„Klangwelten – Musik, die Bilder malt“ lautete das Motto des Jahreskonzert des Musikvereins Schliengen. Frieder Reich hatte mit dem Verein ein mitreißendes Programm einstudiert.
Das Bürger- und Gästehaus war mit Freunden der Blasmusik komplett gefüllt. Die Vorsitzende des Musikvereins, Lydia Schneider, begrüßte die Zuhörer, darunter Bürgermeister Christian Renkert mit Gattin sowie viele befreundete Vereinsdelegationen.
Den musikalischen Auftakt machte das stattliche Jugendorchester mit Peter Kleine-Schaars „Dance Starters“ in einer dynamisch exakt gestalteten Darbietung. Mit der Komposition von „Just a Closer Walk with Thee“ von Canadian Brass (Arrangement: Michael Brow) wurden majestätische Klangbilder und eine reizvolle Melodik klar und technisch sauber herausgearbeitet.
Als vokale Überraschung begeisterte Saxophonistin Judith Schindler beim Vortrag von Duke Ellingtons Klassiker „It don’t mean a Thing“ mit ihrer warmen, souveränen Jazzstimme die Hörer. Die Interpretation von Randy Newmans „Toy Story“ evozierte Bilder von Spielzeugen, die lebendig werden, sobald die Menschen den Raum verlassen.
Begeisterter Applaus
Das Finale des Jugendorchesters mit den Klängen André Waigneins „First Jazz“ (Arrangement: Frieder Reich) erhielt so viel begeisterten Applaus, dass als Zugabe noch das fetzig gespielte „Rock the Night“ geboten wurde.
Das Hauptorchester bot im ersten Teil seiner Darbietungen einen Zyklus mit klassischer sinfonischer Blasmusik. Schon die Interpretation von John Williams Oeuvre „Olympic Fanfare and Theme“ demonstrierte souveränes technisches Können, dynamischen Einfallsreichtum und gestalterische Facettenvielfalt. Das Stück hatte Williams für die Olympiade 1984 in Los Angeles geschrieben.
Ein Höhepunkt im Programm war die Aufführung von George Gershwins „Rhapsody in Blue“ mit dem hinreißenden Klarinetten-Glissando von Solistin Tina Sprung. Die Interpretation entführte die Hörer mit ihrer virtuosen Klangkraft in die „Golden Twenties“. Der Schlagzeugdonner, der das Finale einleitete, ließ den Atem anhalten.
Intensive Klangbilder
Die vier Sätze der „Second Suite for Band“, eine Original-Bläserkomposition von Alfred Reed, beeindruckte mit der intensiven Bildkraft der Klangbilder. Die Calypso-Rhythmen im ersten Satz waren ein reizvoller Kontrast zu dem eher bedächtigen brasilianischen Tango des zweiten Satzes. Tänzerisch anmutig und spritzig wurde das Trinklied „Cucaracha“ interpretiert, und im finalen „Paso doble“, der eigentlich ein Intro für einen Stierkampf ist, ließ das Orchester eine opulente Welt von heroischen und machtvollen Sentenzen erklingen.
In einem zweiten Zyklus widmete das Hauptorchester sich der Film- und Musicalszene. „Appalachian Spring“, eine komplexe Ballettmusik von Aaron Copland (Arrangement: Robert Longfield) und das Medley „Indiana Jones Selection“ von John Williams ließen lebhafte Bilder vor dem geistigen Auge des Hörers entstehen.
Souveränes Orchester
Jacob de Haans Komposition „Virginia“ beschwor die landschaftliche Schönheit und geschichtliche Dramatik des US-Bundesstaats Virginia in elektrisierend intonierten Klangfolgen. Und die Darbietung von Leonhard Bernsteins „West Side Story“ (Arrangement: Naohiro Iwai) stellte einen exzellenten Konzertabschluss dar. Das hervorragende Zusammenwirken von Holz, Blech und Schlagwerk ist ein Merkmal für das souveräne Orchester und das charismatische Dirigat von Frieder Reich.
Natürlich ging es bei dem begeisterten Applaus nicht ohne Zugabe. Diese wurde mit der gemeinsamen Darbietung von „It don’t mean a thing“ durch beide Orchester zur Freude des Publikums gerne präsentiert.
Zum Gelingen des Abends trug auch die informative Moderation von Franziska Hetze und Judith Hunzinger bei.
Über die Ehrungen berichten wir noch.