Gregor Hollmann und Christina Fassbender brillieren an Cembalo und Querflöte.
Die „Grand Tour“ durch das 18. Jahrhundert mit zum Teil neu in Archiven entdeckten Partituren – die Sonate G-Dur von Georg (Jiri) Czarth kann als Erstaufführung in Baden-Württemberg gelten – erwies sich als Glücksfall.
Nicht nur ob der vorgetragenen Werke, sondern vor allem ob ihrer hervorragenden Interpreten, der Flötistin Christina Fassbender und dem Cembalisten Gregor Hollmann.
Einfühlsame Klangvariationen
Seit zehn Jahren arbeiteten beide Musiker zusammen und seien auf der Suche Neues zu finden, berichtete Hollmann während seiner aufschlussreichen Erläuterungen durch die „Grand Tour“der von den damaligen Komponisten aufgesuchten musikalischen Zentren Potsdam, Frankfurt/Oder, Leipzig, Mannheim, Rom und Paris.
Mit dem eher unbekannteren Augustinus Reinhard Stricker eröffneten die Musiker ihre Tour und setzten von Anfang an hohe musikalische Maßstäbe. Christina Fassbenders Flötenspiel glänzte durch Klangvariationen, fein und zart im Adagio, behutsam ausgelotet im Largo, heiter-lebendig in den schnellen Läufen des Allegro und äußerst flexibel im Stimmvolumen ihrer modernen Böhm-Querflöte.
Vater und Sohn
Gregor Hollmann am Cembalo, einer nachgebauten Kopie eines aus dem 18.Jahrhundert stammenden Cembalos (das Original steht im Nationalmuseum Nürnberg) spielte den basso continuo perlend-elegant. Die Sonate C-Dur von Johann Sebastian Bach, des direkten Nachfolgers Stricker als Kapellmeister, bestach durch warm ausgespielten Spannungsbogen im Adagio und durch temperamentvoll, ja tänzerische Eleganz im Allegro.
Bereits in der Sonate e-moll seines Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach traten Brüche zum Werk seines Vaters auf. Schon die gewählte Molltonart ließ dunklere Schwere (im Adagio) durchscheinen und im forciert gespielten Allegro Zerrissenheit erahnen, während Fassbender im Menuet einen retardiert-eleganten Abschluss wählte.
Klangvolle Grazie
Mit „La Follia“ , als Sonata 12 der berühmtesten Variationsfolge von Arcangelo Corelli, beschlossen die beiden Musiker den ersten Teil ihrer Reise. Nach graziösem Beginn steigerte die Flötistin mit schnellsten Trillerpassagen den Tanz, um wieder in langsamer Wiederholung durch zarte Strahlkraft zu glänzen.
Cembalist Hollmann begleitete durch klaren Anschlag und perlendes Spiel. Durch den elegant gestalteten Wechsel von Forcierungen und Retardierungen gewann das Werk an lebendiger Grazie.
Beeindruckend schnelle Tempi
Verwunderlich sei, wie Christina Fassbender die drei Komponisten aus der letzten Station Paris einstufte, dass sie während der Revolutionswirren diese Werke zustande gebracht hätten. Zudem träten bereits Neuentwicklungen deutlich zutage.
In der Sonate G-Dur von Francois Devienne waren durchaus Vorausbezüge zu Mozart und Hayden heraushörbar. Freiere Gestaltung, auch durch eine andere Sonatenform, verspielte Koloraturen, im Adagio über weite Spannen ein freies Spiel, die Solopartie der Flöte plötzlich in Moll und das neu eingefügte Rondo beeindruckte durch schnelle Tempi mit Synkopen.
Meisterkonzerte und Dreiklang-Saison
In der Polonaise von Antoine Hugot bezauberten die Musiker durch extreme Tempi und zart retardierende Einschübe und beendeten ihre „Grand Tour“ mit einer Zugabe, dem Adagio von Tomaso Albinoni.“
Die Oberndorfer Meisterkonzerte finden bis zum 12. April in der ehemaligen Augustiner-Klosterkirche statt. In der Dreiklang-Saison gibt es bis zum 16. März 13 Konzerte im Kreis.