Insbesondere in der Immobilie Goethestraße in Villingen stößt die Musikakademie VS an ihre Grenzen. Foto: Marc Eich

Die Musikakademie VS hat „ein so aufregendes Jahr wie noch nie“ hinter sich. Den Jahresbericht 2023 fasste Christian Fischer im Fachausschuss zusammen.

Vieles wurde 2023 in der Musikakademie VS geleistet. Die wichtigsten Eckpunkte stellten Christian Fischer, Aufsichtsratsvorsitzender der Einrichtung und Rektor der Musikhochschule Trossingen, der Interims-Geschäftsführer Ronald Müller sowie Caroline Wintermantel als stellvertretende Leiterin der Musikakademie in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am Mittwochabend in der Neuen Tonhalle vor.

 

„Aufregend“ bezieht sich in erster Linie auf die Umsetzung des so genannten „Herrenberg-Urteils“. Als Ergebnis muss auch die Musikakademie die bislang überwiegend als Honorarkräfte tätigen Musiklehrer mit sozialversicherungspflichtigen Verträgen ausstatten.

„Vorher hatten wir sechs festangestellte Musiklehrer, jetzt sind es 48“, berichtete Interims-Geschäftsführer und Rechtsanwalt Ronald Müller, der diese Aufgabe ab dem 1. Juli 2023 übernommen hatte. Der bisherige Geschäftsführer Gerhard Wolf gab diese Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen ab.

Enorme Herausforderung

Die arbeitsrechtlichen Veränderungen infolge des „Herrenberg-Urteils“ charakterisierte Müller als „enorme Herausforderung“. Für die Musikakademie VS gilt jetzt ein Haustarif, der sich an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) anlehnt. Darüber hinaus habe man mit den Musiklehrern eine Flexivariante vereinbart, um den Unterricht an den Bedarf und die Schülerzahlen besser anpassen zu können. Der Anteil flexibler Arbeitszeit betrage 25 Prozent vom Gesamtdeputat.

Höhere Gebühren

Die Stadt VS unterstütze finanziell, indem sie 50 Prozent der Personalkosten übernehme. Einen weiteren Anteil der Kostensteigerungen erwirtschafte die Musikakademie durch eine Gebührenanhebung von 15 Prozent in diesem und auch im nächsten Jahr, so Christian Fischer. Auf Nachfrage sagte Caroline Wintermantel, dass wegen dieser Erhöhung zwar Eltern ihre Kinder vom Musikunterricht abgemeldet hätten – allerdings wenige und nicht mehr als in den Jahren zuvor.

2023 seit das erste Jahr gewesen seit der Pandemie ohne Corona-Verordnung. Man verzeichne eine Erholung bei den Schülerzahlen. Ein Großteil sind Kinder und Jugendliche. Beim Unterricht für Erwachsene gilt an der Musikakademie derzeit ein Moratorium, führte Christian Fischer aus. Grund dafür sei die Diskussion, eine Umsatzsteuer auf Ausbildungsleistungen zu erheben. Falls sich solche Pläne nicht realisierten, nehme man wieder Erwachsene auf.

Stolz auf Ergebnisse

Die Musikakademie ist in der Spitzen- und in der Breitenförderung tätig. Stolz sei man auf die guten Ergebnisse von Schülerinnen und Schülern auf verschiedenen Ebenen von „Jugend musiziert“, so Wintermantel. Seit dem vergangenen Jahr kann die Einrichtung auf ihre SVA-Zertifizierung verweisen. Damit können Jugendliche nach dem Schulabschluss auf ein Musikstudium vorbereitet werden. Auf sehr gute Resonanz stoßen die Kurgartenkonzerte in Villingen in Zusammenarbeit mit dem städtischen Seniorenrat.

Möglicher Umzug

Der Aufsichtsratsvorsitzende machte deutlich, dass in die Räumlichkeiten investiert werden muss. Insbesondere in der Immobilie Goethestraße stoße man an Grenzen. In der Diskussion ist jetzt offenbar, ob die Musikakademie im neuen Wohngebiet Oberer Brühl in Villingen ein Gebäude beziehen kann. „Der Knackpunkt wird die Finanzierung sein.“

Katharina Hirt (CDU) unterstrich die gute Arbeit der Musikakademie. Hier würden alle bedient, von ganz jung bis alt. „Und sie ergänzen den Musikunterricht an den Schulen.“ Auf Nachfrage von Olaf Barth (AfD) sagte Fischer, es gebe keine ehrenamtlichen Kräfte an der Musikakademie. Allerdings brächten die Musiklehrer viel an zusätzlicher Eigenleistung ein – über den normalen Unterricht hinaus, und das sei bemerkenswert. Ein neuer Geschäftsführer für die Musikakademie ist inzwischen auch gefunden: Burkhart Matthias Schürmann tritt am 19. Oktober seinen Dienst an.