Mit einem Festwochenende feierten die Mitglieder des Musikvereins Bad Bellingen „100+5 Jahre“ zwei Tage lang im Kurpark.
Die Festwirtschaft an der Konzertbühne bietet am frühen Sonntagnachmittag alles für einen entspannten Aufenthalt. In den Bankreihen gibt es genug Platz zum Ausbreiten, es duftet nach Flammkuchen und die letzten Pärchen „Weißwurst mit Brezel“ finden dankbare Abnehmer. Die Gäste gönnen sich ein kühles Tröpfchen, während der Musikverein Eggenertal zum Schlussakkord aufspielt. Zum letzten Mal an diesem Tag erhebt Dirigent Thomas Moritz den Taktstock, um durch das Badnerlied zu führen, eine Hymne, die noch älter ist als der Gastgeber.
Gastvereine spielen auf
„Wir spielen es gern“, sagt Moritz. Im Gespräch am Rande spielt er auf den Text an, wobei die Eggener mit Hebels „Z’Bürglen uf der Höh“ gut wegkommen. Gut angekommen sind derweil die nächsten Bühnenakteure der Trachtenkapelle Steinenstadt. Das Orchester um den Leiter Uwe Jordan spiele ein paar Stücke für die Freunde, um mit ihnen zu feiern, heißt es. Gleichzeitig durften die Nachbarn Jubiläumsluft schnuppern, denn nächstes Jahr blicken sie selbst auf das 100-jährige Bestehen zurück.
Weitere Gastmusiker wurden zu dem Anlass vorstellig, zu nennen die Kollegen aus Feldberg oder Tegernau. Die letzte Runde läuteten am Sonntag „Die Ehemaligen“ ein, während die Jubilare um Dirigent Andreas Kramer den Reigen mit dem Frühschoppenkonzert eröffnet hatten.
„Ab 10 Uhr war die Festmeile gut besucht“, bilanziert Florian Heitz, der Vorsitzende des Musikvereins Bad Bellingen. Im Rückblick rekapituliert er den Kindermusiktag vom Samstag. Die große Mannschaft von Wolfgang Wetzel, bestehend aus Schulorchester, Schülern der Sonnenrainschule Rheinweiler und den Zöglingen des Musikvereins, hatten die Unterhaltung bestritten. Aufgeführt wurde eine musikalische Geschichte, geschrieben von Viktoria Dosenbach. Jedem Instrument wurde ein Tier zugeordnet, die Vorstellung kam gut an.
Anschließend hieß es fürs Publikum: Instrumente ausprobieren. Danach trat Maris Siegin vor seine begeisterte Fangemeinde, um Stimme zu zeigen. Außerdem war Spiel und Spaß geboten. „Der Samstagabend war von bester Stimmung begleitet“, freut sich Heitz. Nichts anderes zu verbreiten, hatten die Mannen aus Haigerloch-Stetten im Sinn. Da werden beim Spiel schon mal die Füße auf Tischen geparkt – synchron versteht sich.
Bewirtung allein gestemmt
Das Ganze endete spät in der Nacht. „An der Bar“, konkretisiert Heitz. Die komplette Bewirtung wurde allein gestemmt. Die Einnahmen würden dringend benötigt. Der Umbau des Probelokals laufe, und Neuanschaffungen seien immer nötig. So verschlinge eine Uniform für alle ab 18 Jahren rund 1300 Euro. Pro Jahr investiere man in drei dieser maßgeschneiderten Uniformen. Die Jugend sei ganz wichtig, betont Heitz.
Nicht minder der Nachwuchs auf dem Festplatz: Bunte XXL-Kissen lagen auf dem Rasen, und viele waren „besetzt“. Liebevoll arrangiert ein musikalisches Miniatur-Golf-Spiel. Die Trichter ausrangierter Instrumente dienten einem Wurfspiel. Eine betagte Tuba wurde auch zum Blickfang. Laut Orchestermitlied Michael Bierwirth stammt sie von 1950. Da war der Musikverein erst 25 Jahre alt. Bierwirth erklärt, das sehe er etwa an den Drehventilen, deren Gelenke noch starr und nicht gelenkig wie heute ausfallen.