Zum eher ungewohnten Termin am Sonntag verzauberten die Band Mahoin mit etwas seltsamem norddeutschem Humor sowie Artisten die Zuschauer im fast ausverkauften Parktheater.
Die Band – Steuermann Johnny (Gesang und Trompete), Heizer Do Di (Tuba), Heiner, vermutlich Matrose (Saxofon), Weltkultur-Serbe Nenad (Akkordeon) und Ausguck Kuddel (Schlagwerk) – sorgte für schmissige Shantys, nicht immer kitschige Schlager und gelegentliche Ausflüge in den Bereich Unterhaltung. Die Artistinnen und Artisten – Schiffskoch Scholle (sprachgewandter Jongleur und Tunichtgut vom Dienst), Viktoria (mit Hula-Hoop-Reifen) sowie Julia und Lukas (Artistik und Jonglage) – sorgten für den Zauber des insgesamt amüsanten Abends. Dass auf der Bühne, respektive dem Kutter namens „Weiße Möwe“, ansonsten nicht gerade viel Tiefgang herrschte? Geschenkt!
Die Band überzeugte mit etwas brachialem Humor zwischen den Liedern und einer Hommage an verschiedene Häfen dieser Welt, die der Kutter in den gut zwei Stunden Programm angelaufen ist. Die Artisten boten Kunst, die so eher selten zu bewundern ist.
Wer mit echten Bierflaschen (zum Glück mit verschlossenen Kronkorken) jongliert, wird Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben. Ob das Vertrauen auch für das ähnliche Kunststück mit drei gefüllten Buddeln – aber ohne Kronenkorken – genauso gilt? Die logische Sauerei auf der Bühne ergab die bittere Erkenntnis: „Das Bier ist alle.“ Wo das war? Im Hafen eines US-Bundesstaates, übrigens schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Spätestens da dämmerte den meisten der Zuschauer, dass nun „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ mitgesungen werden durfte.
Stimmung war prächtig
Die Stimmung nicht nur unter den Zuschauern war also prächtig. Sie sangen mit – so gut es eben ging –, klatschten mit – was bei dieser Art Unterhaltung unvermeidlich ist – und, wenn es ihnen passte, schunkelten sie reihenweise sichtbar mit. Da spielte es auch keine Rolle, dass der eine oder andere Witz etwas schlüpfrig war. Es gibt keine Kanarienvögel auf den Kanarischen Inseln. Was hat das mit den Jungferninseln zu tun? Auch da gibt es keine Kanarienvögel.
Die Geschichte um den Klamauk und die Kunst der Artisten war einfach gestrickt: Der Kutter segelt einmal um die Welt. Das Abenteuer verbanden Band und der Steuermann als Erzähler mit Anekdoten, Witzen sowie vielen Liedern. Die unterbrach der Tunichtgut immer wieder. Klasse war sein erstes Solo im Hafen von Rimini. Es dürfte gut gewesen sein, dass kaum jemand die brachialen und echten italienischen Schimpftiraden genau verstanden hat. Unvermeidlich waren da Hits wie „La Paloma“ oder später der „Wellerman“.
Witze bauten auf Missverständnissen auf
Die Witze bestanden zum größten Teil aus Missverständnissen, wie der Aneinanderreihung von „Tauben, Brieftauben, Turteltauben und Weintrauben“. Die Truppe legte Wert auf den (Gleich-)Klang der Worte. Auch wenn diese zusammen bestenfalls gehobener Blödsinn waren. Immerhin wissen die Besucher jetzt, warum echte Tauben nicht mit einem ganzen Schluss enden können, wenn sie gurren. Es gab aber Abzüge bei der B-Note, als die Zuschauer den „gegurrten Halbschluss“ nachahmen sollten. Dafür war die Performance der meisten Besucher gut, als es galt, bei einem Shanty immer zum Wort „Rum“ entweder aufzustehen, die Arme in die Höhe zu reißen oder zu lachen. Dass der Unsinn mitunter haarsträubend war? Sei’s drum. Immerhin gab es keine Verletzten bei den Freiübungen.
Die Band
An den Landungsbrücken des Hamburger Hafen hat im Jahr 2016 die musikalische Reise der Band Mahoin begonnen. Fünf Matrosen hatten sich damals zum Musizieren getroffen. Zunächst tingelten sie, wie es in der Biografie heißt, durch Hafenkneipen und Clubs, 2018 vereinten sie die Musik mit Akrobatik und norddeutschem Schnack und feierten mit ihrer Show Premiere.