Christian Pöndl am Eingang "seiner" Musikschule.  Foto: Kunert

So kann’s manchmal gehen: Sein Papa kauft Christian Pöndl auf dem Christkindles-Markt eine einfache Tute, Jung-Christian trötet daheim lautstark aus dem Fenster – unter dem geht gerade der Chef des Musikvereins Salzstetten vorbei. Und der heuert augenblicklich das junge Talent als Musikernachwuchs an.

Nagold - Das ist die Geschichte – kurz zusammengefasst – wie Christian Pöndl, seit Oktober letzten Jahres neuer Leiter der Städtischen Musikschule Nagold, einst zur Musik und genauer zum Trompete-Spielen kam. Auch, was danach auf den jungen Trompeter an Erlebnissen mit der Musik wartete, sind schon ziemlich einmalige Anekdoten. Sein Zivi-Dienst zum Beispiel: Den absolvierte er als "Musik-Zivildienstleistender im Kreiskrankenhaus Calw". Wozu man dort einen Musiker brauchte? "Für die Physiotherapie", die Pöndl ab und an musikalisch begleiten musste. Ansonsten habe er dort "sehr viel Zeit" gehabt, sich auf sein späteres Musik-Studium an der Hochschule Saarbrücken vorzubereiten; auf die harte Aufnahmeprüfung dort. Der Deal mit der Klinik in Calw dazu: "Dafür musste ich einmal im Monat dort ein Hauskonzert geben." Sachen gibt’s!?

 

Heureka-Erlebnis in den USA

Das Heureka-Erlebnis, das aus dem schönen Hobby Trompete-Spielen eine echte Berufung, eine echte Leidenschaft, manchmal auch Passion machen sollte, passierte aber in den USA – auch noch auf ganz andere Weise Pöndls Schicksalsland; aber dazu später. Erstmal absolvierte er als 16-, 17-Jähriger ein Auslandsjahr in Neenah, einer 25 000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Wisconsin, nördlich von Chicago. An der dortigen Highschool belegte er alle Kurse, die irgendwie mit Musik zu tun hatten – "in den wildesten Stilrichtungen!" Eine absolut prägende Erfahrung. "Es gibt nichts Schöneres, als mit anderen zu musizieren", sagt der heute 38-Jährige – mit Inbrunst. Mit Feuer in der Stimme, auch in den Augen. "Es gibt dir so unfassbar viel zurück!"

Vielleicht auch Unerwartetes: Jahre später sollte Pöndl in die USA zurückkehren, da war er längst langjähriger Leiter der Freudenstädter Musik- und Kunstschule (MuK) – die er ab 2006 nach deren Übernahme durch einen Trägerverein komplett neu aufbauen sollte. Engagiert wurde er einst für diesen Job, da steckte Pöndl noch mitten um Studium in Saarbrücken, "war noch im siebten Semester". Aber die Herausforderung, die Chance war zu verlockend – deshalb wagte der nun studierte Musikpädagoge die doppelte Belastung, und legte neben seiner Arbeit in Freudenstadt noch seinen Abschluss samt Diplom ab. Erfolgreich.

Aber zurück zu dieser Konzertreise nach Kalifornien, die Pöndl im Jahr 2015 gemeinsam mit dem Landesblasorchester Baden-Württemberg absolvieren durfte: Auf der Konferenz der WASBE (Weltorganisation sinfonischer Blasmusik) sollten Pöndl und seine Bläser-Kollegen Deutschland und Europa als Kulturregion einer breiten Weltöffentlichkeit vorstellen. Pöndl selbst aber lernte dort vor allem seine spätere Ehefrau Ashley kennen – selbst ein begnadete Musikerin, an Geige und Klavier. "Sie war unsere Reiseleiterin vor Ort." Man schrieb sich in der Folge, ein Jahr später reiste Pöndl erneut in die USA. Man "verbrachte gemeinsam Zeit". Es folgte ein Jahr Fernbeziehung, dann zog die in Ashland / Oregon geborene Musikerin in den Nordschwarzwald. Das gemeinsame Zuhause steht heute in Loßburg-Lombach. Mittlerweile unterrichtet Ashley Kaeun Pöndl, so der vollständige Name, selbst an der Musikschule in Calw, ist zudem Lehrkraft für das Jugendorchester hier in Nagold.

