Kooperationen sind eine Spezialität der städtischen Musikschule in Nagold. Unser Foto zeigt die „Jolly Strings“. Foto: Thomas Fritsch

Nagolds städtische Musikschule ist auf Erfolgskurs. Stetig steigen die Schülerzahlen. Nachwuchssorgen gibt es dennoch – bei den Dozenten.

Seit fünf Jahren ist Christian Pöndl nun Chef der Musikschule. „Ziemlich bewegte Jahre“, wie er im Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss der Stadt Nagold berichtete.

 

Klar, zunächst war da die Corona-Zeit, dann folgte 2024 das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen der Einrichtung. Und in diesem Jahr war Nagold sogar Gastgeberstadt des Landeswettbewerbs von „Jugend musiziert“ – gemeinsam mit Calw und Wildberg.

Und was kommt nun? „Endlich mal business as usual“, strahlte Pöndl. Das heißt nicht, dass es keine Herausforderungen geben wird. Neben dem schlechten Zustand des Musikschulgebäudes – wir berichteten – bereitet Pöndl vor allem die Personalsituation Kopfzerbrechen. Ein großer personeller Umbruch steht der Schule bevor. Pöndl spricht von einer „Verrentungswelle“.

Der Fachkräftemangel schlägt mittlerweile auch auf Musikschulen durch

Um es in Zahlen zu sagen: „14 der momentan 30 Kolleginnen und Kollegen sind 57 oder älter. Acht davon über 60“, heißt es im Jahresbericht. Weiter verdeutlichte Pöndl: „Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren 50 Prozent in den Ruhestand gehen werden.“

Der Fachkräftemangel schlägt mittlerweile auch auf Musikschulen durch. „Es wird schwieriger, gute Leute zu finden“, berichtete der Musikschulchef. Die Zahl der Stellenausschreibungen sei hoch. „Da hoffe ich natürlich, dass wir die Stellen dennoch alle gut besetzen können.“

Die städtische Musikschule Nagold blickt auf erfolgreiche Jahre zurück. Foto: Heiko Hofmann

Dabei fällt ein bisheriger Nagolder Wettbewerbsvorteil weg: Im Gegensatz zu anderen Musikschulen hatte Nagold seine Lehrkräfte auch früher schon fest angestellt. Dann kam 2022 das so genannte „Herrenberg-Urteil“ des Bundessozialgerichts. Die Dozenten anzustellen statt sie als Honorarkräfte einzusetzen, ist nun Pflicht. Pöndl: „Wir treten da jetzt also in Konkurrenz mit anderen Musikschulen, auch in größeren Städten, und die greifen die Lehrkräfte ab.“

In diesem Zusammenhang verdeutlichte der Musikschulchef, dass auch über die Eingruppierung der Musikschullehrer nachgedacht werden müsse. Die jetzige Eingruppierung sei nicht mehr standesgemäß.

Pöndls Wunsch: „Bitte kürzen Sie nicht an der Bildung

Unter anderem deutete Pöndl bei seinem Ausblick an, dass es zum Jahr 2027 eine Erhöhung der Gebühren geben könnte. Er erklärte auch: „Die Finanzlage ist nicht mehr so gut, wie sie mal war.“ Dennoch appellierte der Musikschulleiter an die anwesenden Räte und Verwaltungsmitarbeiter: „Bitte kürzen Sie nicht an der Bildung. Das wäre mein Wunsch für die nächsten Jahre.“

Von Christian Pöndl neu eingeführt wurde das Neujahrskonzert. Foto: Thomas Fritsch

Dabei hat Christian Pöndl in den vergangenen Jahren viele gute Argumente für sein Anliegen gesammelt. Dank stetig wachsender Kooperationen steigt auch die Schülerzahl kontinuierlich an. 738 Schülerbelegungen waren es zum 1. Januar 2025 beim Elementaren Unterricht, im Jahr davor 707 und 2023 noch 670.791 Schülerbelegungen gibt es beim Instrumental- und Vokalunterricht der Musikschule zu vermelden – dort stieg die Zahl von 708 im Jahr 2023 und 763 im Jahr 2024.

Beim Ensemble-Unterricht zählt die städtische Musikschule aktuell 237 Köpfe, im Jahr davor waren es 223. Insgesamt hat die Musikschule eine Schülerbelegung von 1808 vorzuweisen, 2023 waren es 1590 und 2024 lag die Zahl bei 1763.

Wie wichtig die Musikschule auch für das städtische Kulturleben ist, sieht man an der Zahl der Veranstaltungen. 39 Aufführungen und Konzerte standen 2023 an, im Jahr darauf lag die Zahl sogar bei 46.

„Wir sind eine Netzwerkmusikschule. Hier laufen viele Stränge zusammen“

Hinter den Erfolgen stehen zahlreiche Kooperationen, bei denen die Musikschule mit im Boot ist. Man kooperiert zum Beispiel mit zehn Kindergärten, zehn Schulen sind als Partner ebenfalls dabei – dabei reicht das Engagement von der Grundschule bis zum Gymnasium.

Auch mit drei Chören arbeitet die Musikschule zusammen, zudem mit neun Musikvereinen und Posaunenchören. Weitere Vernetzungspartner sind das evangelische Bezirkskantorat, die GWW, die Volkshochschule, die Jugendkunstschule und das Jugendhaus „Youz“.

Musikschule ist „ein echtes Aushängeschild unserer Stadt“

„Wir sind eine Netzwerkmusikschule. Hier laufen viele Stränge zusammen“, freute sich Pöndl. Und alle würden auch an einem Strang ziehen. Dabei sei gute Bildungsarbeit essenziell – „…damit wir die nächsten Jahre gut durchkommen“.

Auch die Mitglieder des Kulturausschusses hatten für die Arbeit der Musikschule nur Lob übrig. „Wir können da stolz drauf sein, das ist ein echtes Aushängeschild unserer Stadt“, sagte zum Beispiel Bärbel Reichert-Fehrenbach.