Die Musikkapelle Höfendorf hat sich mit ihrem beeindruckenden Jubiläumskonzert selbst das schönste Geschenk gemacht. Foto: Klaus Stifel

Mit einem eindrucksvollen Festkonzert hat die Musikkapelle Höfendorf ihr 75-jähriges Bestehen sowie „100 Jahre Volksmusik in Höfendorf“ gefeiert.

Seit einem Dreivierteljahrhundert stehen die Höfendorfer Musiker für ein Motto, das weit mehr ist als ein Spruch: „Leben, spielen und genießen“. Das Orchester zeigte eindrucksvoll, wie lebendig und zeitlos dieses Leitmotiv geblieben ist, und das Publikum erlebte einen Abend, der musikalische Qualität und Gemeinschaftsgeist miteinander verband. ​

 

Bereits beim Betreten der Halle wurden die Gäste auf eine Zeitreise mitgenommen. Eine kleine, liebevoll gestaltete Ausstellung zeigte Fotos, Urkunden und Erinnerungsstücke aus 100 Jahre praktizierter Volksmusik. Ein Hingucker war das Gruppenfoto vom einstigen Männergesangverein Höfendorf aus dem Jahr 1926, zu dem später ein kleines Streichorchester hinzustieß und aus dem 1950 die Musikkapelle entstand. „Schon immer wurde in Höfendorf gesungen und mit Gitarre, Geige oder Mandoline musiziert“, lässt es sich in der Chronik nachlesen. Ergänzt wurde die Ausstellung durch eine Uniformenschau, die eindrucksvoll zeigte, wie sich das Erscheinungsbild der Kapelle im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Besonders aufmerksam betrachtet wurden die neu angeschafften Trachten-Uniformen, in denen das Höfendorfer Orchester an diesem Abend erstmals auftrat – ein „Geburtstagsgeschenk an sich selbst“, wie es aus Vereinskreisen hieß.

Nachwuchs überzeugt mit großer Spielfreude

​Als Erstes auf der Bühne präsentierte sich das Jugendblasorchester Rangendingen-Bietenhausen-Höfendorf. Der Musikernachwuchs aus den drei Gemeinden überzeugte mit sauberem Klang und großer Spielfreude, was auch der Vorsitzende der Musikkapelle Höfendorf, Herbert Fahrner, zu schätzen wusste: „Ihr habt eindrucksvoll gezeigt, wie viel Freude, Können und Engagement in Euch steckt.“ Für die beiden Stücke „Statue of Liberty“, und „Music for happiness“ plus Zugabe gabs vom Publikum reichlich Applaus. Die 25 Nachwuchsmusiker standen unter dem Dirigat von Bálint Takács.

​Der Rangendinger Musikverein, seit Januar 2026 ebenfalls von Bálint Takács dirigiert, bereicherten den Abend mit einem eigenen Konzertblock. Gleichzeitig war es für den Ungar der erste Konzertauftritt mit dem Musikverein. Mit dem „Budapest-Marsch“ hat die Kapelle ihren musikalischen Part schwungvoll eröffnet. „Der Marsch vereint Kraft und Leichtigkeit auf eine Weise, die sofort mitreißt und wunderbar zu einem Jubiläumskonzert passt“, kommentierte Moderator Wilfried Wiest. Weiter ging es mit der Konzertouvertüre „The Hounds of Spring“, einem klangvollen Frühlingsbild. Mit „Sweet Breeze in May“ ging es musikalisch nach Japan. Seine ganze Kraft und Können steckte das Rangendinger Orchester in ihr letztes Stück „Flashing Winds“. Ohne eine Zugabe durften die Rangendinger die Bühne nicht verlassen.​ 37 Aktive zählt die Musikkapelle Höfendorf derzeit. Seit zwei Jahren steht sie unter der Leitung von Jochen Stübenrath. Er führte das Orchester souverän durch den Abend und verstand es, sowohl die leisen, warmen Töne als auch die kraftvollen Höhepunkte präzise herauszuarbeiten. Sämtliche Musiker zeigten sich spielfreudig, präzise und bestens aufeinander abgestimmt. Begonnen wurde mit „Zarathustra 2000“, das den Klassiker von Richard Strauss um moderne rhythmische Nuancen ergänzt.

Konzentration und Feingefühl

​Äußerste Konzentration und Feingefühl verlangte das Stück „Music Of The Royal Fireworks“ von Friedrich Händel. Bereits bei den ersten Klängen dieser anspruchsvollen „Feuerwerksmusik“ wurde deutlich, dass Orchester und Dirigent etwas ganz Großes vorhaben. Denn um so eine niveauvolle Komposition zu spielen, muss ein Orchester auch die entsprechenden Musiker haben, um die charakteristischen Klangfarben von Hörnern, Trompeten und Pauken und die verschiedenen Themen herauszuarbeiten. ​Dies ist der Musikkapelle in beeindruckender Manier gelungen und es war ein Genuss, die geradezu majestätischen Klangfarben zu hören.​

Eigentlich hätten die Schlussstücke „Sogno di Volare“, „Baba Yetu“, „Encore!“ und „Auf uns“ mit Gesangverein Harmonie Beffendorf aufgeführt werden sollen. Doch leider kam es bei den Beffendorfern zu einer kurzfristigen Terminüberschneidung, was zu einer Absage führte. Für die Verantwortlichen war das zunächst ein kleiner Schreckmoment, für das Publikum jedoch kein Verlust, wie sich herausstellte. Beeindruckend war, wie flexibel das Orchester auf die geänderte Programmsituation reagierte. Statt der geplanten Beiträge mit dem Gesangverein rückten nun rein instrumentale Werke in den Mittelpunkt. Das Publikum forderte lautstark eine Zugabe, die die Musikkapelle gerne gewährte. Das „Geburtstagskind“ darf sich sicher sein, dass dieses Konzert in bester Erinnerung bleibt.​