Womit Nagold ein "Dreh- und Angelpunkt" im Leben des Musikerpaares geworden ist. Christian Pöndls vorrangiges Ziel hier – natürlich: "Die Arbeit, das Werk von Florian Hummel fortführen." Dessen großes Netzwerk um die Städtische Musikschule – zum Beispiel mit den allgemeinbildenden Schulen, auch den Kindergärten – zu pflegen und "möglichst auszubauen", beziehungsweise "weiterzuentwickeln". Aber auch neue, eigene Ideen möchte Pöndl an seiner neuen Wirkungsstätte umsetzen.

Pläne für ein Neujahrskonzert

Fest geplant sei etwa "künftig ein zweites großes Konzert im Jahreslauf" mit dem Nagolder Kammerorchester zu spielen, das nun auch zu Pöndls neuen Verantwortungsbereichen gehört. Und zwar als Neujahrskonzert. Auch über einen eigenen, städtischen Wettbewerb für Nachwuchsmusiker denkt Pöndl nach – mit einem weniger starren, strengen Rahmen wie "Jugend musiziert". Damit von den Teilnehmern bei weniger Druck mehr persönliche Spielfreude gezeigt werden kann. Und ganz oben auf Pöndls (Nach-Corona-)Wunschliste stehen natürlich Konzertreisen, "zum Beispiel zu Nagolds Partnerstädten"; oder als "intensive Probe-Phasen" für die Orchestermusiker der Musikschule.

Soweit vielleicht die "Kür" des neuen Musikschul-Leiters. Die Pflicht: Die in der aktuellen Saison pandemiebedingt größtenteils abgesagte Nagolder Konzertreihe ab kommendem September neu aufleben zu lassen. "Alle Konzerte, Termine dafür stehen bereits!" Die Nagolder "können sich da auf ein wirklich tolles Programm freuen". Außerdem werde – nicht nur wegen Corona – die Digitalisierung auch der Musikschule aktuell massiv vorangetrieben. Es gebe jetzt erstmals WLAN in den Räumen der Schule, die Präsenz im Internet und auf den sozialen Medien – eben dort, wo man den musikalischen Nachwuchs heute erreicht – soll weiter ausgebaut werden. Zum Status-quo: "Dank des extrem großen Engagements der Schüler, Lehrer und Eltern funktioniert der Lehrbetrieb via Homeschooling" auch für die Musikschule. Selbst in der musikalischen Früherziehung.

Da aber in diesem Jahr der reguläre "Tag der offenen Tür" der städtischen Musikschule auf jeden Fall wohl werde ausfallen müssen, habe man sich als Alternative "eine weitere tolle Aktion" ausgedacht: Bei einem lokalen Komponisten sei ein Werk in Auftrag gegeben worden, in dem alle Musikinstrumente mit eigenen Parts vertreten sind und vorgestellt werden, für die die Städtische Musikschule Nagold Musikunterricht anbietet. "Ein wirklich epochales Werk", freut sich Pöndl – von dem noch in diesem Monat während einer zweitägigen Session im Kubus ein Konzert-Video aufgezeichnet werden soll. Das man dann als Ersatz für den ausfallenden Präsentations-Tag der Schule "als Video-Event" veröffentlicht werde. "Da freuen wir uns alle schon riesig drauf!"

Womit man Christian Pöndl zum Abschluss eigentlich nicht mehr fragen müsste, was ihn letztlich zum Wechsel von Freudenstadt nach Nagold bewogen hat: "Es war die richtige Zeit", sagt ein jetzt auch nachdenklicher Musikpädagoge. Und: "Es gibt Stellenausschreibungen, auf die muss man sich einfach bewerben."

Die Nachfolge von Nagolds Stadtmusikdirektor sei so eine. Er schätze sehr, wie hier in Nagold die städtische Musikschule ins allgemeine Bildungswesen eingebunden sei – bis hin zu der Überlegung, die Musikschule künftig zum Teil des Bildungscampus mit OHG, Zeller- und Burgschule zu machen. Auch als Teil von deren Ganztagsschul-Angeboten. Genau damit könne die Musik in den Jugendbildung "ihr volles Potenzial" ausschöpfen: "Musik macht etwas mit der Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen." Womit sich vielleicht der Kreis schließt auch für Christian Pöndl ganz persönlich – dessen ganz eigenes Leben ja auch durch die Musik geprägt wurde; wenn auch auf eine Weise, wie wohl kaum ein zweites.