Hannes Mettler ist Sänger ... Foto: Tadeu Kobna

Hannes Mettler hat Höfen an der Enz gegen ein Leben in Stockholm getauscht. Nicht nur beruflich, auch musikalisch ist er in der schwedischen Metropole angekommen. Seine Band veröffentlicht gerade ihre ersten Songs.

Gut 1300 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Höfen an der Enz und der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Oder rund zwei Stunden ab dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden. So gesehen ist Hannes Mettler gar nicht so weit weg von seiner Heimat im Oberen Enztal. Zumal seine Eltern noch in Höfen leben. Deshalb zieht es ihn an Weihnachten und manchmal auch im Sommer zurück in den Nordschwarzwald. Sein Zuhause indes ist seit mehr als vier Jahren Schweden. Auch musikalisch ist er in Stockholm angekommen.

 

Unterwegs Mettlers Weg führte nach dem Abitur am Bad Wildbader Enztal-Gymnasium zunächst zum Architekturstudium an den Bodensee. „Nach meinem Bachelorstudium in Konstanz erschien es mir wie eine verpasste Gelegenheit, nicht die Möglichkeit genutzt zu haben, im EU-Ausland meinen Master zu absolvieren“, erinnert sich der 28-Jährige. Er sieht es als „enormes Privileg“, als Europäer in den meisten EU-Ländern ohne Studiengebühren studieren zu können. Also setzte er seinen Master in Stockholm fort. Nach dem Abschluss blieb Hannes Mettler dort und arbeitet seither als Architekt.

... und Pianist bei den „Cloudgazers“. Foto: Tadeu Kobna

Band „Seit ich zurückdenken kann, war Musik immer Teil unserer Familie und das Klavier immer da, um darauf zu experimentieren“, meint er. Die Musik hat ihn auch in Schweden nicht losgelassen. Vor vier Jahren fand sich so seine Band zusammen.

„Den Anfang haben Gitarrist Roy und ich gemacht“, erinnert sich Mettler, der Klavier spielt und singt. In der jetzigen Besetzung spielen sie seit anderthalb Jahren: Inzwischen haben die „Cloudgazers“ sechs Mitglieder. Manche seien ihnen in den„in verschiedenen Proberäumen über den Weg gelaufen“, andere fanden sie über Online-Anzeigen.

Die Truppe ist international. Ihre Wurzeln liegen in Schweden, den Niederlanden, in Italien, Zypern/Russland, Österreich/Guatemala und in Deutschland – besser gesagt in Höfen. Mettler und seine Bandkollegen sind zwischen 27 und 38 Jahre alt. „Niemand von uns ist hauptberuflich Musiker. Wir sind aus ganz unterschiedlichen Bereichen, von Management zu Design und Architektur bis Soziologie und Bioinformatik.“

Die, die in die Wolken starren

„Die Songs haben ihren Anfang auf dem Klavier und werden dann durch Bandproben weiterentwickelt“, erklärt Hannes Mettler. „Es ist ein gemeinsamer Prozess, der viel Improvisation, Aufnehmen und Reflexion des Gespielten beinhaltet.“ Überhaupt das Nachdenken: „In Stockholm gibt es vor allem in der Herbstzeit atemberaubende Sonnenuntergänge.“ Da sei ihnen nach langer Zeit des „In-die-Wolken-Starrens“ (auf Englisch Cloud Gazing) klar gewesen, wie sie sich nennen wollen: „Cloudgazers.“

Musik Die Musik seiner Band bezeichnet Hannes Mettler als Mischung aus verschiedenen Richtungen – Jazzfusion, Poprock und Pop-Singer-Songwriter. Wie das klingt? Das lässt sich derzeit jede Woche aufs Neue erleben.

Seit dem 7. Februar veröffentlichen die „Cloudgazers“ jeden Mittwoch einen der Songs von ihrem ersten Album . Zu finden sind sie auf den Internet-Plattformen Spotify, Apple/Amazon-Music, Deezer sowie Soundcloud und Tidal. „Stratus“ heißt das Debüt, das aus fünf Liedern besteht. Das zweite Album sei aber bereits in Arbeit.

Die Stockholmer Band Cloudgazers Foto: Tadeu Kobna

Wer die „Cloudgazers“ nicht nur hören, sondern auch sehen will, der wird auf Youtube fündig. Dort haben sie kürzlich ihr erstes Musikvideo zu dem Song „Københaven“ veröffentlicht. Auch der beschreibt sie gut. Denn in dem Lied geht es um die Gefühle beim Vorwärtsgehen – die Vorfreude auf neue Abenteuer gehören ebenso dazu wie die Nostalgie, die mitschwingt angesichts des Lebens, das man zurücklässt.

Manches vermisst er

Da schwingt außerdem die Geschichte des jungen Mannes mit, der von Höfen aus in die Welt zog und in Stockholm ein neues Zuhause gefunden hat.

Was ihm dort fehlt? „Der Blick ins Tal mit den Horizonten voller Tannen, meine Eltern und die Brezeln vom ,Riexinger’ in Calmbach“, verrät Hannes Mettler. Ansonsten klingt er musikalisch ziemlich angekommen.

Übrigens: Das Releasekonzert von „Stratus“ findet am Mittwoch, 29. Mai, auf Södermalm – einem zentralen Stadtbezirk Stockholms und zugleich eine Insel – statt. Zwei Stunden Wolken schauen, und man ist da.

Auf Instagram und Facebook ist die Band unter @cloudgazersmusic zu finden.

So stellen sich die „Cloudgazers“ vor

Die Band
Es gibt Schönheit in einem Stockholmer Sonnenuntergang, wo der Winter den Himmel mit purpurner Nostalgie bemalt und der Sommer die lebendige Fantasie endloser Leuchtkraft liefert. Wenn sechs Reisende zusammenkommen, um die Wolken zu betrachten, entsteht ein wortloser Dialog. ,Cloud Gazing’ ist der Akt des Nach-oben-Schauens, um nach innen zu schauen. Als Jazz-Rock-Botschafter aus Stockholm, Schweden, gleitet Roy über nachhallende Gitarrenriffs, während Hannes Nostalgie mit Klavier und Gesang verwebt. Sia trifft die höheren Noten möglicher Welten, und die Saxofone von Christian und Luca setzen sich vorwärts. Emilio und Dario bringen moderne Jazz- und Prog-Rock-Grooves in den Mix und setzen den Puls. Aus acht verschiedenen Ländern und ebenso vielen musikalischen Dialekten kommend, laden sie dich ein, dich ihnen anzuschließen, um die Reise gemeinsam zu teilen. Schau nach innen, spring und denke – sei einfach in den sich ständig ändernden Farben ihrer wolkigen Musik.“