Er ist ein Autodidakt. Und ein erfolgreicher dazu. Denn Norbert Höllstin schwingt seit nunmehr 25 Jahren den Taktstock beim Harmonika-Club Haltingen.
Der 60-Jährige, der in Weil am Rhein aufgewachsen ist und heute mit seiner Frau in Haltingen wohnt, ist „dankbar und demütig“, vor 25 Jahren die Chance bekommen zu haben, die musikalische Leitung des Harmonika-Clubs übernehmen zu können. Es passte für beide Seiten von Anfang an. Am Samstag, 28. März, 19.30 Uhr, wird nun mit dem Jahreskonzert in der Haltinger Festhalle das Dirigentenjubiläum gebührend gefeiert.
Musiker aus Leidenschaft
Norbert Höllstin, der beruflich als gelernter Industriekaufmann beim Evangelischen Dienstleistungszentrum Südbaden in Lörrach tätig ist und dort für die Betreuung der Kirchenimmobilien im Landkreis Lörrach und Waldshut zuständig ist, ist ein Musiker aus Leidenschaft und versierter Dirigent. Schon in jungen Jahren bekam er einen engen Bezug zum Akkordeonspiel, denn sein Vater spielte das Instrument im Weiler Akkordeon-Orchester. Dabei begleitete er ihn immer wieder zu Konzerten. So wuchs die Liebe zur Musik und zu diesem Instrument.
Elektronium fasziniert ihn
Mit zwölf Jahren absolvierte Norbert Höllstin beim Weiler Akkordeon-Orchester unter Leitung von Rosi Bachmann einen Anfängerkurs und wechselte nach drei Jahren ins Jugendorchester. Dabei spielte er nicht das klassische Akkordeon, sondern Elektronium, ein elektronisches Tasteninstrument im Akkordeonformat, das ihn von jeher faszinierte. Unter den Dirigenten Werner Büsch und Martin Eckerlin lernte der wissbegierige Musiker viel, schaute sich genau deren Herangehensweise beim Einstudieren der Musikstücke an, wie man gute Arrangements nicht nur technisch korrekt interpretiert, sondern versuchen muss, möglichst nahe ans Original zu heranzukommen. Auf diese Weise entwickelte er auch seinen eigenen Stil und legte dabei einen hohen Anspruch an sich selbst.
Start als Dirigent in Weitenau
Seine erste Dirigentenstelle nahm Norbert Höllstin 1998 in Weitenau beim dortigen Harmonikaorchester an. Dieses Engagement war jedoch nur ein kurzes Intermezzo, da die Vorstellungen über den musikalischen Anspruch nicht deckungsgleich waren. Denn Norbert Höllstin als ambitionierter Dirigent wollte nicht nur Unterhaltungsmusik machen, sondern auch anspruchsvollere Stücke mit einem Orchester einstudieren. Sein Leitwort, an dem er sich stets orientierte, war ein Zitat von Victor Hugo, dem bekannten französischen Schriftsteller, der die emotionale Kraft der Musik auf den Punkt brachte: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist, zu schweigen.“ Dabei fügt Norbert Höllstin hinzu: „Mit Musik malen wir ein Bild in die Köpfe der Leute.“
Glücksfall für beide Seiten
Als er damals erfuhr, dass beim Harmonika-Orchester Haltingen dessen Dirigent Frieder Glaser aufhört und der Verein einen neuen Dirigenten sucht, nahm Norbert Höllstin Kontakt mit Uwe Stefanucci auf, dem damaligen Vorsitzenden und ehemaligen Mitschüler während der Realschulzeit. Schnell wurde man sich einig – per Handschlag und ohne Vertrag. Wie sehr Norbert Höllstin, Vater zweier erwachsener Kinder, ein Glücksfall für das Orchester des 1934 gegründeten Haltinger Harmonika-Clubs wurde, zeigt die inzwischen 25-jährige bewährte harmonische Zusammenarbeit. Dabei ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, seine Vorstellungen und Programmideen gemeinsam mit den Aktiven des Orchesters abzustimmen. Er versteht es, die Begeisterungsfähigkeit der 15 Musiker und Musikerinnen, die sich 2009 zu einer Spielgemeinschaft mit Lörrach zusammengeschlossen haben, zu fördern.
Neben der Dirigiertechnik, Partiturverständnis und Kompetenz ist die Motivationsfähigkeit unerlässlich für einen musikalischen Leiter, wenn er erfolgreich sein will. Norbert Höllstin prägt seit einem Vierteljahrhundert die wöchentliche Probenarbeit und zeichnet für die Programmauswahl und die Interpretationen verantwortlich. Wichtig ist es ihm wie auch der Vorsitzenden Renate Bürgelin darüber hinaus, für ein gutes, kameradschaftliches Miteinander bei den Aktiven und innerhalb des Vereins zu sorgen, zu dem auch der Seniorenspielring gehört. Dazu tragen beispielsweise besondere Aktivitäten wie vor zwei Jahren die Konzertreise ins Kleine Walsertal und nach Oberstdorf mit mehreren Auftritten bei.
Herausfordernde Konzerte
Wenn man Norbert Höllstin nach den Höhepunkten während seiner 25-jährigen Dirigententätigkeit fragt, muss er nicht lange überlegen: „Jedes Jahreskonzert war ein Highlight.“ In besonders nachhaltiger Erinnerung sind ihm jedoch 2006 die vier Konzerte, die ausschließlich dem bekannten Trossinger Komponisten Rudolf Würthner und dessen Arrangements gewidmet waren. Sogar die Witwe des Komponisten kam damals zur Aufführung, die zudem auf CD aufgenommen wurde. Und eine besondere Herausforderung war die 2013 in 70 Probestunden einstudierte 9. Sinfonie von Antonín Dvořák. „Das war sehr anspruchsvoll“, sagt Norbert Höllstin mit dem Hinweis, dass seine Frau Saskia die Anregung zur Aufführung dieses Werks gegeben hatte.
Gottesdienste als Prädikant halten
Wenn Norbert Höllstin sich nicht mit Musik beschäftigt, dann hält er seit sieben Jahren als Prädikant in evangelischen Kirchen des Bezirks Gottesdienste. Das macht dem Mann, der ein Faible für Bücher hat, ebenso Spaß wie er zum Ausgleich gerne mit seinem Hund in der Natur unterwegs ist, Rad fährt und sich auf die bald beginnende Wohnmobilsaison freut.