Im Münster wird an den Franz Balluff erinnert. Zu dessen 150. Geburtstag gibt es nicht nur musikalische Einblicke, sondern auch eine Sommerbowle.
Mitunter bekommen besondere Anlässe eine eigene Dynamik – zumal, wenn man ihnen ein bisschen Zeit einräumt.
So ein Fall ist das Fest zum 150. Geburtstag von Franz Balluff. Der Musiker, der seinen Dienst als Musiklehrer am Konvikt just in dem Monat antrat, als der Erste Weltkrieg losbrach, und der insbesondere durch das „Rottweiler Marienlied“ in der Stadt noch immer präsent ist, hätte zwar bereits im vergangenen September gefeiert, allerdings hatte sich das aus persönlichen Gründen zerschlagen.
Am Samstag wurde nun im Münster nachgefeiert. Eingeladen haben der Münsterchor und die Münsterbauhütte. Der Festakt, wenn man so möchte, hatte mehrere, durchaus gleichberechtigte Teile.
Musikalische Feier an symbolträchtigem Ort
Natürlich sorgte die musikalische Feier mit ihren diachronischen und synchronischen Betrachtungen musikalischen Schaffens im Umfeld des Rottweiler Münsters für einen prächtigen konzertanten Unterbau. Und dieser musste um so suggestiver erscheinen, als der offizielle Teil der Feier im Nordschiff des Münsters, also vor der Madonna der Augenwende, seinen Platz fand.
Aus der Geschichte der der Kirchenmusik am Münster
Werner Mezger und Patrick Mink definierten den förmlichen Rahmen und eröffneten spannende Einblicke in die kirchenmusikalische Tradition und Bedeutung in Rottweil. Mezger hatte als Vorsitzender des Fördervereins Münsterbauhütte – dann aber natürlich auch als profunder Kenner der lokalen Kulturgeschichte und schließlich auch noch als Ausschussmitglied des Geschichts- und Altertumsvereins genau so mehrere Funktionen zu übernehmen wie Mink. Dieser hat das Projekt vorangetrieben, konnte dabei auch die Ergebnisse seiner Forschungen zur Kirchenmusik am Heilig-Kreuz-Münster einfließen lassen und dazu vortragen – und wirkte natürlich auch musikalisch mit.
Persönliche Erinnerung an „Opa Franz“
Dritter Punkt ist der Besuch von Elisabeth Balluff. Die Enkelin des Jubilars berichtete, wie sie auf der Rückfahrt von der Rottweiler Fasnet 2023 den Impuls zu „150 Jahre Opa Franz“ entwickelte, sondern ließ die Besucher wie Ausführende an ihrer literarisch ausgeformten, dennoch sehr persönlich gehaltenen Erinnerung an zwei besondere Begegnungen mit dem „Opa“ teilhaben.
Und schließlich hatte sie noch ein inhaltsschweres Päckchen mit dabei: Von ihrer amerikanischen Cousine wurden zu diesem Anlass die Autographe von Kompositionen übermittelt, die Franz Balluff während seines USA-Aufenthalts für den schwäbischen Männerchor, den sein Sohn in Detroit aufgebaut hatte, geschrieben hat. Diese sollen nun den im Stadtarchiv aufbewahrten musikalischen Nachlass Balluffs komplettieren.
Der Jubilar selbst ist an der alten Orgel zu hören
Gewissermaßen treuhänderisch nahm Mezger – jetzt als Vertreter des Geschichts- und Altertumsvereins – das Konvolut entgegen. Das passt insofern, als Balluff selbst, ein in Rottweil ausgeprägtes Phänomen, ja selbst unterschiedliche Engagements betrieb. Als Organist an der Münsterorgel konnten ihn die Besucher übrigens am Samstag auch erleben: Im Vorfeld des Fests war ein Tonbandmitschnitt aufgetaucht. Franz Balluff spielt darauf „Großer Gott, wir loben Dich“ – mit einem der französischen Romantik verpflichteten Vorspiel und schwärmerischer Motiv zur Verknüpfung der Strophen.
Die anderen musikalischen Beiträge zeigten Rottweiler Vokalkomposition von Sebastian Mez (Wallfahrtslied Maria Hochheim aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts) über Karl Michael Heim, der Mitte des 19. Jahrhunderts so eine Art „GMD“ in der Rottweiler Musikszene war, bis eben zu Franz Balluff und seinen Zeitgenossen Bernhard Frey und Christian Fader.
Auch der launige Ton ist gefragt
Mal war der launige Ton gefragt, mal in Musikbildern durchkomponierte Spiritualität, mal zuversichtliche Religiosität, die sich in schlanker Polyphonie ausdrücken darf, dann wieder lockeres Aufsingen: Die musikalische Feier überbrückte Epochen und verknüpfte Anlässe, ihre Inhalte aber waren, vor allem vor dem Hintergrund der Ausführungen von Elisabeth Balluff, Mink und Mezger ganz nahe. „Vielleicht schaut er ja gerade zu“, hieß es immer wieder mit Blick auf den Jubilar. Gesehen hätte er dann, wie sich die Gäste in der Nepomuk-Kapelle bei einem Glas Bowle noch gerne bei einem Plausch zu Balluff, die Kirchenmusik und das Münster verweilten.