Ein Abend voller Klangfarben, Temperament und feinsinniger Virtuosität. „Musica poetica“ entführte in Weil am Rhein in die Welt der Programmmusik des 17. Jahrhunderts.
Sechs Musikerinnen und Musiker – Andrea Bergmann und Claudia Petersen-Staerkle (Violinen), Hans Bergmann und Simone Brobeil (Viola), Ingo Schlüchtermann (Violone) und Stefan Beltinger (Cembalo) – spielten wie aus einem Guss, stets aufmerksam aufeinander abgestimmt und mit einem Blick zur ersten Geigerin, die das Ensemble mit Humor und viel Temperament leitete.
Zwischen Schlachtgetümmel und Lamento
Johann Valentin Meders „Sonata di Battaglia à 5“ von 1680 eröffnete den Abend: kein wilder Kampf, sondern die Aufstellung der Truppen – Reiterei, Infanterie, Dragoner – bevor sich die Musik zu einem versöhnlichen Ende wandelt. Typisch für das Battaglia-Genre waren fanfarenartige Motive, rhythmische Figuren und schnelle Tonrepetitionen, die das Schlachtgeschehen lebendig werden ließen.
Besonders eindrücklich: die Streicher spielten bewusst auf leeren Saiten, weitgehend ohne Vibrato, klangvoll und schlicht, und dennoch erstaunlich differenziert. Ein Lehrstück historischer Aufführungspraxis.
Musikalisches Duell
Die „Battaglia à 3“ von Clamor Heinrich Abel hingegen wirkte wie eine elegante Degenszene. Zwei Geigerinnen traten musikalisch „duellierend“ gegeneinander an, virtuos und lebendig. Darauf folgte Andreas Christoph Clamers „Lamento à 4“, eine intime, berührende Passage, die trotz der wenig bekannten Herkunft des Komponisten aufhorchen lässt.
Triosonaten, die den Dudelsack imitieren
Johann Heinrich Schmelzers „Polnische Sackpfeifen“ verströmte folkloristische Farben: Bordunklänge und quirlige Triosonaten, die den Dudelsack imitieren, verliehen dem Stück einen humorvollen, leicht schelmischen Charakter.
Klangliche Vielfalt
Noch einmal erklang ein Werk Meders: „Der polnische Pracher“, eine Sonata à 5 von 1689. Der Begriff „Pracher“ ist historisch mehrdeutig – ein Prahler, ein Großsprecher oder gar ein umherziehender Bettler – doch das Ensemble machte deutlich, dass es sich um eine lebendige, karikierende Figur handelt, meisterlich umgesetzt in klanglicher Vielfalt und spieltechnischer Brillanz.
Barockes Musiktheater: Der Nachtwächter
Den krönenden Abschluss bildete Heinrich Ignaz Franz Bibers Serenade „Der Nachtwächter“. In einer besonders erzählerischen Passage verlässt der Violone-Spieler Ingo Schlüchtermann sein Instrument, schreitet mit Hut, Mantel und Laterne durch die Kirche und stimmt später – wieder am Violone – mit sonorer Stimme den Ruf des Nachtwächters an. Ein stilles, humorvolles Musiktheater, das ganz ohne Worte auskommt und dennoch Bilder im Kopf entstehen lässt. – Sechs Musiker, sechs Stimmen, unendlich viele Klangfarben:
Das Publikum war begeistert. Das Konzert erfreute das Ohr und fesselte den Verstand. Ein Barockkonzert, das Spielwitz, Virtuosität und erzählerische Kraft in jeder Note offenbarte – ein Abend, der nachklingt.