Kaum gegründet, hat das von Stefan Krattenmacher geleitete neue Kirchberg-Ensemble Münchweier schon mit einer ersten Aufführungsserie geglänzt. Zu Gehör kam das wenig bekannte Musiktheater "Die Geschichte vom Soldaten" von Igor Strawinsky.
Ettenheim - "Die Geschichte vom Soldaten" hatte der Russe Igor Strawinsky 1917 in seinem Exil gemeinsam mit dem Schweizer Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz erschaffen. Die Geschichte fußt auf einem russischen Märchen von Alexander Afanassjew: Ein Soldat wandert nach Hause und begegnet beim Geigenspiel an einem Bach dem Teufel. Der bietet ihm zum Tausch für das Instrument ein Zauberbuch mit Börseninformationen an.
Facettenreiche Musik, die keiner bestimmten Gattung zuzuordnen ist
Gesagt, getan. Der Soldat betätigt sich als Kaufmann, doch später begegnet er dem Teufel erneut, wandert drum in die Welt, lernt dort eine teuflisch schwer erkrankte Prinzessin kennen. Die nur durch Geigenspiel auf des Soldaten altem Instrument zu heilen ist. Drum macht der Soldat den Teufel beim Glücksspiel völlig betrunken und entwendet dem seine Geige. Happy End: Der Soldat und die wieder gesund gewordene Prinzessin tanzen, der Teufel ist schlicht besoffen. Die Moral: Reichtum macht nicht glücklich.
Den Märchentext trug der dafür gewonnene Christian Sutter vor. Eigentlich ist der 71-jährige renommierte Schweizer "nur" projektfreudiger Bassist – doch mit seiner außergewöhnlich ausdrucksstarken und pointierten Sprechweise wäre er auch auf jeder großen Theaterbühne als Schauspieler blendend angekommen.
Das Münchweierer Ensemble brillierte musikalisch prächtig. Die sieben Instrumentalisten hätten auch Strawinsky entzückt. Seine "Soldaten"-Komposition ist in ihrem Facettenreichtum mit etwa Bassfiguren, Jazzelementen, English-Waltz, Tango oder dem das Lied "Ein’ feste Burg" parodierendem Choral keiner eindeutigen Musik-Gattung mehr zuzuordnen: Sie liegt irgendwo zwischen Impressionismus, Moderne, Zwölfton und Neoklassizismus. Doch das war kein Problem für das Münchweierer Ensemble: Dieses glänzte Märchenrollen gemäß.
Besonders Violinistin Luise Weder glänzte auch als Solistin besonders, ebenso wie Matthias Fliegel am Fagott und Felix Schaub an der Klarinette. Nicht minder ausdrucks- und ensemblestark empfahlen sich John Law am Kontrabass, Dietmar Pfeifer an der Posaune, Felippe Calixto am Schlagzeug und schließlich Yidan Chang als kurzfristig eingesprungener Trompeter. Eine gelungene Leistung über 70 pausenlose, spannende Minuten bis hin zum Finale – mit Pauke und Trompete. So gab es nur ein Manko bei der Aufführung im Hof der Ettenheimer Winterschule: Sie hätte etwas mehr Zuschauer verdient gehabt.
Eintritt für den guten Zweck
Der Erlös der drei Strawinsky-Benefiz-Konzerte in Ettenheim, Dinglingen und Unterlauchingen geht an Hilfsorganisationen für Frauen und Kinder in Afghanistan. Zuvor waren im Mai schon die Einnahmen des ebenfalls von Krattenmacher dirigierten Ettenheimer Kammerorchesters an Hilfsorganisationen in die Ukraine weitergeleitet worden.