Alle gemeinsam auf der Bühne Foto: Conzelmann

Mit Können und ganz viel Spielfreude hat das Städtische Orchester Albstadt unter der Leitung von Attila Hepp beim Herbstkonzert in der Ebinger Festhalle überzeugt. Die Werke des Komponisten Jacob de Haan garantierten facettenreiche Musik zum Träumen.

Albstadt-Ebingen - Eine "wohlwollende Berichterstattung durch die Presse" wünschte sich Dieter Dörrer in seiner Begrüßungsrede. Doch der Vorsitzende des Städtischen Orchesters hätte sich keine Sorgen zu machen brauchen, auch ohne die augenzwinkernde Bemerkung zur Einleitung war der Abend für alle Anwesenden ein Genuss.

Den Anfang machten die Youngsters. Der musikalischen Leiterin Nadine Eppler war es in den vergangenen Monaten gelungen, trotz erschwerter Probenbedingungen die Jungen und Mädchen "bei den Instrumenten" zu halten. Dieses Engagement hat sich gelohnt, wie die Kinder und Jugendlichen bewiesen. Mit "Bohemian Rhapsody" von Queen und "Smoke on the water" von Deep Purple spielten sie die beiden einzigen Stücke, die nicht von de Haan komponiert oder arrangiert waren. Dass gerade für junge Leute aber das Spielen solcher bekannten Hits besonders Spaß macht, war dem Musikernachwuchs deutlich anzuhören und abzuspüren.

Jugendorchester mit "Pfiff"

Mit "Pfiff" wartete das Jugendorchester auf: Bei "Blue March and Boogie" verbindet Komponist Jacob de Haan die eigentlich unvereinbaren Musikstile Boogie und Marschmusik. Schwungvoll begann mit der Posaune das Stück "Pump it up!", das geistliche "Amazing Grace" in einem neuen Arrangement des Holländer de Haan brachte Wohlvertrautes in ungewohntem Gewand.

Dieter Dörrer hob nach den Auftritten von Youngsters und Jugendorchester auf die Wichtigkeit der Aus- und Weiterbildung der Jugendlichen ab – gerade in diesen schwierigen Zeiten. Dass diesen das Musizieren wichtig ist, zeigte sich auch darin, dass gleich zehn von ihnen kürzlich den D1-Lehrgang absolviert und bestanden haben. Das Leistungsabzeichen erhielten Valentina Gerovac (Altsaxophon), Ferdinand Hirt (Schlagzeug), Florian Hirt (Trompete), Felix Roscher und Raphael Schwarz (beide Posaune), Marius Bauer (Saxophon), Sarah Cevajka (Oboe) und die Querflötistinnen Milena Nölke, Emma Sophie Zetsche und Lea Knobel. Das silberne Leistungsabzeichen bekam aus den Händen von Jugendleiter Jonathan Dörrer für ihre Leistungen mit der Posaune Eva Maria Hirt.

Furioser Beginn

Das fast 50-köpfige Städtische Orchester begann seine Vorstellung furios mit "Castrum Alemorum", einem Stück, das als typische Kostprobe für das Gesamtwerk Jacob de Haans gelten mag: eine Kombination aus modernen Klängen mit Versatzstücken aus Renaissance, Musik zum Träumen abwechselnd mit rhythmischen Abschnitten. Auch bietet "Castrum Alemorum" Gelegenheit, sich in andere Zeiten und Orte dieser Welt versetzen zu lassen, dort geht es um eine musikalische Burgführung durch ein Bauwerk im Osten Frankreichs.

Ebenfalls in Frankreich spielt "Odilia", eine von mittelalterlicher Tanzmusik inspirierte Komposition, während die "Universal Band Collection" die Phantasie gleich in mehrere Welten entführt, vom Western über chinesisch anmutend bis zu Anlehnungen an den spanischen Flamenco. Die Arrangements mögen nicht die allerhöchsten Schwierigkeitsgrade gehabt haben, jedoch bestachen sie durch ihre Vielseitigkeit. Alle Register des Orchesters wurden so gezogen, Holz- wie Blechblasinstrumente gleichermaßen. Nicht nur grandios anzuhören, sondern auch anzusehen, war die Rhythmikabteilung, teilweise waren die Musiker ganz schön unterwegs: vom Gong zur Pauke, vom Röhrenglockenspiel über die Woodblocks zum Xylophon, von den Drums ans Tamburin und an die Rhythmusstäbe.

Entführung auf eine italienische Piazza

Nach der Pause entführte das Orchester auf eine italienische Piazza, "Sbandiamo!" ist auch der Titel eines großen Blasmusik-Festivals. "A Discovery Fantasy", eine Komposition von Jan de Haan, des älteren Bruders von Jacob, ist in mehrere Sätze unterteilt. Das Befolgen der freundlichen Anweisung der charmanten und kompetenten Moderatorin Andrea Glück, zwischen den Sätzen nicht zu klatschen, fiel nicht ganz leicht, gerade der Bolero war mitreißend. Eine fesselnde Mischung aus Barock, Pop und Jazz hörte das Publikum beim Concerto d’Amore. Krönender Abschluss waren die beiden Werke, die namensgebend für das Motto des Konzertabends waren: vom Niemandsland nach Ammerland. Für das Niemandsland stand dabei "Utopia", ein Stück, das sich wie viele andere Werke des in Rotterdam arbeitenden Komponisten als epische Filmmusik eignen würde. Bei "Ammerland" durften auch die Musikanten der beiden Jugendgruppen nochmals auf die Bühne, was ein imposantes Bild abgab.

Besondere Umstände erschweren die Probenarbeit

Dass aufgrund der besonderen Umstände das Orchester erst ab Juni wieder gemeinsam proben konnte – teils im Freien, teils im größeren Interimsprobelokal, um die entsprechenden Abstände zu gewährleisten –, war an diesem Abend nicht zu bemerken. Zu spüren war aber die große Verbundenheit aller Musiker untereinander und mit ihrem Dirigenten. Der gebürtige Ungar, von seinen Akteuren mit einem dreifachen "Attila" – "Hepp" gefeiert, dirigierte nicht nur mit viel Herzblut, sondern leitete den Beifall auch demonstrativ an die Ausführenden weiter und forderte oftmals einzelne Register oder auch das gesamte Orchester zum Aufstehen auf. Bemerkenswert auch die soziale Verantwortung, welche die Akteure übernahmen: Trotz vollständiger Impfung entschlossen sie sich einvernehmlich, sich vor der Aufführung auch zu testen. Schließlich sollte der Abend für Musiker und Publikum so in Erinnerung bleiben, wie er es verdient: als musikalischer Höhepunkt.