Jay Alexander (links) und Kevin Pabst bei ihrem vielseitigen Muttertagskonzert in Wittlingen. Foto: Veronika Zettler

Beim Muttertagskonzert im Wittlinger Gemeindehaus servierten Tenor Jay Alexander, Trompeter Kevin Pabst und Pianist Florian Schäfer ein vielseitiges Programm.

Wittlingen tobt!“ – mehrmals an diesem Abend wandte sich Jay Alexander augenzwinkernd an die Presse mit seinem Vorschlag für die Überschrift des Berichts.

 

Kleine Scherze waren Teil der Show: kein bierernstes Liederabendritual, sondern ein Muttertagskonzert mit viel Entertainment im randvoll gefüllten Wittlinger Gemeindehaus, getragen von familiärer Atmosphäre, bekannten Melodien und einem eingespielten Trio.

Für Trompeter Kevin Pabst war es ein Heimspiel, für Tenor Jay Alexander hingegen eine Premiere in Wittlingen. Gemeinsam mit dem Wiener Pianisten Florian Schäfer – von Pabst treffend als „bestes Ein-Mann-Orchester der Welt“ geadelt – hat sich das Trio glänzend „zusammengegroovt“ – ob im ‚ZDF-Fernsehgarten‘, bei ‚Immer wieder sonntags‘ oder an Silvester vor 15.000 Menschen auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

Mit Witz gewürzt

Jay Alexander, der sich seit Jahren erfolgreich zwischen Oper, Operette und Crossover bewegt, sang ohne Mikrofon und vertraute ganz auf die Tragfähigkeit seiner klassisch geschulten Stimme. Als plaudernder Conférencier alter Schule schaffte er Nähe zum Publikum, animierte zum Mitsingen und Mitsummen und würzte den Abend mit flapsigen Gags – vom Pavarotti, der „wie Waldi“ sang, bis zu seiner gescheiterten Ehe: „Aber dazu gehören ja immer zwei – die Frau und die Schwiegermutter.“ Selbst zu Puccinis „Nessun dorma“ ermutigte der Pforzheimer das Publikum mit einem fröhlichen „Göschle auf!“ zum Einstimmen.

Trompete mit weicherem Klang

Gleich zu Beginn ließ Kevin Pabst hören, was sein Spiel auszeichnet. Er sei, wie er selbst anmerkte, derzeit in einer instrumentalen „Findungsphase“ – und tauschte die gewohnte silberne gegen eine goldene Trompete, der er einen wunderbar weichen, geschmeidigen und zugleich virtuos perlenden Ton entlockte. „Ich bete an die Macht der Liebe“, das er vor Jahren erstmals in der Wittlinger Kirche spielte, gehörte zu den eindrucksvollsten Momenten. Wenn Pabst Louis Armstrongs „Hello Dolly“ oder Nat King Coles „L.O.V.E.“ anstimmte, schaltete er gekonnt ins Swing-Fach: ein knackiger Trompetensound im Wechsel mit sicherem Gespür für den Verve im Text.

„Jeder kommt mit seinem eigenen Alltag hierher“

Bei Jay Alexander standen die großen Melodien im Mittelpunkt. Udo Jürgens’ „Immer wieder geht die Sonne auf“ führte er mit breitem Atem aus dem Schlagerfach in Richtung große Ballade. In Rolf Løvlands „You Raise Me Up“ verband Alexander die hymnischen Linien mit einer persönlichen Note, als er an seine vor zwei Jahren verstorbene Mutter erinnerte. „Jeder kommt mit seinem eigenen Alltag hierher“, lud er das Publikum ein, eben diesen für eineinhalb Stunden hinter sich zu lassen.

„Göschle auf“

Das Ensemble, das munter zwischen Solo-, Duo-Auftritten und voller Trio-Besetzung wechselte, griff harmonisch ineinander. Hochflexibel in der Begleitung hielt Pianist Florian Schäfer den Abend zusammen. Besonders in Tom Jones’ „Green Green Grass of Home“ zeigte Schäfer, wie man einen vielgehörten Song mit fein abgestufter Dynamik, klarem Puls und warmem Klang neu zum Leuchten bringen kann. Dass ein Programm mit Klassikern wie der anspruchsvollen „Unchained Melody“ der Righteous Brothers, Elvis Presleys „It’s Now or Never“ oder Gershwins „Summertime“ einen eigenen Spannungsbogen entwickelte, lag am lebendigen Wechselspiel der Besetzungen.

Mehrere Mütter-Töchter-Gespanne im Publikum

In Wittlingen kam zur Professionalität die besondere Heimspiel-Atmosphäre: Viele Unterstützer aus dem Dorf hatten den Abend möglich gemacht, mehrere Mutter-Tochter-Gespanne nutzten das Konzert als Muttertagsausflug – und spätestens bei „Auld Lang Syne“ summte der ganze Saal mit.

Gänsehautmomente gab es in der Zugabenrunde. Bette Midlers „The Rose“ blieb schlicht und unprätentiös, bevor das alte Lied „In einem kühlen Grunde“ den Abend nachdenklich ausklingen ließ. Am Ende stand das Publikum und applaudierte lange.