Das Orchester des Musikvereins Hauingen unter seinem Dirigenten Igor Guitbout bot den Besuchern beim Jahreskonzert ein abwechslungsreiches Programm. Foto: Susanna Wipf Fischer

Das 144. Jahreskonzert des Musikvereins Hauingen bot Melodien von gestern bis heute.

Es gibt Abende, an denen Musik nicht nur erklingt, sondern ein Dorf regelrecht charakterisiert. Fast vierzig Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten treffen sich Woche für Woche in Hauingen, um zu musizieren, zu lauschen, zu lernen – und ein Stück Geschichte lebendig zu halten. Seit der Gründung des Musikvereins Hauingen im Jahr 1890 geschieht dies mit Herz, Geduld und spürbarer Freude in jedem Takt, in jeder Passage.

 

Den Auftakt bildeten die Jugendlichen genannt Hamukis: Drei kurze, schwungvolle Stücke, begleitet von Lampenfieber, doch voller Mut und Stolz vorgetragen. Wer genau hinhörte, vernahm mehr als Töne – auch die leise Verheißung einer neuen Generation im Musikverein war vernehmbar. Charmant und humorvoll führte die Musikerin Jasmin Weinelt durch den Abend, verband Stücke mit kleinen Anekdoten und heiteren Momenten und ließ das Programm wie einen sanften Atem fließen.

Begeisterter Applaus für das große Orchester

Das große Orchester übernahm die Bühne mit Julius Fučíks „Einzug der Gladiatoren“, festlich und kraftvoll, mit gewagten chromatischen Passagen, um anschließend mit Johann Strauss’ „An der schönen blauen Donau“ etwas verfrühte Neujahrsstimmung aufkommen zu lassen. „Fusion“ von Brian Balmages verband Ouverture, filigrane Balladen und den energiegeladenen Titelsatz – ein Wechselspiel zwischen Rock, Funk, Swing und klassischer Klangsprache. Das Ensemble musizierte wie ein einziger Organismus, getragen von Aufmerksamkeit und gegenseitigem Vertrauen. Das Publikum spendete begeisterten Applaus.

Ehrungen und Danksagungen

Zwischen den Musikbeiträgen wurden verschiedene Ehrungen ausgesprochen. Als Erster wurde der achtjährige Lias Bauer auf das Podium gebeten. Lisa Möschlin überreichte dem jungen, talentierten Trompeter die Junior-Auszeichnung samt Urkunde. Auch der seit 60 Jahren aktive Waldhornist Karl-Friedrich Nägelin wurde für sein außergewöhnliches Engagement geehrt und mit Urkunden bedacht. Zudem wurden die Aushilfen im Orchester sowie die vielen fleißigen Helfer gewürdigt, die dieses Jahreskonzert ermöglicht hatten.

Foto: Susanna Wipf Fischer

Mit Stücken des früheren Genesis-Schlagzeugers und -Sängers Phil Collins führte das Orchester fließend in die Welt des Pop. „That’s A Plenty“ brachte Ragtime-Schwung auf die Bühne – mit hervorragenden Solisten aus den eigenen Reihen: Hans-Peter Brombacher, Holger Gertz, Waldemar Kubas, Lisa Möschlin und Steffen Walther glänzten mit ihren Solopartien.

Ed Sheerans „Perfect“ wirkte als kurzer, ruhiger Kontrapunkt – in der Version für Blasorchester jedoch etwas ungewohnt. Mit „Hernando’s Hideaway“, einem Tango aus dem Jahr 1954 (unter anderem von Ella Fitzgerald gesungen), füllte sich der Saal mit fröhlicher Leichtigkeit. Den krönenden Abschluss bildete „Elvis – The King“ (arrangiert von Stefan Schwalgin). Schwungvoll, vertraut – und so manch einer im Saal summte die bekannten Melodien des „King“ mit.

Dirigent Igor Guitbout vertraut den Musikern

Über allem stand Dirigent Igor Guitbout. Kein Maestro, der sich in den Vordergrund drängt, sondern einer, der hört, unterstützt und Vertrauen schenkt. Ruhig, präsent und liebevoll führte er sein Ensemble durch den Abend und machte aus jedem Stück des gefeierten Konzerts ein klingendes Gemeinschaftswerk.