Jeroen Finke und Barbora Hulcova beim Konzert im Würfelsaal der Volksbank. Foto: Susanne Heinrich

Die Reihe geht weiter mit dem Konzert des Ensembles La Protezione della Musica im Würfelsaal der Volksbank Trossingen.

Wie sich die Gefühle der Menschen des 17. Jahrhunderts und der Menschen des 21. Jahrhunderts doch gleichen! Eindringlich vor Augen geführt wurde dieser Umstand im Konzert des Ensembles La Protezione della Musica im Würfelsaal der Volksbank Trossingen.

 

Michael Weisser von der Volksbank wählte in seiner berührenden Begrüßung die selben Worte, wie sie danach in den Geistlichen Konzerten und Liedern von Heinrich Schütz und meist unbekannten Zeitgenossen wie Tobias Michael (1592-1657), Johann Schop (1590-1667) und anderen vorkamen. Es ging um den immerwährenden Zwiespalt zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Krieg und Frieden – im 30-jährigen Krieg ebenso wie in der Gegenwart.

Themen, die nicht an Aktualität verlieren

Jeroen Finke (Bariton und Perkussion) und Barbora Hulcova (Theorbe und Renaissancelaute) hatten ganz kurzfristig ein abendfüllendes Programm für zwei Musiker auf die Beine stellen müssen, weil der angekündigte Mika Stähle (Gesang und Tasteninstrumente) krank geworden war. Doch war es für die beiden Profis kein Problem, ansprechend und routiniert agierten sie als eingespieltes Team. Jeroen Finke überzeugte mit seiner Fähigkeit, blitzschnell gegensätzliche Emotionen auszudrücken, mit lebhaften Interpretationen, differenzierter Stimmführung, Textverständlichkeit und angemessenen Gesten. Zudem genoss er offensichtlich seine Rolle als Entertainer.

Mit versierten, spontan formulierten Ansagen machte er das Publikum mit Komponisten und Gegebenheiten des frühen 17. Jahrhunderts vertraut und seine witzigen Formulierungen, die so gar nichts von einer belehrenden Schulstunde hatten, sorgten für manches Lachen. Dass er mit dieser Doppelfunktion als Sänger und als Sprecher seine Stimme ganz schön strapazierte, war dann doch gegen Ende etwas zu spüren, vielleicht wären eingestreute Solostücke für die Lauteninstrumente hilfreich gewesen. Doch Barbora Hulcova konnte auch so beweisen, dass sie eine absolute Könnerin auf ihren Instrumenten ist. Mit ungeheurem Einfühlungsvermögen begleitete und unterstützte sie nicht nur die Singstimme, sondern führte Spannungsbögen voran und setzte eigene, zurückhaltende zwar, aber wirkungsvolle Akzente.

Publikum begeistert

An ihrer Körpersprache und ihrem Gesichtsausdruck war deutlich abzulesen, wie eng sie mit der Stilistik der Musik und den Texten vertraut ist. Schade, dass die Laute nur bei einem Stück eingesetzt wurde, die Abwechslung war sehr schön, ebenso wie der dezente Einsatz von Glöckchen und Schellentamburin. Das Publikum spendete begeisterten Beifall. Das nächste Konzert im Würfel ist am 7. November um 19.30 Uhr. Die neue Professorin für Gitarre Jinhee Kim und ausgewählte Studierende stellen sich unter dem Motto „Persona – Facetten der Gitarrenmusik“ vor.