Bei dem beFLÜGELten Konzertwochenende gaben sich hochkarätige Künstler in der Halle 16 den Flügel in die Hand. Neben Fountain Street & Friends und dem Sulzer Klavierquartett zeigte Jon Thebur, wie sich „Chaos“ am Klavier anhört.
Im Rahmen des beFLÜGELten Konzertwochenendes in der Halle 16 traten am Freitag Fountain Street & Friends auf.
Unter dem Motto „Wo die Liebe auf den Klang trifft“ verzauberten Marion Schaller, Felix Grützmacher und Manfred Huber die Halle. Dabei brillierte der blinde Horber Felix Grützmacher, der letztes Jahr für den „Deutschen Rock & Pop Preis“ nominiert wurde, mit seiner außergewöhnlichen Stimme.
Weg zu den Träumen
In “The Book Of Love” von “Peter Gabriel” sangen sie von dem Buch der Liebe als die Quelle jeder Musik. Die Zuhörer lauschten Nachtigallen oder „schrägen Singvögeln“, tauchten ein in die Verliebtheit, verfingen sich in Eifersucht, hinterfragten ihre Träume und begaben sich nach dem Sturm in die völlige Freiheit.
Mit einer Eigenkomposition von Fountain Street, dem Lied „Free” schickte das Trio die Besucher nachdenklich in die Nacht. Wir alle hätten die völlige Freiheit, unser Leben so zu gestalten, wie wir es uns ausmalen, lautete die Botschaft. Um herauszufinden, welche Träume einen bewegen, sollte man sich rechtzeitig auf den Weg zu sich selbst machen.
Romantik am Klavier
Ihr perfektes Zusammenspiel zeigten am Samstag die Sulzer Yukiko Naito-Fendrich am Flügel, Violinist Andreas Fendrich, Christine Schneider, Viola und Cellist Martin Schneider bei ihrem Konzertabend auf den Spuren der Romantik.
Der erste Satz aus Mozarts Klavierquartett g-moll erklang als Ouvertüre zu einem Programm mit Höhepunkten der romantischen Klavierquartett-Literatur. Viel zu schnell vergingen Faurés Sätze in c-moll im Anschluss.
Leuchtkraft und Wärme
Von leidenschaftlichen Bögen in den Ecksätzen, Spielwitz voller Überraschungen im Scherzo, Ernst und tiefer Ruhe im Adagio und wunderbaren Kantilenen in allen Sätzen war das Publikum begeistert.
Dann folgte das umfangreiche A-Dur -Klavierquartett von Johannes Brahms. Ein Werk voller Leuchtkraft und Wärme, ebenso wie ursprünglicher rhythmischer Kraft. Als Zugabe gab es einen Satz von Fauré.
Klassik, Jazz und Pop
Yukiko Naito-Fendrich wusste das Klangfarbenspektrum des Flügels gänzlich auszukosten. Wer Christine Schneider beobachtete, konnte die gefühlvollen Momente in ihrem Spiel und ihrer Mimik wiedererkennen. Auch Andreas Fendrich und Martin Schneider ließen sich bei der Aufführung von den Höhen und Tiefen der romantischen Klavierquartette mitreißen.
Den Abschluss der Konzertreihe gestaltete Pianist Jon Thebur am Sonntag. Mit seinem Konzert schuf der Komponist und Pianist einen ganz eigenen musikalischen Kosmos mit melodischen, minimalistischen Momenten. Seine Musik, eine Mischung aus Klassik, Jazz und Pop, zog die Zuhörer in ihren Bann und ließen sie Zeit und Raum vergessen.
Hommage an Revolutionär
Seine Klavierstücke ließ er effektvoll mit repetitiven Tonfolgen akustischer Zusatzinstrumente wie Sansula, Kalimba, Glockenspiel oder Kindertrommel in Loopingeffekten verschmelzen. Zur Einstimmung waren sanfte Klangflächen zu hören, so „No Ballad“.
Mit „The wind speaks to me“ reizte der Musiker sämtliche Klangmöglichkeiten der sich wiederholenden Akkorde aus und unterstrich somit die wunderbaren Pianoklänge. „For ES“ widmete er dem 2008 verstorbenen Komponisten Esbjörn Svensson, der die Welt des Jazz revolutionierte, so Thebur. Die schnellen, sehr lebhaften Klangfarben begeisterten.
Gedenken an David Bowie
„Memoria“, eine bezaubernde Hommage an die vielen 2016 verstorbenen Künstler wie David Bowie, Roger Cicero, Prince, Black und George Michael ließen die Zuhörer eigene Geschichten und stille Momente Revue passieren.
„Suchen Sie auch andauernd Ihre Brille“?, fragte der Musiker schmunzelnd. „Where did you put my glasses?“ lautete die nächste Tondichtung. Leben bedeutet auch Chaos und genau im Drunter und Drüber fand der Komponist den Stoff für sein beeindruckendes Arrangement „Chaos“ mit vielen elektronischen Echos.
„Carry me back“ und „Last but least“ waren, wie zu Beginn des Konzertes, gefüllt von ruhigen, nachdenklichen und magischen Klangfolgen. Als Zugabe wünschte sich das Publikum noch einmal „Chaos“. Der virtuose Künstler der Neoklassik hätte mehr Zuhörer verdient.