Das Herrenberg-Urteil zwingt die Musikschulen dazu, ihre Honorarkräfte fest anzustellen. Die Musik- und Kunstschule Region Freudenstadt steht deshalb vor großen finanziellen Herausforderungen und hofft auf die Unterstützung der Kommunen. Wo die nicht kommt, müssen die Eltern ran.
Als die Eltern der Schüler an der Musik- und Kunstschule über die Konsequenzen der Herrenberger Urteils und die Auswirkungen auch auf den eigenen Geldbeutel informiert wurden, stand bei Musikschulleiterin Katharina Pschorr das Telefon nicht mehr still. „Bei uns sind hier eine Woche lang alle Telefondrähte heiß gelaufen“ sagt Pschorr.
Sie kann die Aufregung verstehen. Eltern ihrer Schüler müssen künftig – zumindest „teilweise“ – nämlich deutlich tiefer für den Unterricht der Kinder in die Tasche greifen. Teilweise deshalb, weil die Schule bei der Gebührenfestsetzung künftig sehr klar differenziert.
Musikschüler aus den Kommunen, die die Musik- und Kunstschule durch einen jährlichen Zuschuss finanziell unterstützen, zahlen in Zukunft deutlich weniger für den Unterricht als Musikschüler aus Kommunen, die das nicht tun. Bisher gab es diese Differenzierung nicht.
Mehrkosten liegen bei 400 000 Euro im Jahr
Die finanzielle Mehrbelastung aufgrund des Urteils lasse der Schule aber keine Wahl, sagt Pschorr. Bei Beibehaltung des bisherigen Angebots liegen die Mehrkosten bei 400 000 Euro pro Jahr. „Das ist schon ein Kraftakt“, sagt Pschorr. Sie hatte deshalb beschlossen, aktiv auf die „Herkunftskommunen“ ihrer 1551 Schüler zuzugehen, die Situation darzulegen und um Unterstützung zu bitten. Teilweise wird die auch schon gewährt. Pschorr betont, dass beispielsweise Freudenstadt, Pfalzgrafenweiler, Schopfloch und Wörnerberg von Anfang an als Unterstützer im Boot gewesen sind.
Die Schüler kommen aber nicht nur von dort. Mehr als 100 von ihnen kämen zudem aus Dornstetten, 44 aus Loßburg, 41 aus Glatten und 17 beziehungsweise 12 aus Baiersbronn und Waldachtal. Die Gemeinderäte in Loßburg und in Waldachtal haben die Bezuschussung kürzlich bereits abgelehnt. An der Gebührenerhöhung für die Eltern aus diesen Kommunen führt deshalb kein Weg vorbei.
Viel mehr Einsparpotenzial sieht die Schule nicht
Konkret sieht es so aus, dass ein Musikschüler bis 26 Jahre aus einer fördernden Gemeinde bei 30 Minuten Unterricht pro Woche ab 1. Oktober 78,30 Euro monatlich bezahlt, derjenige aus der nicht fördernden Gemeinde zahlt 118 Euro. Ältere Schüler zahlen für den halbstündigen Unterricht mit Fünfer-Karte 158 beziehungsweise 220 Euro, je nach Wohnort – um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Unterschiede sind also gravierend. Dabei unternehme die Musik- und Kunstschule deutlich mehr als nur den Weg in die Entscheidungsgremien, um die Folgen des Urteils abzumildern, stellt Pschorr klar. „Wir versuchen, das Angebot zu ändern, Stellen zusammenzufassen und als sowieso schon schlankes Unternehmen auch klug zu haushalten“, sagt sie. Viel mehr Einsparpotenzial gebe es aber nicht.
Um Eltern auch entgegenzukommen, wird der Gruppenunterricht künftig beispielsweise durch das günstigere Modell des Kombiunterrichts ersetzt. Hoffnungen setzt Pschorr auch auf die Einrichtung einer Bläserklasse für Erwachsene, die der Schule eine neue Einnahmequelle erschließen könnte. Die Nachfrage danach ist offenbar gegeben.
Kunsthaus wird zum Jahresende aufgegeben
Neue Angebote im Kunstbereich, beispielsweise das Malen für Erwachsene im Ambiente des „Tutto Vino“, wurden gut angenommen. Die finanzielle Situation zwingt die Musik- und Kunstschule aber auch dazu, das Kunsthaus in der Hirschkopfstraße zum Jahresende aufzugeben, um Kosten einzusparen. Günstigere Raumalternativen, vielleicht an Schulen, werden aktuell gesucht.
Programm und Preisgestaltung
Programm
Das neue Programm für die Musik- und Kunstschule und die neuen Preise gelten ab 1. Oktober. Das Programm wird aktuell erstellt. Neu im Angebot ist – unter anderem – die Bläserklasse für Erwachsene. Die Teilnehmer lernen dabei in Kleingruppen von drei Personen ein neues Instrument oder frischen ihre Praxis auf. Sie treffen sich einmal wöchentlich in der Gruppe und einmal zusätzlich pro Woche zur Orchesterstunde. Die monatliche Unterrichtsgebühr dafür beträgt 89,50 Euro, unabhängig vom Wohnort. Neu im Angebot ist auch der Kombiunterricht. Infos dazu und zu weiteren Angeboten gibt es unter Telefon 07441/911680 oder per E-Mail an info@muk-fds.de.
Die Schule
Die Musik- und Kunstschule Region Freudenstadt ist eine öffentliche Schule und wird deshalb aufgrund ihres öffentlichen Bildungsauftrags auch vom Land Baden-Württemberg gefördert. Im vergangenen Jahr hat die in Freudenstadt beheimatete Schule die Außenstelle „Pfalzgrafenweiler, Schopfloch, Wörnersberg“ eröffnet.