Mit zwei Virtuosen starteten die Haigerlocher Schlosskonzerte in eine neue Spielzeit. Das Klavier-Duo Costa verzauberte das Publikum im Bürgerhaus.
Nur wenige Instrumente sind in der Lage, ihre Zuhörer in einen Zustand zwischen Traum und Wirklichkeit zu versetzen. Das Klavier, erst recht, wenn es ein Konzertflügel ist, gehört zweifellos dazu. Und wenn gleich zwei Händepaare mit flinken Fingern und in müheloser Leichtigkeit über dessen Tasten fliegen, dann wird aus den dabei erzeugten Tönen ein geradezu sinnliches, fast rauschhaftes Erlebnis.
Seit 20 Jahren bilden die Französin Yseult Jost und der Portugiese Domingos Costa ein kongeniales Duo. Regelmäßig tritt es in größeren Häusern oder bei Festivals in vielen europäischen Ländern auf und wird dort für seine außergewöhnlichen Programme gefeiert. Insofern konnte der Freundeskreis der Haigerlocher Schlosskonzerte schon etwas stolz darauf sein, dass man für den Auftakt der acht Konzerte in diesem Jahr zwei solch renommierten Künstler gewinnen konnte.
Das Bürgerhaus der Stadt bietet nämlich nicht die ganz große Show-Bühne, sondern eher einen intimen Rahmen. Dessen Atmosphäre – die Beleuchtung wurde auf schummriges aber sehr behaglich wirkendes Wohnzimmerlicht heruntergedimmt – kam den Darbietungen des Duos sogar noch entgegen. Werke von sechs großen Komponisten (Franz Schubert, Franz Liszt, Johannes Brahms, Gabriel Fauré, Claude Debussy und Maurice Ravel) hatten sich Jost und Costa an diesem Abend ausgesucht. Alles Stücke aus der Zeit zwischen Mitte des 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert und alles Beiträge, die zu jeder Sekunde bestens zum Titel des Abends „Traumwandler“ passten.
Unbändige Leidenschaft ist zu spüren
Das wurde schon beim Auftaktstück, der „Fantasie f-Moll“ von Franz Schubert, deutlich. Sie ist in dessen Todesjahr 1828 entstanden und gilt als eines seiner kreativsten Werke. Unbändige Leidenschaft kam in den „Ungarischen Tänzen“ von Johannes Brahms zum Ausdruck. Die flirrende Trägheit eines überhitzen Sommertages an einem Teich überschattete dagegen die sinfonische Dichtung „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“ von Claude Debussy. Ein fast erotisches Stück, das von Maurice Ravel für Klavier zu vier Händen bearbeitet worden ist. Der mythische Faun (halb Mensch, halb Ziegenbock) ist ein Flöte spielender Waldgeist. In seinen Träumen entwickelt er geradezu lüsterne Begierden, die ihn von der Natur vollkommen Besitz ergreifen lassen.
Aus der Feder Ravels stammte auch das Schlussstück des Abends, die viersätzige „Rapsodie espagnole“. Vier Klangbilder mit geradezu hypnotischer Wirkung, die in den Klanglandschaften einer spanischen Sommernacht herumschweifen und von der traditionellen Volksmusik des Landes und seiner Regionen geprägt sind. Die Rhapsodie – und auch die Reise durch die Nacht – endet in einem prächtigen Feuerwerk, erlebbar gemacht von Jost und Costa mit vierhändig gespielten Klangkaskaden.
Die rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörer im Bürgerhaus waren hin und weg von der meisterhaften Darbietung und wurden von Yseult Jost und Domingos Costa mit zwei Zugaben belohnt: mit einem heiter perlenden Scherzo von Théodore Gouvy und mit einem 1871 entstandenen Wiegenlied („Berceuse“) von Camille Saint-Saëns.
Wenn es so weitergeht, darf man die nächsten sieben Schlosskonzerte mit großer Vorfreude erwarten.