Schon das Motto „Allegro amüsante“ ließ es erahnen: Das war wahrlich kein Standard-Konzert
Schon das Drumherum war anders als gewohnt. Eintritt? Musste niemand zahlen. Dafür wurden den Gästen am Eingang Tröten, Trillerpfeifen und Klepperle in die Hand gedrückt.
Musiker in Uniform? Fehlanzeige. Ein Programmheft? Gab’s auch nicht. Moderatoren? Ja, aber nicht in der Art, wie man es sich bei einer Abendveranstaltung vorstellt.
Die von Musikdirektor Thomas Michelfeit ausgewählte Literatur war trotzdem ausgesprochen anspruchsvoll. Und spätestens jetzt wissen die Dormettinger und ihre Gäste, dass in nicht wenigen Musikanten jede Menge komödiantisches Talent steckt.
Orangefarbene Tücher um den Hals und im Haar
Die Kapelle zog in einem kleinem Umzug auf die Bühne, musizierend versteht sich und alle im gleichen Outfit: Jeans, weißes Oberteil und ein orangefarbenes Tuch, das sich viele um den Hals gebunden hatten, andere um den Kopf.
Gleich das erste Stück unterstrich, dass Dormettingen zu Recht in der Oberstufe spielt. Denn um die schnellen Läufe, Takt- und Tempowechsel fehlerfrei spielen zu können, braucht es schon Erfahrung und Können.
Nachdem der letzte Ton verklungen war, zogen Ramona Edelmann und Caroline Sinz als Putzfrauen verkleidet durch die Halle. Sie schimpften über die Fliegenplage im Musikheim, sorgten aber auch dafür, dass für den nächsten Programmpunkt die I
Weil sie sich „noch mehr Action“ wünschten, musste nun jedes einzelne Register beweisen, was es auf dem Kasten hat. Davor wurden auch die zwei Posaunisten nicht verschont.
Marsch-Potpourri eskaliert
Alte Traditionen wahren, auch das war den Saubermacherinnen ein Anliegen. Das angekündigte Potpourri an Märschen artete allerdings in ein wildes Durcheinander aus. So wurde aus dem Radetzky-Marsch der Mainzer Narrhalla-Marsch, und der wiederum, nachdem man in den hinteren Reihe eine Konfettikanone gezündet wurde, zu Ernst Moschs „Tiroler Holzackerbuam“.
Zeit zum Verschnaufen blieb nicht. Nur wenig später bewies ein Quartett mit Schlagzeuger Rainer Bertsch, dass man auch Schmirgelpapier unterschiedliche Töne entlocken kann.
Das ganze Orchester wurde später zu „Glasbläsern“. Die über 60 Akteure machten auf unterschiedlich hoch mit Wasser gefüllten Flaschen Musik.
Dann war das Publikum gefordert. Mit Tröten, Trillern und Klepperle begleitete der ganze Saal das Volkslied „Mein Hut, der hat drei Ecken“.
Es folgte eine „Weltpremiere“: Günter Bertsch präsentierte den ersten digitalen Dirigenten mit KI-Unterstützung. Aus dem Musikdirektor wurde „Michi 01 68 Deluxe“, den Bertsch, der Schriftführer des Vereins, per Fernsteuerung in Bewegung und ab und an auch in den Pausenmodus versetzte.
Das angekündigte „Finale Grande“ hatte es ebenfalls in sich. Da wurde ein Schwertkampf ausgetragen und sogar einen Toten gab es zu beklagen. Elias Scherer mimte das Opfer.
Das Konzert eröffnet hatte die Jugendkapelle unter der Leitung von Caroline Sinz. Dabei tanzten Clowns und andere Artisten durch die Reihen, so mancher Besucher bekam dabei eine rote Nase übergestülpt.
Zu „Bella Napoli“ wurden schließlich noch Sonnenbrillen aufgesetzt. Der Bitte von Vincent Schlaich und Nina Pfaff, aufzuspringen und mitzumachen, kamen die bis dahin verblüfft Dasitzenden gerne nach.
Nach zwei Stunden endete schließlich das „Allegro amüsante“, das, dem Beifall nach zu urteilen, nach einer Wiederholung schreit, mit dem Dank des Vorsitzenden an den Dirigenten: „Du hast dich selbst übertroffen“, meinte Rolf Weckenmann, „das war der absolute Wahnsinn“.