Die Stadt Altensteig hat zwei beliebte Musiksommer-Formate zu einem verschmolzen: Aus dem „Heimspiel“ und dem „Wandelkonzert“ wurde „Heimwandel“. Rund 70 Besucher waren begeistert.
Beide Veranstaltungen waren bereits Bestandteil des ersten Altensteiger Musiksommers im Jahr 2013. Beim „Heimspiel“ erhielten Talente aus Altensteig und Umgebung – egal, ob noch dort ansässig oder zwischenzeitlich abgewandert – Gelegenheit, ihr Können vor heimischem Publikum zu präsentieren. Und das „Wandelkonzert“, einst der krönende Abschluss des Festivals, lud die Zuhörer zu einem Spaziergang durch die Altensteiger Altstadt ein, auf dem sie an ausgewählten Stationen musikalisch unterhalten wurden.
Jetzt also „Heimwandel“. Start und Ziel des Spaziergangs war der Bürgersaal im Rathaus. Die Strecke verlief von dort eben an der Poststraße entlang, kreuzte die Nagold, führte durch die Rosenstraße und über die Brücke am Marktplatz wieder zurück zum Ausgangspunkt und war auch für „Heimwandler“, die nicht so gut zu Fuß sind, gut zu bewältigen. Der laue Sommerabend begünstigte die Premiere des neuen Formats zusätzlich.
Andreas Jendrusch, Schauspieler, Regisseur und Impresario des Regionentheaters im Schwarzen Wald, der schon frühere Wandelkonzerte moderiert hatte, hatte die Besucher im Bürgersaal willkommen geheißen und auf die bevorstehenden gut zweieinhalb Stunden eingestimmt.
„Lieder vom Meer“ zum Auftakt
Die Schauspielerin und Sängerin Lea Kirn war bereits beim ersten Altensteiger Musiksommer dabei – damals stand sie im Musical „West Side Story“ auf der Bühne, einer Gemeinschaftsproduktion von Christophorus-Kantorei und Jugendsinfonie- und Kammerorchester Altensteig. Nun, elf Jahre später, trug sie im Bürgersaal Teile ihres Bühnenprogramms „Die wilde Sehnsucht – Lieder und Geschichten vom Meer“ vor. Das begann mit Charles Trenets Chanson „La Mer“ – für die Künstlerin „das Lied schlechthin, wenn man die Schönheit des Meeres besingen will“. Es folgten Heinz Rühmanns Gassenhauer „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ und der getragene amerikanische Folk-Song „Oh, Shenandoah“.
Für die Besucher stand nach dem ersten begeisterten Applaus die erste Etappe des „Wandel“-Parts der Veranstaltung an. Nach einem kurzen Spaziergang die Poststraße hinauf wurden sie im ehemaligen Taschengeschäft Krebs von der Soul- und Jazzsängerin Denise Taylor erwartet, die in Altensteig aufgewachsen und zur Schule gegangen ist.
Drei Eigenkompositionen
Die junge Musikerin begann – am E-Piano begleitet von ihrem Studienkollegen Christian Walther – ihre Darbietung mit Michael Jacksons „Man in the Mirror“. Ihre Version des Hits stellte die Vorzüge der Sängerin gleich in den Vordergrund – während der King of Pop sich mit seinem Gesang im höheren Tonlagenbereich bewegte, verfügt Denise Taylor über eine tiefe, warme, ausdrucksstarke Soulstimme.
Nach drei Eigenkompositionen – „Little Bird“, „Unconditional Love“ und „Sex is more than just a Thing“ – schloss sie ihren Auftritt mit Aretha Franklins „I never loved a Man“. Nach von Johlen begleitetem Beifall zogen die Zuhörer weiter, überquerten die Nagold und steuerten das ehemalige Café „EisundCafé“ an, um dort in ein vollkommen anderes Musikgenre einzutauchen.
3,2 Millionen Aufrufe
Rahel Schaible, aufgewachsen in Grömbach, inzwischen wohnhaft in Ettmannsweiler, widmet sich hauptsächlich mystisch wirkender Musik mit nordischer Anmutung. Angefangen hat sie als Sängerin auf Hochzeiten, doch vor etwa drei Jahren streamte sie eine deutschsprachige Version von „Valhalla calling me“ aus dem Universum des Computerspiels „Assassin’s Creed“. 3,2 Millionen Aufrufe später hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Ihre Zuhörer im ehemaligen „EisundCafé“ ließen sich willig mitnehmen in die Welten der Filme, denen Rahel Schaibles Lieder entstammen – „Now we are free“ ist aus „Gladidator“ bekannt, „Into the West“ und „Adiemus“ aus „Herr der Ringe“. Ein Titel der Band Schandmaul“ – „Euch zum Geleit“ – machte den Auftritt komplett.
Timm Shanks ist zurück
Auch sie wurde mit donnerndem Applaus bedacht, bevor sich der Tross der Musikliebhaber erneut auf auf den Weg machte. Wenige Meter weiter, in einer ehemaligen Bäckerei, wartete Timm Shanks bereits auf sein Publikum. Gerade mit seinem Masterstudium fertig geworden, lebt er wieder in der Flößerstadt.
Den ehemaligen Verkaufstresen als Bühne nutzend und sich selbst auf der Gitarre begleitend, gab der Altensteiger eigenwillige, verspielte Versionen mehr oder weniger bekannter Hits zum Besten: „My Girl“ von den Temptations, Matt Simons’ „Catch and release“, Amy Winehouse’ „Valerie“, Bob Marleys „Is this Love“ und Allen Stones „Give you blue“. Shanks erntete ebenfalls viel Applaus, und die Zuhörer machten sich auf den kurzen Weg zurück zum Bürgersaal.
Lea Kirn schließt den Kreis
Lea Kirn schloss dort den thematischen Kreis mit Freddy Quinns „Unter fremden Sternen“, Heinrich Heines Gedicht „Die Nixen“, Lieselotte Malkowskys wohlmeinendem Ratschlag „Fang keine Liebe mit Matrosen an“ und dem „Lied des Meeres“ aus dem gleichnamigen Film.
Andreas Jendrusch rief alle Akteure gemeinsam auf die Bühne, wo sie einen schallenden Schlussbeifall und – aus den Händen von Christa Haizmann vom Altensteiger Kulturreferat – jeweils eine Sonnenblume entgegen nehmen durften.