Bach traf auf Piazzolla: Das erste Konzert der sommerlichen Kreuzgang-Konzertreihe in Alpirsbach mit dem Klassikorchester Camerata Europeana war ein voller Erfolg.
Fast 250 Besucher erlebten Musiker der Extraklasse aus ganz Europa mit einem kontrastreichen Programm. Minutenlanger Applaus führte zu dankbaren Zugaben.
Die beschaulichen Klostermauern schienen an diesem lauen Sommerabend wie für klassische und südländische Klänge geschaffen. Ort und Akustik gaben insbesondere den beiden Solisten, Lysandre Donoso aus Paris (Bandoneon) und dem renommierten Konzertgitarristen Friedemann Wuttke den idealen Rahmen.
Werke dreier Komponisten gab es zu hören. Etüden und Präludien des Brasilianers Heitor Villa-Lobos (1887-1959) und Tangomelodien des Argentiniers Astor Piazzolla (1921-1992) wechselten mit zwei populären Werken von Johann Sebastian Bach.
Spritzig und verspielt
Schon mit den ersten Klängen tauchten die Besucher ein in die Welt des berühmten Tango-Meisters. „Tristezas de un doble“, spritzig und verspielt musiziert, bot einen echten Ohrenschmaus.
Mit der Klangkombination von Streichern und Bandoneon beschwor das Ensemble unter Konzertmeisterin Christin Uhlemann eine große Bandbreite von Gefühlswelten. Donosos Bandoneon-Klang erinnerte an die ursprüngliche Musik. Der Cellist Heitor Villa-Loboos erlangte in Südamerika Weltruhm. Seine „Fünf Präludien für Gitarre und Orchester“ hatten an diesem Abend schon fast Ohrwurmcharakter. Friedhelm Wuttke als Meister der Gitarre schien bei dieser Komposition mit seinem Instrument verwachsen. Faszinierend, zwischen Freude, Leidenschaft und Traurigkeit pendelnd, erzeugte der Stuttgarter eine kurzweilige Klangvielfalt.
Gespannt und mucksmäuschenstill
Da tat die kurze Pause, die dem Saitenriss des Bratschisten geschuldet war, diesem spritzigen Musikvergnügen keinen Abbruch. Gespannt und mucksmäuschenstill warteten die Musikliebhaber auf den Brückenschlag über drei Jahrhunderte. Denn beide südamerikanischen Komponisten hatten viele ihrer Werke aus der Affinität zu den Kompositionen des Thomaskantors erschaffen, erfuhren die Gäste aus den Programmtexten.
So war es nicht verwunderlich, dass eines der berühmtesten Bach-Werke für viel Jubel sorgte. Mit dem Dritten der „Brandenburgischen Konzerte“ gab es einen echten Höhepunkt. Frisch, schwungvoll und sehr prächtig schien das Werk Musiker und Publikum gleichermaßen zu beseelen.
Intimität des Werks
Die Solisten hatten nach der wohlverdienten Pause einen Auftritt als Duo bei Piazzollas „Hommage à Cordoba“. Den ansprechenden Background lieferte hier ein kleines Ensemble des Orchesters. Die vom Publikum so geliebte „Air“ aus Bachs Suite Nr. 3 durfte nicht fehlen. Freilich sorgten Gitarre und Bandoneon für ein exotisches Gewand, dennoch spürte man der kammermusikalischen Intimität des Werks mit viel musikalischer Meisterschaft nach. Zu Piazzollas „Hommage á Liege“ durften sich die Gäste noch einmal in die Tango- und Milonga-Welt nach Argentinien träumen.
Die Eltern der Alpirsbacher Grundschule bewirteten in der Pause und nach dem Konzert mit kleinen Leckereien.