Die Diskussion war intensiv – aber jetzt ist es geschafft. Die Hochschule für Musik Trossingen hat eine Studiengangsreform beschlossen. Außerdem hat das Land ein „Ersatzbau“ in den Doppelhaushalt 2028/29 aufgenommen.
Das sind zwei Nachrichten, die Rektor Christian Fischer mit Zuversicht in die Zukunft blicken lassen. „Wir haben einen Meilenstein geschafft – unter veränderten Rahmenbedingungen.“ Gemeint sind vor allem der Beschluss zur Studiengangreform und die Aussicht auf eine bauliche Erweiterung der Musikhochschule am Standort in Trossingen.
Senat und Hochschulrat der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen haben laut Rektor Fischer in ihren jüngsten Sitzungen im Zuge der Hochschulentwicklung die Ausgestaltung der neuen Studiengangsstruktur und damit das zukünftige Profil der Hochschule beschlossen.
Demnach bleibt die Hochschule in all ihren Ausrichtungen weitestgehend erhalten und ermögliche den künftigen Studierenden zusätzlich mehr Wahlfreiheit und Flexibilität. Begonnen haben auch die Verhandlungen zwischen Ministerium und Hochschulen um die dritte Hochschulfinanzierungsvereinbarung.
Neukonzeption
In regelmäßigen Abständen müssen die Studiengänge der Hochschule neu akkreditiert beziehungsweise reakkreditiert werden. Da sich inzwischen die gesetzlichen Vorgaben geändert haben, waren bei den künstlerischen Bachelor- und Master-Studiengängen eine grundlegende Neukonzeption notwendig.
Vor zwei Jahren startete der aktuelle Entwicklungsprozess zur Aktualisierung des Studienangebots und des Hochschulprofils zunächst mit der Entwicklung eines Leitbilds, an dem alle Hochschulmitglieder beteiligt waren. Dieses diente als Grundlage für die Entwicklung der neuen Studiengangstruktur und speziell des neuen Studiengangmodells.
Dem wachsenden Bedarf nach qualifizierten Pädagoginnen und Pädagogen tragen dabei neue künstlerisch-pädagogische Studiengänge Rechnung. Innovationsfelder bieten die neuen Master-Studiengänge Audio Experience Design, Creative Arts sowie Musik und Gesellschaft. Sie sind so konzipiert, dass sie von Interessierten, die bereits nach ihrem Bachelor erste Schritte ins Berufsleben machen oder aber Kinder oder Angehörige zu betreuen haben, auch in Teilzeit studiert werden können.
Politische Vorgaben
Politische Vorgaben erschwerten die Planungen für bedarfsgerechte und zugleich exzellente Studiengänge, führt der Rektor aus. „Die Quote der Lehrbeauftragten, die an Musikhochschulen wichtige ergänzende Unterrichte anbieten, ist inzwischen auf 25 Prozent gedeckelt – eine Grenze, die das personell knapp ausgestattete Trossingen zwar vor große Herausforderungen stellt, nun aber eingehalten werden kann.“ Festgeschrieben ist auch die Zahl der Studierenden (442) bei einer Gewichtung von gleichviel Bachelor- wie Master- und Konzertexamen-Studierenden.
Vorschlag umstritten
Um diese Vorgaben erfüllen zu können, hatte das Rektorat dem Senat vorgeschlagen, einzelne Studienbereiche einzuschränken. Ein Vorschlag, der mehrheitlich so nicht mitgetragen wurde. „Wir haben einen langen und diskursiven Prozess hinter uns, und am Ende steht ein Kompromiss“, sagt der Rektor im Gespräch mit unserer Zeitung. Beschlossen haben Senat und Hochschulrat, das Hochschulprofil und die Studienangebote in ihrer Breite zu erhalten und einzelne Angebote innovativ neu zu entwickeln.
Dabei sollen die Studiengänge einerseits fokussiert werden, andererseits Gruppenunterrichte studiengangübergreifend konzipiert werden, sodass alle Studiengänge vernetzter arbeiten können und durch mehr Wahlmöglichkeiten attraktiv und individueller als bisher ausgestaltet werden können.
Mehr Wahlmöglichkeiten
Ein Masterstudiengang Oper könne allerdings bei den reduzierten Ressourcen nicht länger seriös angeboten werden und laufe daher in Trossingen aus. Ebenso endet der Studiengang Kirchenmusik B/Orgel, eine Vorgabe des Wissenschaftsministeriums.
Ihm ist es ein Anliegen, „auch Nachwuchs aus der Region zu ziehen für die Region“. Das sei wichtig für die Musikbildung vor Ort. Der Rektor verweist auf das Projekt TRIFF, ein Netzwerk, das begabte Schülerinnen und Schüler an einer Musikschule, einer Institution oder bei privaten Musiklehrern fördere und unterstütze.
Der Ersatzbau
Weiter geht es außerdem in Sachen Ersatzbau. Gemeint ist ein Gebäude im Umfang von knapp 1000 Quadratmeter Nutzfläche. Hier sind zwei größere Probebühnen beziehungsweise Experimentalräume für das Landeszentrum Musik, Design , Performance vorgesehen, sowie der Bau einer eigenen Mensa mit Außenbereich. In den derzeitigen Hochschulbauplanungen des Landes ist die entsprechende Finanzierung nun konkret für 2028/29 im Bauhaushalt vorgesehen.
„Jetzt gilt es, den beteiligten Ministerien gegenüber weiterhin gut zu argumentieren, damit dieses Bauprojekt, das zwischen Konzertsaaltrakt und Blauem Bau platziert werden soll, trotz angespannter Landeshaushaltslage zur Umsetzung kommt. Damit würde die Weiterentwicklung der Musikhochschule und der Standort Trossingen auf einen neuen Level gehoben.“ Bei diesem Vorhaben habe sich die Stadt Trossingen als sehr kooperativ erwiesen. Wenn das Land baue und das Projekt dann seriös in die Planung aufnehme, sei das ein gutes Signal für den Standort.