Souverän und voller Spielfreude präsentierte sich der Musikverein Seelbach bei seinem Frühjahrskonzert im Bürgerhaus. Das „Bläsikal“ „Wahre Legenden“ kam bei den zahlreichen Zuhörern sehr gut an. Nicht nur die Programm, sondern auch ein bestimmtes Instrument machte den Abend zu etwas Besonderem.
Von triumphal, kraftvoll und mitunter bedrohlich bis hin zu ruhig, verträumt und zurückhaltend: Mit einem wahrhaft sagenhaften – im wahrsten Sinne des Wortes – Musik- und Bühnenprogramm begeisterte das Blasorchester beim Frühjahrskonzert. Unter dem Titel „Wahre Legenden“ entführten die Musiker das Publikum auf eine musikalische Reise durch Raum, Zeit und Mythos.
Im Zentrum des sogenannten „Bläsikals“ – einer Kreation von Christian Sadè – stand ein geheimnisvoller schwarzer Monolith, der über das Schicksal der Menschheit entscheiden soll. Der „Wächter“, gespielt von Wim Cannie, muss das Gute im Menschen beweisen, um die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Doch er braucht Hilfe – nur mit Unterstützung der „Wahren Legenden“ kann die Welt gerettet werden. Passend zum Geschehen wählte Dirigent Sadè Werke aus, die Legenden und Mythen musikalisch zum Leben erwecken.
Künstlerischer Höhepunkt ist der „Walkürenritt“ aus dem „Ring der Nibelungen“
Mit dem Thema aus „Also sprach Zarathustra“ – einem der eindrucksvollsten Musikwerke des 19. Jahrhunderts von Richard Strauss, arrangiert von Thomas Dick – eröffnete das Ensemble unter der Leitung von Sadè das Konzert. Bereits zu Beginn erschuf das Orchester mit kraftvollen Fanfarenklängen und markanter Perkussion ein intensives, emotionales Hörerlebnis.
Es folgte das Stück „Atlantis“, komponiert von James Howard für den gleichnamigen Film. Klangvoll griffen die Musiker die Melodie der sagenumwobenen, im Meer versunkenen Stadt auf. Die Glanzleistung des Abends war jedoch zweifellos die Darbietung musikalischer Höhepunkte aus Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“, arrangiert von Jürgen Ramin. Mit dem „Walkürenritt“, dem Orchestervorspiel zum dritten Akt der Oper „Die Walküre“, bewies das Orchester eindrucksvoll seine Klasse. Kraftvolle Blechbläser und rhythmisch präzise Holzbläser erzeugten ein mitreißendes Gefühl von Bewegung und Dramatik. Um die besondere Klangfarbe mit dramatischer Steigerung und emotionaler Tiefe zu verstärken, hatte Dirigent Sadè zusätzliche Gastmusiker für die Hornpartien engagiert. Das Orchester spielte souverän, meisterte gekonnt Tempo- und Charakterwechsel und erschuf dadurch vielseitige, abwechslungsreiche Klangbilder.
Das war noch nicht alles. In monatelanger Arbeit war eine spielbare Nachbildung des legendären Gjallarhorns – ein Blashorn des Gottes Heimdall aus der nordischen Mythologie – entstanden, ganze sechs Meter lang. Das Riesenteil sorgte beim Konzert natürlich für Erstaunen im Saal. Dazu kamen eine eigens entwickelte motorisierte Hebevorrichtung und digitale Effekte, die den Abend auch visuell zu einem besonderen Erlebnis machten.
Mit „Mazama“ von Jay Chattaway entführten die Musiker das Publikum mithilfe exotischer Instrumente wie der Okarina (Tonflöte) und Kultgesänge in die Welt der indianischen Legenden. Der erste Teil des Konzerts endete mit der Filmmusik aus „Thor: The Dark World“ von Brian Tyler.
Nach der Pause eröffnete das Orchester mit „Prinzessin Mononoke“ von Joe Hisaishi. Die träumerische, emotional bewegende Musik wurde ausdrucksstark vorgetragen. Es folgten „Tanz der Vampire“ von Jim Steinman, „The Witch and the Saint“ von Steven Reineke sowie „The Incredibles“ von Michael Giacchino.
Zum Abschluss wurden die über 40 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne mit minutenlangem Applaus gefeiert. Die Zuhörer im vollbesetzten Bürgerhaus hatten ebenso viel Freude an diesem Abend wie die Musiker selbst gehabt.