Im Zuge der „FDS Musicdays“ gastierte das „Sirius Quartet“ im ehemaligen Grandhotel Waldlust in Freudenstadt und begeisterte trotz ungewöhnlicher Töne im einstigen Ball- und Speisesaal.
Das Ambiente in der „Waldlust“ war so ungewöhnlich wie die Musik, die dort an diesem Abend gespielt wurde – und gleichermaßen beeindruckend. Mehr als 100 Besucher waren gekommen, um einen musikalischen Leckerbissen der besonderen Art zu erleben.
Und das vermutlich nicht zufällig, weil der Abend keine vernünftige Alternative bot, sondern ganz gezielt. Man muss sie nämlich schon lieben, diese von vier erstklassigen Musikern präsentierte, sehr spezielle Art von Musik, um einen solchen Abend zu genießen. Wer dachte, er könne beim Plausch mit den Tischnachbarn und gefälliger Hintergrundmusik mit harmonischen Streichern einen netten Abend erleben, war fehl am Platz.
Was Gregor Hübner und Fung Chern Hwei (Violinen), Ron Lawrence an der Viola und Jeremy Harman am Cello präsentierten, hatte nichts mit dem klassischen Streicherrepertoire zu tun.
Die klassische Schiene verlassen
Obwohl – oder vielleicht auch weil – alle vier klassisch ausgebildete Musiker sind, haben sie in dieser Kombination die klassische Schiene zugunsten der experimentellen Eigenkompositionen verlassen. „Sirius Quartet“ ein bisschen nebenher: Das geht nicht. Wer sich eingelassen hat – und dem begeistern Applaus zufolge waren das fast alle –, der erlebte einen Abend der Extraklasse auf einem musikalischen Niveau, das seinesgleichen sucht.
Dies nicht nur aufgrund der absoluten Präzision mit der die so häufig nicht erwarteten und ungewöhnlichen Einsätze gespielt wurden, auch aufgrund der rhythmischen Komplexität und der Virtuosität, mit der sie den Raum verzauberten.
Gestartet wurde der Abend, durch den Gregor Hübner führte – das einzig deutschsprachige Bandmitglied und Studienkollege von Musiker, Bandleader und Lehrer Christof Ruetz, der ebenfalls im Publikum weilte – mit einer Komposition von Cellist Jeremy Harman, der dafür einen orthodoxen Gesang aus Belarus bearbeitet und in eine Eigenkomposition überführt hatte.
Aufenthalt im Senegal als Inspirationsquelle
Das nicht minder beeindruckende „Farewell horatio“ im Anschluss entstammte der Feder von Fung Chern Hwei, der dabei musikalisch vermutlich vom Abschiedsgruß an den Piraten Horatio Sinbad inspirieret wurde.
Hübner selbst hat mit dem letzten Stück vor der Pause, dem dreisätzigen Streichquartett „Rage“, als Komponist zum Abend beigetragen. „Es ist politisch geworden“, sagte Hübner mit Verweis auf die Satztitel wie „Shut it down“ oder „Aleppo-City of Capes“. Die Emotionen und die Wut (Rage), die Hübner dabei offenbar bewegten, spiegelten sich in der energiegeladenen, dann aber auch wieder abwartend und fast lyrischen kontrastreichen Spielweise wider.
Nach der Pause, in der die Denkmalfreunde die Besucher mit Getränken und Snacks bewirteten, folgte der zweite Konzertteil mit Stücken, zu denen beispielsweise ein Aufenthalt im Senegal, der Free Jazzer Carl Burger oder auch eine Subway Station in Brooklyn inspiriert haben. So vielfältig wie die jeweilige Inspiration war auch die Musik, die vom faszinierten Publikum mit einem nicht enden wollenden Applaus bedacht wurde. Erst nach mehreren Zugaben durfte das Quartett die in rotes Licht getauchte Musikmuschel verlassen.
Termine
Ausblick
Weitere Musicdays-Veranstaltungen mit unterschiedlichen Kooperationspartnern folgen heute, 26. November (Pauline Ruhe & Christoph Neuhaus mit Jazz im Subiaco), am 28. November (Oxon & Torpedo Sirnau mit Heavy Rock im Nachtwerk), ebenfalls am 28. November (Jugendjazzorchester und Kepler Bigband im Kepler-Gymnasium) und am 29. November (Dr. Mablues and the Detail Horns-Bluesbrothers im F 23). Neil Young Unpluged by Bernhard Amsberg am 27. November bei „Kultur am Dobel“ entfällt wegen Erkrankung des Musikers.