neue Doppelspitze des Vorstands bestehend aus den zwei „Powerfrauen“ Karin Hauser und Tamara Stortz. Erstmals in seiner 154-jährigen Geschichte leiten nun zwei Frauen den Verein. Gemeinsam begrüßten diese das Publikum und berichteten von den Herausforderungen, denen Frauen und vor allem auch Mütter bei der Ausführung eines solchen Amtes gegenüber stünden. Noch heute seien Frauen häufig zu sehr mit „Kind und Kegel“ beschäftigt, um sich ein solches Amt zuzutrauen. Mit ihrem Engagement beweisen die beiden Vorsitzenden, dass es sich dabei jedoch um einen Irrglauben handelt.

Jugend eröffnet

Das Jugendorchester eröffnete das Konzertprogramm mit einem Song einer der einflussreichsten Popikonen des 21. Jahrhunderts. Mit „Poker Face“ eroberte Lady Gaga im Jahr 2008 die Charts und wurde schlagartig zu einem gefeierten Star. Auch die Sängerin ihres nächsten Stücks feierte mit ihrem Song internationalen Erfolg. „Havanna“ von Camila Cabello entführte die Gäste in die sonnigen Straßen Kubas. Der Mix aus Latin-Flair und poppigen Rhythmen ging direkt ins Ohr und ließ das Publikum begeistert mitgrooven. Mit geballter Frauenpower führten die beiden Nachwuchs-Musikerinnen Anne Schmid und Jana Ganter durch das Programm. Auch das letzte Stück der jungen Musiker war einer erfolgreichen Ikone gewidmet. Mit Barbie Girl landete die dänisch-norwegische Musikgruppe Aqua vor fast 30 Jahren ihren mit Abstand erfolgreichsten Hit.

Heroische Eröffnung

Das Hauptorchester erfüllte anschließend die Halle mit den imposanten Klängen von Bert Appermonts „Majestic Entrance.“ In der heroischen Eröffnung bewiesen die Musiker ihr virtuoses Können, während es im zweiten Satz mit lyrischem Mittelteil besonnener wurde. Appermonts Werk sollte das einzige bleiben, das an diesem Abend kaum etwas mit weiblicher Stärke zu tun hatte – abgesehen von der Frauenpower auf der Bühne.

Tragisches Schicksal

Dem tragischen Schicksal der verschollenen Pilotin Amelia Earhart war das nächste Stück „Earhart: Sounds of Courage“ von Robert W. Smith gewidmet. Sanftes Flötenspiel durchzog die Lüfte, der Traum vom Fliegen schien zum Greifen nah. Leises Sirren in den Klarinetten, dann ein Anschwellen, das Turbulenzen ankündigte. Zuletzt blieb das Gefühl unendlicher Weite und Freiheit und der Klang vom Mut einer beherzten Frau.

Weibliche Komponistin

Traumhaft starteten die Musiker nach der Pause in den zweiten Konzertteil. Mit „Dream“ von Dana Schraml hatte es Dirigent Stefan Hauser geschafft, ein Stück einer weiblichen Komponistin zu finden – noch immer eine Seltenheit. In „Dream“ traf beschwingter Bigband-Sound auf eine wunderbar leichte Traumwelt.

Luftballons und Kämpfe

Melanie Bodtländer-Mauch und Marcel Herzog sorgten mit viel Witz und Charme für unterhaltsame Anekdoten, trugen Fakten zusammen und unterhielten zwischen den einzelnen Stücken.

Auch die nächsten drei Kompositionen „Cleopatra“ von Thierry Deleruyelle, ein Medley der bekanntesten Hits von „Nena!“ und der berühmte Marsch „Kaiserin Sissi“ handelten von großartigen Frauen der Weltgeschichte. Mit kräftigen Klängen imitierten die Musiker den aufbrausenden Kampf der Soldaten, ließen friedlich Luftballons durch die Lüfte segeln und brachten die Härte und Strenge des kaiserlichen Hofe Habsburgs zum Ausdruck. Mit den Zugaben „I’m so Excited“ von The Pointer Sisters und der Titelmelodie zu Miss Marple verabschiedete sich der Musikverein Sulgen von seinen Gästen.

Indo

Im Musikverein Sulgen
spielen 29 Musikerinnen und 28 Musiker. Eine Besetzung, die vor zwei Generationen noch undenkbar gewesen wäre. Erst im Jahr 1977 tauchten die ersten weiblichen Namen in der Besetzungsliste auf. Und heute sind die Musikerinnen mit ihrem Einsatz und ihrer Leidenschaft nicht mehr aus dem Orchester wegzudenken.