Jazz, Blues, Kabarett und Märchen: Im Bestattungshaus Hauser in Schramberg finden regelmäßig Kulturabende statt – finanziert auf Spendenbasis und ohne Anmeldung.
Wo üblicherweise getrauert wird, bricht das Bestattungshaus Hauser mit der Norm. Denn dort, in den Räumlichkeiten in der Uhlandstraße, finden regelmäßig unterschiedlichste Events statt – von Kabarett-Abenden bis hin zu Konzerten und Lesungen. Neben Bestattungen und Trauerbegleitung bietet das Haus auch Kunst und Kultur.
Was im ersten Moment morbide klingt, hat einen durchdachten Hintergrund. Bestatter und Eigentümer Steffen Schindler erklärt im Gespräch: „Wir wollen den Besuch im Bestattungshaus möglichst niederschwellig gestalten.“ Ziel sei es, Menschen die Angst und das Unbehagen vor dem Ort zu nehmen. Bei den Veranstaltungen ist dies möglich: Gäste können die Örtlichkeit und Mitarbeitende kennenlernen, ganz unabhängig von einem Todesfall. Kommt es dann zu einem solchen, sind zumindest Bestatter und Trauerraum keine großen Unbekannten.
Keinerlei Vorgaben
Bei den Veranstaltungen, die in der Regel donnerstagabends stattfinden, soll den Besuchern aber keinesfalls das Thema Tod aufgedrängt werden. Auch hier halten sich Steffen Schindler und Cindy Blum, Bestatterin und Trauerrednerin, ganz an den Vorsatz der Offenheit. Für Künstler, die auftreten, gibt es keinerlei Vorgaben. Das Programm soll stets eine bunte Mischung sein. Der in der Region bekannte Musiker Samuel Bantle spielte dort bereits und auch internationale Gäste, etwa aus dem Elsass, zeigten im Bestattungshaus ihre Kunst.
Am Donnerstag, 12. März, um 19 Uhr zeigt das Musikduo „Snapshot“ bekannte Stücke aus Jazz, Blues, Soul, Country und Pop. Zu Hits von Dolly Parton, Elvis Presley oder Paul Simon im Bestattungshaus zu grooven – das ist ein nicht alltägliches Erlebnis. Am Donnerstag, 21. Mai, kehrt Kabarettist Dr. Klaus-Ulrich Moeller zurück nach Schramberg. Scharfzüngig überspitzt bereitet er die Gäste auf den Weltuntergang vor. Wer sich auf das Erlebnis einlassen will, findet eine besondere Atmosphäre im Bestattungshaus.
Spendenbasis
Mit bis zu 80 Plätzen, wenn das Foyer ebenfalls bestuhlt wird, ist genug Platz geboten. Getränke und gute Gespräche gehören selbstverständlich zum Erlebnis. Finanziert wird das Ganze auf Spendenbasis – jeder Gast zahlt nach seiner Fasson. Etwa eine Stunde gehen die Auftritte, „damit alle um 21 Uhr wieder auf dem Sofa sitzen“, erläutert Schindler. Er selbst hält am Donnerstag, 17. September, einen Vortrag, der den Tod in den Fokus stellt. Unter dem Motto „Vorsorge treffen“ klärt er über die Möglichkeiten auf, den eigenen Abschied selbstbestimmt zu regeln.
Mit Cindy Blum geht es am Donnerstag, 15. Oktober, wieder traumhaft weiter, sie erzählt und singt ein musikalisches Märchen, das zum Eintauchen und Entspannen anregen soll. Voranmeldungen oder Kartenkauf gibt es nicht. Wer eine Veranstaltung besuchen möchte, kann einfach vorbeischauen.